Gastbeitrag zum „March for Science“

Involvieren statt informieren

Tausende Forscher gehen an diesem Samstag gegen Fake News auf die Straße. Was sich gegen zunehmende Diskreditierung von Wissenschaft tun lässt – ein Gastkommentar vom Geschäftsführer des Universum Bremen.
04.05.2019, 06:39
Lesedauer: 2 Min
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Von Herbert Münder
Involvieren statt informieren

"Wissenschaft ist keine Meinung": Im vergangenen Jahr stellten sich Studierende und Forscher beim „March for Science“ in 14 deutschen Städten hinter die Wissenschaft – wie hier in Bremen.

Frank Thomas Koch

Weltweit gehen an diesem Sonnabend beim „March for Science“ wieder Tausende Menschen auf die Straße, um ein Zeichen zu setzen für die Freiheit und den Wert von Wissenschaft. Insbesondere in Zeiten zunehmender Diskreditierung wissenschaftlich-fundierter Aussagen – sogenannter „Fake News“ – ist dies nötig.

In Deutschland ist das Vertrauen der Bevölkerung in Wissenschaft und Forschung zwar weitestgehend stabil – 54 Prozent der Menschen glauben wissenschaftlichen Ergebnissen, so das aktuellste Wissenschaftsbarometer von Wissenschaft im Dialog –, jedoch geben 56 Prozent an, dass es ihnen schwer fällt, wissenschaftliche Informationen bewerten zu können, wenn sich die Forschenden uneins sind.

So zeigen Studien, dass ausschließlich mehr Informationen über wissenschaftliche Erkenntnisse nicht zu mehr Akzeptanz führen, sondern lediglich zu noch mehr Verunsicherung auf höherem Wissensstand. Stattdessen muss jeder Einzelne für eine eigene fundierte Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen Ergebnissen motiviert und befähigt werden.

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Erfolgreiche Wissenschaftskommunikation darf daher nicht aus Informationseinbahnstraßen bestehen, sondern muss zu Diskursen auf Augenhöhe anregen und Bürgerinnen und Bürger über sogenannte „Citizen Science“-Projekte aktiv in den Forschungsprozess einbinden.

Science Centern kommt in diesem Prozess eine zentrale Rolle zu, denn sie sind diejenigen Einrichtungen, die unabhängig von Alter und Bildungsstand einen einfachen Zugang zu wissenschaftlichen Themen schaffen – von interaktiven Ausstellungen, über Dialog- oder Bildungsformate. Ihrer Funktion als einer der glaubwürdigsten und neutralsten Akteure der Wissenschaftskommunikation kommt zukünftig eine noch gewichtigere Rolle zu, um möglichst vielen Menschen ein grundlegendes Verständnis von Wissenschaft und Forschung zu ermöglichen.

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Aber es besteht auch politischer Handlungsbedarf: Die Europäische Kommission ist gefordert, im Rahmen ihres nächsten Forschungsrahmenprogramms „Horizon Europe“ das wissenschaftliche Engagement von Bürgerinnen und Bürgern in den Mittelpunkt zu stellen. Es sollte Projekte fördern, in denen die Bevölkerung mit Experten aus der Wissenschaft zusammenarbeitet. Denn nur wer involviert statt informiert, kann mehr Verständnis für Wissenschaft und Forschung erzeugen und damit den technologischen und gesellschaftlichen Wandel voranbringen.

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Zur Person

Unser Gastautor Herbert Münder (58) ist promovierter Physiker und Geschäftsführer des Universum Bremen und Präsident von Ecsite, dem europäischen Verband der Science Center und Wissenschaftsmuseen.

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