Mofa-Club aus Walle Ironie auf zwei Rädern

Im Mofa-Klub Heiße Kette gibt es im Gegensatz zu den Motorrad-Clubs keine Mitglieder, die sich erst hocharbeiten müssen: keine Supporter, keine Hangarounds, keine Prospects.
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Von Marie-Chantal Tajdel

Im Mofa-Klub Heiße Kette gibt es im Gegensatz zu den Motorrad-Clubs keine Mitglieder, die sich erst hocharbeiten müssen: keine Supporter, keine Hangarounds, keine Prospects.

Vor ihm sind schon Elch, Samy, Anne und Maura losgebraust und haben viel Staub aufgewirbelt. In der Kurve holt Felix sie ein. Er hat die schnellste Maschine des „Mofa-Klubs Heiße Kette“. 135 Stundenkilometer fährt sein motorisiertes Zweirad, „aber natürlich nicht auf der Straße, nur bei historischen Rennen“, sagt er. Trotzdem überholt er alle.
Schnell sind die Maschinen nicht wirklich

Doch Schnelligkeit ist nicht das, was die Mofas von Hercules und Zündapp, von Simson und DKW, Velosolex oder Kreidler ausmacht. Denn schnell sind die Maschinen nicht wirklich. Die Mofas fahren nur 25 Stundenkilometer, die Mopeds vielleicht 45. Und keine Maschine hat einen größeren Hubraum als 50 Kubikzentimeter. Es ist eine gewisse ironische Coolness, die den Mitgliedern des Mofa-Klubs anhaftet. Sie lieben ihre Vehikel über alles. Und besitzen deshalb fast alle mehr als eines.

„Der Zweitakter an sich ist ein sehr vermehrungsfreudiges Wesen“, sagt Anne. Die Frau mit den roten Haaren im 50er-Jahre-Look ist das beste Beispiel für die Liebe zum Mofa. Gemeinsam mit Freund Maura hat sie zwölf Mopeds. Nach Lust und Laune bestimmt sie, welches Zweirad an welchem Tag gefahren wird.

Beim Treffen am Klubheim in einem Waller Kleingartenverein hat sie ihre Jawa Mustang von 1973 dabei. Ihre Hercules ist von 1952 und damit die älteste unter den Mofas und Mopeds der Klubmitglieder. Die meisten Maschinen wurden in den 70er Jahren gebaut. Vereinsstatuten oder Ähnliches gibt es beim Mofa-Klub, der sich 2011 unter dem Namen „Heiße Kette“ gegründet hat, zwar nicht. Aber eine lockere Regel schon: Kein Mofa oder Moped sollte nach 1980 gebaut sein. „Alles, was danach gebaut wurde, kann man natürlich auch fahren – aber nicht bei uns“, sagt Samy. Und mit einem fast angewiderten Blick fügt er hinzu, dass es auch keine Roller im Klub gibt. Und warum nicht? Roller gleich Plastik, sagt Anne.

Anne ist die "Präsidette"

Anne ist die „Präsidette“ des Mofa-Klubs. Präsidette, das ist so eine Funktion, von der sie augenzwinkernd erzählt. Ihren Platz in dem Klub mussten sie und die anderen Frauen sich hart erkämpfen, erzählt sie. Aber mittlerweile sei der Mofa-Klub Heiße Kette der einzige gemischte Club in Deutschland.

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Dabei ist auch das mit der Klub-Aufnahme und den vielen Ritualen, die es bei den Motorrad-Klubs gibt, bei der Heißen Kette eher Ironie, eine Persiflage auf die Motorrad-Klubs. „Hey, wir fahren Mofas – da können wir uns nicht so ernst nehmen“, sagt Anne. So tragen die Mofa-Fahrer zwar Kutten, aber wer sie genauer ansieht, der erkennt den ironischen Unterton.

Die Frauen verzieren ihren Totenkopf-Aufnäher auf dem Rücken zum Beispiel mit hübschen Ornamenten. „Ein Sakrileg bei den Motorrad-Klubs“, sagt Anne. Wer einen Unfall hatte und sich dabei etwas gebrochen hat, trägt den Patch „Frakturfraktion“, in Frakturschrift. „Pesident“ steht auf dem Aufnäher von Elch, dem zweiten Präsidenten. Bei der Bestellung haben sie das „R“ vergessen. Für Elch kein Fehler, sondern auch wieder eine Persiflage. „Wie viele Präsidenten gibt es auf der Welt?“, fragt er. „Aber es gibt nur einen Pesidenten – und das bin ich“, sagt er grinsend und zeigt mit dem Finger auf sich.

Im Mofa-Klub Heiße Kette gibt es im Gegensatz zu den Motorrad-Clubs keine Mitglieder, die sich erst hocharbeiten müssen: keine Supporter, keine Hangarounds, keine Prospects. „Wir haben dafür Werbeprospekte“, erzählt Elch. „Das bin ich“, sagt der Mann, der sich mit dem Namen Votzie vorstellt. Seit März ist er Mitglied im Bremer Klub und muss die „fiesen Aufgaben“ übernehmen, wie er erzählt. „Grillen, Bier holen oder mal jemanden fahren.“ Aber das sei alles nur halb so schlimm, sagt er und winkt ab. Denn dafür ist er jetzt mit dabei bei den Ausfahrten, wenn die Fahrer einer nach dem anderen die Motoren ihrer Mofas ankicken und eine Staubwolke hinter sich aufwirbeln.

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