Leerstehende Läden Investor will Walle-Center retten

Bremen. Das Walle-Center hat schon bessere Tage gesehen: Läden stehen leer, es fehlt an Attraktivität. Seit Dezember gibt es mit der Immobilienfirma Kintyre einen neuen Investor, der die Probleme anpacken will.
07.04.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von CLEMENS HAUG

Das Walle-Center hat schon bessere Tage gesehen: Läden stehen leer, es fehlt an Attraktivität. In den vergangenen vier Jahren hat eine Reihe von Händlern das Center verlassen. Besonders junge Kunden zieht es deshalb zu anderen Einkaufsmeilen. Die verbliebenen Mieter im Walle-Center hoffen nun auf den Umschwung: Seit Dezember gibt es mit der Immobilienfirma Kintyre einen neuen Investor, der die Probleme anpacken will.

An der Fassade schlackert eine ausgeblichene rote Fahne im Wind. Die Aufschrift „Walle-Center“ ist nur noch schwer erkennbar, seit das untere Ende aus der Verankerung gerissen ist. Im Schaufenster darunter hängt ein Reklame-Plakat für Wandmalereien zum Schutz vor Graffiti. Der Laden hinter der Scheibe steht leer. Um die Shopping-Meile steht es 15 Jahre nach der Eröffnung offensichtlich nicht zum Besten. Für mehrere Verkaufsflächen in der 150 Meter langen Einkaufspassage werden neue Interessenten gesucht. Unter den Neuzugängen der vergangenen Jahre sind vor allem Anbieter aus dem Billig-Segment: gleich mehrere Bekleidungsdiscounter und Ein-Euro-Shops werben um Kunden.

Mit Optimismus an die Sache

Gregor von Arnim begegnet der Situation mit Optimismus. „Wenn wir nicht an das Center glauben würden, hätten wir es nicht gekauft“, sagt der junge Immobilien-Manager. Dem Vernehmen nach hat sein Arbeitgeber Kintyre Investments gemeinsam mit einer luxemburgischen Holdinggesellschaft das Gebäude im Dezember für 35 Millionen Euro übernommen. Kintyre-Geschäftsführer Adam Pearce sagt, sein Unternehmen wolle die Probleme tatkräftig lösen. Deshalb reist von Arnim nun wöchentlich aus Frankfurt am Main an, um neue Mieter zu gewinnen und die derzeitigen zu halten.

Eine nicht ganz einfache Aufgabe, denn der vorherige Eigentümer, ein Immobilien-Fonds, hat viel Porzellan zerschlagen. So schloss etwa der Weinhandel Bremer Ratskeller seine Filiale 2009 – offenbar, weil es nicht möglich war, den Mietvertrag um weniger als zehn Jahre zu verlängern.

Auch die Buchhandlung Bacheratz zog im Sommer 2012 aus, weil der Vermieter nicht über die Konditionen verhandeln wollte. „Wir hatten eigentlich 1999 einen sehr guten Start hingelegt. Die Umsatzzahlen stimmten“, erinnert sich die frühere Filialleiterin Sabine Brüning. Doch nach der Eröffnung der Waterfront 2009 seien junge Kunden plötzlich weggeblieben und die Umsätze eingebrochen. Umliegende Geschäfte zogen aus, darunter ein Spielzeugladen und ein Reisebüro. „Wir haben dann unseren Laden vergrößert, aber das hat nicht funktioniert. Als wir mit dem Management über den Mietvertrag verhandeln wollten, gab es monatelang keine Rückmeldung“, sagt Brüning.

Ähnliches schildert Lothar Ebken, Chef einer Syker Reformhauskette. Zwei Jahre im Voraus habe er seinen Vertrag gekündigt, weil die Mietbelastung zu hoch gewesen sei. Danach habe niemand versucht, ihn zum Bleiben zu überreden. Ende Januar 2013 schloss seine Filiale im Center.

Gregor von Arnim kämpft nun mit den Folgen der jahrelangen Stagnation im Center. „Die Buchhandlung hätte ich gerne zurück, denn ich bin sicher, so ein Geschäft würde bei uns gut laufen“, sagt er. Daneben wünscht er sich Angebote wie einen Laden für Babybedarf oder eine Parfümerie. „Wir sind ein Nahversorgungszentrum. Unsere Händler können den täglichen Bedarf der Leute aus den umliegenden Stadtvierteln decken“, erklärt er seine Strategie.

Waterfront keine Konkurrenz

Die nahe gelegene Waterfront sieht er nicht als direkten Konkurrenten, denn dort gebe es beispielsweise keine Supermärkte. Das Ziel, für die freien Läden im Walle-Center bald neue Mieter zu finden, hält er für realistisch. Er kann erste Erfolge verbuchen: Edeka hat seinen Vertrag langfristig verlängert. Und im Eingangsbereich ist ein Blumengeschäft eingezogen.

Bildlich gesprochen geht es für die neuen Investoren um den Klassenerhalt. Sie wollen das Walle-Center in der Liga mittelständischer Einkaufszentren wie Berliner Freiheit oder Roland-Center halten.

In den kommenden Monaten sollen die Kunden in Walle sehen und spüren, dass sich der neue Besitzer um sein Center kümmert. Ein bis zwei Millionen Euro seien für die Renovierung der Passage in den kommenden Jahren eingeplant, lautet die Ankündigung von Kintyre-Investments. Geplant sind ein neues Beleuchtungskonzept, die Reparatur der zerschlissenen Fahnen an der Fassade und eine Erneuerung der Toiletten. Bis Herbst sollen die Maßnahmen umgesetzt sein, sagt Immobilien-Manager von Arnim. Die Ladenbetreiber würden sich über frischen Wind freuen. Viele wünschen sich schon lange, es möge wieder aufwärts gehen im Walle-Center.

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