Behörden reagieren verhalten auf Angebot

Investor will Bremen Grundstück für Kita spenden

Der Immobilienkaufmann Holger Löwe will der Stadt Bremen etwas Gutes tun und hat deshalb angeboten, ein Gelände für eine Kita in Osterholz zu spenden. Die Reaktionen aus den Behörden sind verhalten.
18.12.2019, 19:32
Lesedauer: 3 Min
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Investor will Bremen Grundstück für Kita spenden
Von Lisa-Maria Röhling

Kitaplätze sind Mangelware, zuletzt fehlte für 1066 Kinder in Bremen eine Betreuungsmöglichkeit. Holger Löwe, Bremer Immobilienkaufmann, wollte deshalb etwas tun und einfach nur helfen. So sagt es sein Anwalt, Lars Figura. Ein Grundstück an der Elisabeth-Selbert-Straße im Stadtteil Osterholz, knapp 4000 Quadratmeter groß, unweit des Werksgeländes von Mercedes-Benz, will Löwe der Stadt überlassen, damit dort eine Kita entstehen kann.

Die Kosten für Planung und Bau will er vorstrecken, eine Rückzahlung der Stadt in Mietkosten, ohne Rendite, ist seine Vorstellung. In der Bildungsbehörde hat er mit dem Angebot allerdings keine Euphorie ausgelöst. Im Gegenteil: Das Ressort will das Projekt zwar weiter prüfen, Hoffnung auf eine erfolgreiche Umsetzung gebe es aber wenig. Das geht aus einem Schreiben hervor, das dem WESER-KURIER vorliegt.

Nach Angaben von Löwes Anwalt war sein Mandant im September bei einer Veranstaltung an den Senat herangetreten mit dem Angebot, das Grundstück an die Stadt abzugeben. "Das ist auf offene Ohren gestoßen", sagt Anwalt Figura. Bereits mehrfach hat Löwe sich mit Spenden um die Stadt verdient gemacht, er hat unter anderem in diesem Jahr bereits der Sportstiftung 500.000 Euro als Zuschuss für das Haus der Athleten zur Verfügung gestellt. "Herr Löwe ist bereit, in Vorleistung zu gehen und eine Kita auf das Gelände an der Elisabeth-Selbert-Straße zu bauen", sagt Figura. "Er verfolgt keine Renditeerwartungen." Nach einer positiven Rückmeldung aus dem Rathaus habe der Investor verschiedene Kita-Experten kontaktiert, um die Realisierbarkeit des Standortes unweit der Osterholzer Feldmark schnellstmöglich zu prüfen. Inzwischen liegen ein Entwurf für eine mögliche Bebauung und ein Kostenschätzung vor, auch mögliche Mietkosten haben Löwe und seine Partner überschlagen. "Man war von allen Seiten hellauf begeistert", sagt Figura.

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Das bestätigt Ilse Wehrmann, ehemalige Leiterin des Landesverbandes der Evangelischen Kindertagesstätten in Bremen und inzwischen Beraterin für frühpädagogische Praxis. Sie hat Löwe beraten. "Das Grundstück ist traumhaft." Der naturnahe Standort sei optimal, durch die Nähe zum Mercedes-Werk sei eine Kooperation für Betriebskitaplätze denkbar. Auch einen Träger hat Löwe gefunden: die bundesweit agierende Gruppe PME Familienservice, die in Bremen bis jetzt vier Kitas eröffnet hat. An dem anvisierten Standort würde sie sechs Kitagruppen für Kinder zwischen null und sechs Jahren aufbauen, sagt Nils Hofert, PME-Sprecher für die Region Norddeutschland. Also: knapp 90 Kitaplätze.

Die Bildungsbehörde blieb zurückhaltend: Eine Kita am Rande des Stadtteils sei für Familien in den Ortsteilen, in denen die Kitaplätze fehlen, ein Problem. Die Zielgruppen, heißt es in dem Schreiben, seien weniger mobil, deswegen helfe ihnen eine Kita am Standort an der Osterholzer Feldmark nicht. Hofert sagt dagegen, das Gelände sei gut erreichbar, auch wenn es am Rande des Stadtteiles liege. Aus der Behörde habe es aber Signale gegeben, dass der sozial-räumliche Anspruch an eine Kita im Vordergrund stehe. Konkret hat das Bildungsressort nach Angaben von Figura erklärt, dass der Standort von einem Wohngebiet, in dem Kitabedarf besteht, zu weit entfernt und den Familien diese Distanz nicht zuzumuten sei.

Das Schreiben, in dem die Behörde eher verhalten auf das Vorhaben reagiert, hat Figura und seinen Mandanten vor zwei Wochen erreicht. Löwe habe die Nachricht betrübt, skandalisieren wolle er das Ganze aber nicht. "Er ist weiterhin bereit und hofft, dass das doch noch gelingt." Auch Kitaexpertin Wehrmann hofft auf ein gutes Ende: "Das Argument, dass die Familien weiter laufen müssen, kann ich nicht akzeptieren."

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Das Bildungsressort betont auf Anfrage, dass eine Kita auf der Fläche an der Elisabeth-Selbert-Straße explizit nicht abgelehnt worden sei. "Wir hatten sogar geantwortet, dass wir wohlwollend prüfen wollen", erklärte Sprecherin Annette Kemp. "Wir sind aber darauf angewiesen, dass Baugenehmigungen erteilt werden können und es einen Bebauungsplan gibt." Allerdings habe das Bauressort erklärt, dass die besagte Fläche laut Bebauungsplan für die Landwirtschaft festgelegt sei. Das bestätigt ein Sprecher der Baubehörde. Für jede andere Nutzung der Fläche sei demnach ein neues Bauleitverfahren für das Gebiet nötig, das mit verschiedenen Planungsprozessen und Beteiligungsverfahren verbunden sei. Zur Frage, ob so ein Verfahren denkbar wäre, wollte sich die Behörde am Mittwoch nicht äußern. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", kommentiert Figura die baurechtliche Problematik. "Die Bauverwaltung sollte sich am Gemeinwohl orientieren.

Allein 144 Kitaplätze fehlen im Stadtteil Hemelingen, auch in Osterholz sind die Kapazitäten knapp. "Wir suchen weiter emsig nach Ausbau-Möglichkeiten", betont Kemp. Demnach sind zwei neue Kitas für Osterholz von der Bildungsdeputation auf den Weg gebracht worden, vier weitere sind seit Mitte 2016 eröffnet worden. Zusätzlich seien vier Kitas für Hemelingen im Enstehungsprozess, aber aus unterschiedlichen Gründen verzögert.

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