Rat für Integration und Gerhard Marcks Haus starten Projekt mit der GSO Ist nackt schlimm?

Adam und Eva haben für die nächsten Monate ein neues Zuhause. Sie stehen nackt, wie Gott sie schuf, in der ersten Etage der Gesamtschule Ost. Am Donnerstag wurden die Bronze-Skulpturen, die der Bildhauer Gerhard Marcks 1954 schuf, von Schülerinnen und Schülern feierlich enthüllt. Start für eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Nacktsein.
01.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von SIGRID SCHUER

Adam und Eva haben für die nächsten Monate ein neues Zuhause. Sie stehen nackt, wie Gott sie schuf, in der ersten Etage der Gesamtschule Ost. Am Donnerstag wurden die Bronze-Skulpturen, die der Bildhauer Gerhard Marcks 1954 schuf, von Schülerinnen und Schülern feierlich enthüllt. Start für eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Nacktsein.

VON SIGRID SCHUER

Osterholz. „Ist nackt schlimm ?“ ist der Titel des gemeinsamen Projektes des Bremer Rates für Integration und des Gerhard Marcks Hauses. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7, 8, 10 und 11 der Gesamtschule Ost (GSO) werden sich von den Skulpturen inspirieren lassen und ganz unterschiedliche Kunstwerke dazu kreieren. Am Donnerstag wurden in der Schule die Bronze-Skulpturen von Adam und Eva enthüllt, die Gerhard Marcks 1954 geschaffen hat.

„Das ist für uns schon merkwürdig und ungewohnt, uns damit auseinanderzusetzen“, räumen die Achtklässler Michelle, Natalie, Jessica und Timon ein, die wie ihre 125 Schulkolleginnen und -kollegen alle schon einmal das Gerhard Marcks Haus besucht haben. Nun freuen sie sich auf die künstlerische Herausforderung. Das Ergebnis wird von Mittwoch, 11. Dezember, bis zum 26. Januar 2014 in einer Ausstellung im Gerhard Marcks Haus gezeigt.

„Wenn alle nackt herumlaufen würden, dann wäre das schließlich ganz normal“, gibt Can Marcel aus der 8. Klasse zu bedenken. Und tatsächlich hatten die Initiatoren des Projektes Schwierigkeiten, eine Schule zu finden, die bereit war, das ungewöhnliche Projekt zu realisieren. Offenbar gilt Nacktheit bei vielen Kunsterziehern immer noch als schlimm.

GSO ist die passende Schule

Bei ihrer Recherche nach einer passenden Schule stieß Libuse Cerna, Vorsitzende des Bremer Rates für Integration, auf die Gesamtschule Ost, an der Kultur eine große Rolle spielt. „Ich wusste noch gar nicht, dass Regina Heygster, die Initiatorin des Friedenstunnel-Projektes, hier als Kunstlehrerin arbeitet“, sagt Cerna.

Die Lehrerin war auf Anhieb Feuer und Flamme für das Projekt und überzeugte vier Kolleginnen und Kollegen, mit ihren Kunstklassen daran teilzunehmen. „Es ist ein großes Glück, dass die Gesamtschule Ost da mitmacht“, unterstreicht Heygster. „Ich freue mich sehr, dass wir solch ein tolles Projekt an Land gezogen haben“, betont Schulleiter Franz Jentschke.

Libuse Cerna war vom Deutschen Museumsbund, der Dachorganisation der deutschen Museen, angeschrieben worden, der das bundesweite Projekt „Alle Welt: Im Museum“ initiiert hat. „Ziel war es, sich zu überlegen, wie man neue, junge Museumsbesucherinnen und -besucher anlockt und vor allem Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund für Museen interessiert“, sagt die Vorsitzende des Integrationsrates. Ihr Wunsch-Museum fand Cerna auf Anhieb, das Gerhard Marcks Haus, das als „Denkinsel“, so der Titel einer der letzten Ausstellungen, viele Kooperationen mit Schulen eingeht.

„Den Titel des Projektes hatte Arie Hartog innerhalb von einer Viertelstunde gefunden“, sagt Cerna. Erklärtes Ziel des Direktors des Gerhard Marcks Hauses ist es, Hemmschwellen abzubauen und sein Museum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Kinder unter zwölf Jahren haben in dem Bildhauermuseum ohnehin freien Eintritt.

„Wichtig ist, dass die Menschen Kunst sehen. Weil die Gesamtschule Ost eine gute Schule ist, glauben wir, dass hier etwas Gutes passieren wird. Da vertrauen wir den Schülerinnen und Schülern ganz“, unterstreicht Arie Hartog und fügt hinzu: „Es ist eine der wichtigsten Aufgaben von Kunst, Neugier zu wecken und Gespräche anzuregen.“ Und genau das wollen der Museumsdirektor, der Bremer Rat für Integration und die Gesamtschule Ost mit ihrem gemeinsamen Projekt erreichen.

Modellcharakter für Museen?

Das Projekt „Ist nackt schlimm?“ könnte Modellcharakter für die deutschen Museen haben. Als Bettina Berg vom Gerhard Marcks Haus und Libuse Cerna das Projekt in Berlin vorstellten, wurde es von der Jury gleich zu ihrem Lieblingsprojekt erkoren. Gemeinsam mit fünf anderen Projekten aus verschiedenen Bundesländern wird es nun vom Deutschen Museumsbund gefördert.

Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Ost werden die Entwicklung des Projekts in einem Blog begleiten und das Ergebnis auch in einem Film dokumentieren.

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