Wissenschaftler ziehen Vergleiche mit Ontario Integration auf Kanadisch

Bahnhofsvorstadt. Ist Kanada ein Vorbild in Sachen Integration? Das Bremer Institut für Kanada- und Québec-Studien (BIKQS) hat Fachleute nach Bremen geholt, um Forschungsergebnisse zu diskutieren und Vergleiche zu ziehen. Unter anderem ging es auf der Tagung im Konsul-Hackfeld-Haus um Schulsysteme, Multikulturalität und Leistungssport, aber auch ums Altern in einem multikulturellen Umfeld.
02.03.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Ina Schulze

Ist Kanada ein Vorbild in Sachen Integration? Das Bremer Institut für Kanada- und Québec-Studien (BIKQS) hat Fachleute nach Bremen geholt, um Forschungsergebnisse zu diskutieren und Vergleiche zu ziehen. Unter anderem ging es auf der Tagung im Konsul-Hackfeld-Haus um Schulsysteme, Multikulturalität und Leistungssport, aber auch ums Altern in einem multikulturellen Umfeld. Es ging um „Jung sein und alt werden in Kanada und Québec“.

„Bildung ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Integration und spielt eine wichtige Rolle für den Erfolg von Integrationsprozessen“, sagte Yasemin Karakasoglu, die Konrektorin der Universität Bremen. Es gebe viele Ansätze für eine optimale Migrationsgesellschaft. Auf der interdisziplinären Tagung diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien, Belgien und Kanada miteinander.

Das BIKQS hat unter anderem internationale und intensive Wissenschaftsbeziehungen zur University of Guelph (Ontario), zur Université de Montréal (Québec) und zur University of Ottawa aufgebaut. Auf der Tagung im Konsul-Hackfeld-Haus ging es um Jugend und Alter als zwei wesentliche Aspekte im Bezug auf die schulische Bildung, auf die Integration von Einwanderern, die altersspezifischen politischen und religiösen Überzeugungen von Kanadiern. „Im Vergleich zu Deutschland interessierte uns auch der Umgang mit dem demografischen Wandel und die gesellschaftliche Bewertung des Älterwerdens beziehungsweise der Jugend sowie die Wertschätzung der Alten als Hüter des Wissens in den indigenen Gemeinschaften“, sagt Helga Bories-Sawala, die Sprecherin des BIKQS. Deshalb habe Kanada Vorbildfunktion und diene als ein perfektes Feld für Forscher.

Kanada hat etwas erreicht, wonach Deutschland strebt. Die Kultur ist geprägt von Einwanderung, ähnlich wie in Deutschland, das sich lange Zeit nicht als Einwanderungsland sah. Englisch und französisch werden in Kanada gesprochen. Trotz der enormen Multikulturalität belegt das Land seit Jahren regelmäßig die Spitzenpositionen in internationalen Vergleichen, wenn es um den Lebensstandard, Sozialsysteme oder um die PISA-Studie geht. „Es ist sehr interessant, dass Kinder von Migranten in Kanada im Durchschnitt einen besseren Schulerfolg aufweisen“, sagt Norbert Schaffeld, der Sprecher des BIKQS. „Nur über die Sprache kann man sich richtig emanzipieren.“

Das Land der Elche, Bären und Biber bietet noch zahlreiche andere Forschungsansätze, darunter die im Vergleich konfliktarme Integration der zahlreichen Einwanderer, die Anti-Diskriminierungs-Normen und gesellschaftliche Wertschätzung von Toleranz und Bürgersinn. „Im portugiesischen Viertel steht ein Schild, mit dem den Einwanderern für ihre kulturellen Einflüsse gedankt wird“, sagt Helga Bories-Sawala, die Sprecherin des BIKQS.

Meike Hethey und Sabine Doff von der Universität Bremen befassen sich mit der Rolle der Migranten-Literatur im Englisch- und im Französisch- Unterricht. Fiktionale Geschichten, die in Kanada spielen, beschreiben Migrationserfahrungen eines jungen Mädchens und einer alten Frau. Wichtige Aspekte sind für Sabine Doff: „Wie kommen Migranten nach Kanada, wie werden sie aufgenommen und welche Erfahrungen machen sie?“ Das Gefühl, dazuzugehören und Teil einer Gesellschaft zu sein, eine Sprache zu lernen, kennen auch Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Texte, in denen andere Kulturen vorkommen, stellen dabei oft eine Brücke dar. Viele Kinder wachsen zweisprachig auf, und diese Fähigkeit, sagt Sabine Doff, müsse als produktive Ressource begriffen werden. „Einwanderung wird in Kanada schon seit Langem als was sehr Produktives und Konstruktives begriffen.“

Weitere Informationen zum BIKQS und Videos zu den Vorträgen gibt es im Internet unter www.fb10.uni-bremen.de/bikqs.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+