CDU: "Rot-Grün hat politisch versagt" Innenbehörde will 40 Intensivtäter abschieben

8,8 Prozent mehr Straftaten gab es 2015 im Land Bremen. Vor allem die Zahl von Diebstählen nahm zu. Einige "Antänzer", so Innensenator Mäurer, seien mittlerweile auch für Einbrüche verantwortlich.
03.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Innenbehörde will 40 Intensivtäter abschieben
Von Jürgen Theiner

8,8 Prozent mehr Straftaten gab es 2015 im Land Bremen. Vor allem die Zahl von Diebstählen nahm zu. Einige "Antänzer", so Innensenator Mäurer, seien mittlerweile auch für Einbrüche verantwortlich.

Die Zahl der Straftaten ist in Bremen und Bremerhaven im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die am Donnerstag von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) vorgestellt wurde, steht für Bremen ein Plus von 8,8 Prozent zu Buche. In absoluten Zahlen verzeichnete die Polizei hier gut 6200 Straftaten mehr als im Jahr 2014, nämlich 76 978.

Lesen Sie auch

Das Gros des Zuwachses speist sich aus drei Quellen: dem deutlichen Anstieg der Diebstähle (+2500), der Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie der Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, Stichwort Flüchtlinge. Signifikante Steigerungen gab es aber auch in anderen Bereichen wie etwa den sogenannten Straftaten zum Nachtteil älterer Menschen – wenn also beispielsweise der vermeintliche Wasserwerker bei der Oma klingelt und es auf ihren Schmuck abgesehen hat.

Der steile Anstieg bei Taschendiebstählen hat viel mit einer Gruppe hochkrimineller Jugendlicher aus den Maghreb-Staaten zu tun. Die Grenze zum Raub sei bei diesen Delikten eine fließende, insbesondere bei den „Antanzdiebstählen“, wie der stellvertretende Kripo-Chef Jürgen Osmers bei der PKS-Präsentation erläuterte. „Je nach Gegenwehr des Opfers kann das in die eine oder in die andere Kategorie fallen.“ Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich auch beim Straßenraub die Zahlen nach oben bewegt haben.

66 Prozent der Taschendiebstähle von Nordwestafrikanern verübt

Das Deliktfeld Taschendiebstahl ist nicht nur von der Tätergruppe her, sondern auch räumlich präzise einzugrenzen. Fast die Hälfte aller Taschendiebstähle ereignete sich 2015 im Innenstadtbereich, wobei sich das Bahnhofsumfeld wiederum als einer der Brennpunkte darstellte. Stadtweit wurden nicht weniger als 66 Prozent dieser Taten von Menschen aus Nordwestafrika verübt, zumeist von Minderjährigen, die aus rechtlichen Gründen – anders als Erwachsene – nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden können.

Lesen Sie auch

Nach Mäurers Darstellung bereitet die Innenbehörde allerdings die Abschiebung von rund 40 jugendlichen Intensivtätern vor, die in naher Zukunft volljährig werden. Mäurer: „Wir müssen die außer Landes bringen, alles andere ist Sozialromantik.“ In jüngster Zeit sei erkennbar, dass einige der jungen „Antänzer“ bereits auf anderen Kriminalitätsfeldern aktiv werden, etwa bei Einbruchdiebstählen.

Zahl der Einbrüche geht leicht zurück

Die Einbrüche stellen in der 2015er Statistik aber gerade den einzigen kleinen Lichtblick dar. 2014 hatte die Zahl dieser Delikte erstmals die Marke von 3000 überschritten. Die Angst, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein, griff in der Folge immer weiter um sich. Für das vergangene Jahr stehen „nur“ noch 2776 Einbrüche zu Buche, was aus Sicht des Innensenators nicht zuletzt mit einer verbesserten Prävention zu tun hat. Immer mehr Täter blieben im Versuchsstadium stecken, wie eine statistische Zeitreihe aus den vergangenen Jahren erkennen lässt. Der leichte Rückgang bei den Einbrüchen ist für Ulrich Mäurer indes „kein Grund zum Jubeln“.

Bremen weise auch im Großstadtvergleich immer noch ein sehr hohes Niveau auf. In einzelnen Stadt- und Ortsteilen wie Osterholz, Huchting und Kattenturm habe sich die Lage sogar verschlechtert. Was dem Innensenator nach eigenem Bekunden besondere Sorge bereitet, ist die Zunahme der Gewalt gegen Polizisten. 418 Aggressionsdelikte gegen Vollzugsbeamte wurden 2015 erfasst. Fast ein Fünftel mehr als im vorangegangenen Jahr.

CDU: "Rot-Grün hat beim Umgang mit kriminellen Ausländern versagt"

Die unerfreuliche Gesamtentwicklung hat bereits erste Reaktionen aus Politik und Verbänden hervorgerufen. Die Statistik stelle Senator Mäurer „ein schlechtes Zeugnis aus“, kommentierte der CDU-Innenpolitiker Wilhelm Hinners. Sie sei das „Ergebnis einer unverantwortlichen Personalpolitik und zugleich Dokumentation des politischen Versagens der rot-grünen Landesregierung beim Umgang mit kriminellen minderjährigen Ausländern“, so Hinners.

Nach seiner Einschätzung gäbe es weniger Opfer von Diebstählen und Straßenraub, wenn die Landesregierung die geschlossene Unterbringung hochkrimineller jugendlicher Migranten längst umgesetzt hätte, statt sie ins Jahr 2017 zu verschieben.

An diesem Punkt deckt sich Hinners Meinung mit der Position der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Die verstrichene Zeit beim Thema geschlossene Unterbringung findet sich deutlich in den Zahlen wieder“, ist Jochen Kopelke überzeugt. Der GdP-Landeschef sieht insbesondere die Lage am Hauptbahnhof mit Sorge – und die Polizei personell am Ende ihrer Möglichkeiten.

Die Linke glaubt, einem Teil der Kriminalität mit mehr sozialen Investitionen entgegenwirken zu können. Das gelte etwa für die Drogenpolitik und „armutsbedingte Delikte“, so Fraktionschefin Kristina Vogt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+