Corona-Bonus für Pflegekräfte „Ein kleines Dankeschön, mehr nicht“

Angemessenes Gehalt statt Prämie – Heidrun Pundt vom Bremer Pflegerat kritisiert die Einmalzahlung für Pflegende, die Markus Söder bereits für Bayern angekündigt hat.
07.04.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Ein kleines Dankeschön, mehr nicht“
Von Elena Matera
Frau Pundt, der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hat einen 500 Euro Bonus für Pflegekräfte in Bayern angekündigt. Würden Sie sich solch eine Sonderzahlung auch in Bremen wünschen?

Heidrun Pundt: Der Bonus für die Pflegefachpersonen ist ein kleines Dankeschön, mehr auch nicht. Man meint, sich mit kleinen Prämien bei den Pflegenden bedanken zu können. Aus unserer Sicht wirkt das allerdings so, als ob man uns bei der Stange halten möchte. Aktuell fällt besonders auf, dass wir viel zu wenige Pflegefachpersonen im Krankenhaus und in der ambulanten Pflege haben, die nicht professionell arbeiten können.

Wie meinen Sie das?

Die Pflegenden brauchen vor allem Hilfsmittel wie Masken und Schutzausrüstung. Außerdem benötigen sie die Sicherheit, gut arbeiten und ihre Patienten versorgen zu können. Da hilft es nicht so sehr, dass man einen einmaligen Bonus von 500 Euro erhält.

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Wie sieht es derzeit mit der Ausstattung in der Pflege aus?

Es wird zunehmend ein Problem. Es gibt Bereiche in Bremen, die händeringend nach Hilfsmitteln suchen. Wenn man einem großen Träger angehört, ist es einfacher, darüber versorgt zu werden. Pflegedienste müssen hingegen zusehen, wie sie ihre Materialien erhalten. Was momentan völlig vergessen wird, ist außerdem die Langzeitversorgung.

Inwiefern?

Es geht momentan in erster Linie um die Akutversorgung. Die neuen Intensivplätze, die wir zur Verfügung haben, müssen auch mit Pflegefachpersonen bestückt werden. Schon ohne die Pandemie hatten wir das Problem, dass manche Plätze nicht belegt werden konnten, weil Personal fehlte und man so die Fachkraftquote nicht halten konnte. Vor zwei Wochen wurde überlegt, die Quote aufzuweichen, weil man wusste, dass man das Personal nicht hat. Außerdem gibt es große Unterschiede in den Pflegebereichen und in der Qualifikation des Personals. Auch das ist ein Problem, das man unbedingt angehen muss.

Welche Unterschiede meinen Sie?

Wir haben in Bremen zwei unterschiedliche Ressorts, die für die Pflege zuständig sind. Die Altenpflege gehört in der Regel in den sozialen Bereich, die Krankenpflege in den Gesundheitsbereich. Diese verschiedenen Zuständigkeitsbereiche helfen nicht, dass Prozesse flüssig ablaufen und man zielgerichtet arbeiten kann.

Hinzu kommt, dass die beiden Ressorts unterschiedliche Vorstellungen haben, wie Pflege organisiert ist. Gerade in der Langzeitbetreuung gibt es den Trend, dass Pflegende nicht so gut ausgebildet sind. Das darf nicht sein. Wir brauchen in Bremen einen gemeinsamen Weg. Es ist wichtig, dass betrachtet wird, mit welcher Qualifikation wer wo arbeitet. Und dann müssen die Pflegenden entsprechend honoriert werden, was momentan auch nicht der Fall ist.

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Statt einer einmaligen Bonus-Zahlung brauchen die Pflegenden also ein angemessenes Gehalt?

Ja, auf jeden Fall. Wir als Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe haben da eine ganz klare Vorstellung. Wir fordern momentan ein monatliches Bruttogrundgehalt von 4000 Euro in der Pflege. Es muss deutlich werden: Professionell ausgebildete Pflegefachpersonen tragen viel Verantwortung und müssen dementsprechend bezahlt werden. Statt einer einmaligen Prämie müssen wir unbedingt darüber reden, wie Pflegende in Zukunft für ihre Arbeit honoriert werden.

Erhoffen Sie sich dadurch, dass der Beruf auch für junge Menschen attraktiver wird?

Ich denke schon. Auch eine gute komplexe Ausbildung macht den Pflegeberuf attraktiv. Am 1. April haben wieder neue Ausbildungskurse angefangen, die jetzt vor allem digital ablaufen. Einige Auszubildende werden auch direkt in die Praxis geschickt. Das kann so nicht auf Dauer funktionieren. Die Pflege muss in Zukunft eine professionelle Ausbildung sein – in allen Bereichen.

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Momentan werden Pflegende als Helden des Alltags bezeichnet. Glauben Sie, dass dieses Denken in Zukunft anhalten wird?

Das ist schwer zu sagen. Es kann gut sein, dass dieses Denken schnell wieder aus dem Bewusstsein der Menschen verschwindet. Wir Pflegeverbände werden alles dafür tun, dass die Wertschätzung unserem Beruf gegenüber anhält und Maßnahmen ergriffen werden, die uns Pflegenden diese Wertschätzung aufzeigen.

Das Gespräch führte Elena Matera.

Info

Zur Person

Heidrun Pundt ist ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin und Vorsitzende des Bremer Pflegerats. Die Bremerin ist zudem Mitglied im Vorstand des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe Nordwest (DBfK).

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