Das Projekt „Syrische Lehrer an Bremer Schulen“ erhält den Preis der Deutschen Kindergeldstiftung

Integration an der Tafel

Bremen. Abdruhman Iso und Idris Abatran kennen sich aus Syrien. In Aleppo haben die beiden gemeinsam an der Universität Englisch studiert und später als Lehrer an verschiedenen Schulen unterrichtet.
18.09.2016, 00:00
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Von Jan Oppel
Integration an der Tafel

Abdruhman Iso (links) und Idris Abatran haben in Aleppo gemeinsam studiert. Nach ihrer Flucht aus ­Syrien sind die beiden in Bremen wieder vereint und arbeiten nun als Lehrer.

Jonas Völpel

Bremen. Abdruhman Iso und Idris Abatran kennen sich aus Syrien. In Aleppo haben die beiden gemeinsam an der Universität Englisch studiert und später als Lehrer an verschiedenen Schulen unterrichtet. Dann kam der Krieg, und die Wege der Freunde trennten sich. Heute leben Iso und Abatran in Bremen. Nach der Flucht aus ihrer Heimat haben sich die Freunde hier wiedergetroffen. Dank der Initiative „Syrische Lehrer an Bremer Schulen“ können die beiden ihren Beruf nun auch in Deutschland ausüben.

Am Sonnabend wurde das Projekt im Sportgarten mit dem Preis der Deutschen Kindergeldstiftung ausgezeichnet. Die Deutsche Kindergeldstiftung aus Bremen hat sich zum Ziel gesetzt, neue, gemeinnützige Projekte zu fördern, um Chancengleichheit unter Kindern und Jugendlichen herzustellen. Entgegengenommen wurde der mit 5000 Euro dotierte Preis von Jasmina Heri­tani. Die studierte Kulturwissenschaftlerin stammt aus Bremen und hat das Projekt an der Universität Göttingen ins Leben gerufen. Sie begleitet die syrischen Lehrer in ihrem Schulalltag. Die Unterschiede und Parallelen der beiden Bildungssysteme kennt Heritani aus erster Hand: Als Kind ist sie während der 1980er-Jahre in Syrien ein Jahr zur Schule gegangen. Damals sprach sie noch kein Arabisch und war im Heimatland ihres Vaters selbst eine Fremde.

In Bremen müssen etwa 2500 Flüchtlingskinder an Schulen zusätzlich unterrichtet werden. Doch es fehlen Lehrkräfte, Dolmetscher und Sozialarbeiter, die diese Schüler unterstützen und begleiten können. Diese Lücke soll das Projekt „Syrische Lehrer an Bremer Schulen“ schließen – mit Lehrern, die ebenfalls aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Heritani arbeitet gleichzeitig mit fünf bis zehn geflüchteten Lehrern im Stadtgebiet zusammen. Regel­mäßig besucht sie die Lehrer im Unterricht in Bremen und tauscht sich mit ihnen aus. „Ich versuche dabei herauszufinden, wie die syrischen Lehrer mit ihren Potenzialen die deutschen Kollegen am besten entlasten können“, sagt Heritani.

Durch ihre wissenschaftliche Begleitung will Heritani herausfinden, welche Qualifikationen ihnen fehlen, um als reguläre Lehrkräfte in Deutschland arbeiten zu können. Aus dem Projekt soll mittelfristig ein differenziertes Fortbildungsangebot für geflüchtete Lehrer entstehen. Denn die syrische Lehrerausbildung wird in Deutschland nicht anerkannt.

15 Stunden in der Woche unterrichtet Idris Abatran an der Gerhard-Rohlfs-Oberschule in Bremen-Nord, Abdruhman Iso ist an der Neuen Oberschule in Gröpelingen beschäftigt. Beide sprechen Deutsch – neben Ausbildungsnachweisen und Zeugnissen eine weitere Voraussetzung für ihren Einsatz. Im Unterricht sind sie Lehrer, kulturelle Vermittler und Dolmetscher zugleich. „Manchmal spreche ich in einer Stunde vier Sprachen: Arabisch, Deutsch, Englisch und Kurdisch“, sagt Abdruhman. Teilweise unterrichten die beiden Lehrer Gruppen von Flüchtlingskindern allein, an anderen Tagen unterstützen sie ihre Kollegen in den Klassen.

Die Lehrer erhalten eine Aufwandsentschädigung, die von der Deutschen Kindergeldstiftung übernommen wird. Auch an der Oslebshauser Oberschule im Park arbeiten Lehrer aus Syrien. Jasmina Heritani ist voller Hoffnung, das bald eine vierte Schule dazu kommt. Die Bewerbungen dafür liegen schon auf ihrem Schreibtisch.

Sabine Jacobsen, Schulleiterin der Neuen Oberschule Gröpelingen, ist voll des Lobes über ihre neuen Kollegen. „Für uns ist das in dreifacher Hinsicht ein Gewinn“, sagt sie. Ihr Team und die Kinder der Schule ­würden von dem Projekt ebenso profitieren wie die syrischen Lehrer. Sabine Jacobsen hofft, dass sich noch weitere Initiativen nach dem Vorbild von Heritanis Projekt bilden: „Wir brauchen weniger Bedenkenträger“, sagt sie, „sondern mehr Leute mit solchen Ideen.“

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