Arbeitnehmervertretung wehrt sich gegen Zeitdruck / Sozialplan ohne betriebsbedingte Kündigungen gefordert Jacobs-Betriebsrat: Klima der Verunsicherung

Grohn. Die Leitung der Jacobs University Bremen forciert das Tempo beim geplanten Arbeitsplatzabbau. Nach Informationen dieser Zeitung will Präsidentin Katja Windt die Modalitäten eines Sozialplans bereits bis Ende Juli festklopfen.
08.05.2014, 00:00
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Jacobs-Betriebsrat: Klima der Verunsicherung
Von Jürgen Theiner

Die Leitung der Jacobs University Bremen forciert das Tempo beim geplanten Arbeitsplatzabbau. Nach Informationen dieser Zeitung will Präsidentin Katja Windt die Modalitäten eines Sozialplans bereits bis Ende Juli festklopfen. Die Betriebsratsvorsitzende Gabriele Graf bestätigte dies gestern auf Anfrage, betonte aber zugleich, die Arbeitnehmervertretung werde sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Der Betriebsrat habe einen Fachanwalt engagiert, der die anstehenden Verhandlungen mit der Geschäftsleitung begleiten werde.

Graf kritisierte die bisherige Handhabung des Restrukturierungsprozesses durch die Präsidentin. „Es war ein großer Fehler, bereits im Februar öffentlich zu verkünden, dass die Personalkosten um 23 Prozent heruntergefahren werden sollen. Seither herrscht hier unter den Beschäftigten ein Klima der Verunsicherung“, so Graf. „Bei allen spukte nur noch im Kopf rum: Jeder Vierte muss gehen.“

Wie berichtet, haben die rund 480 Beschäftigten der Jacobs University am Dienstag Einzelheiten zu den bevorstehenden Einschnitten erfahren. Angekündigt ist der schärfere Kurs seit Februar. Zu diesem Zeitpunkt hatte Katja Windt die Nachfolge des zum Jahresende ausgeschiedenen Heinz-Otto Peitgen angetreten. Klar ist jetzt: 65 Vollzeitstellen sollen gestrichen werden. Sechs von 21 Bachelor-Studiengängen werden eingestellt oder umstrukturiert. Die Mehrheit der Master-Studiengänge wird ebenfalls gestrichen. Ziel der Einschnitte ist es, bis 2018 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.

Die bisherige Beteiligung der Arbeitnehmervertretung an den Umgestaltungsplänen lässt aus Sicht der Betriebsratsvorsitzenden Gabriele Graf sehr zu wünschen übrig. Das Gremium sei am Dienstag erst zwei Stunden vor der Mitarbeiterversammlung über die Details des Sparprogramms in Kenntnis gesetzt worden. Die Versammlung selbst habe unter Bedingungen stattgefunden, die von manchen Teilnehmern als unwürdig empfunden worden seien. „Es gab keinen Versammlungsraum für die Kollegen. Das Ganze hat in einer Mensa stattgefunden, die Leute mussten dabei stehen.“ Zudem sei die Powerpoint-Präsentation, mit der Katja Windt ihre Zielvorstellungen darstellte, für viele Teilnehmer kaum zu erkennen gewesen. Gabriele Graf: „Wir bekamen hinterher viele negative Rückmeldungen.“

Der Betriebsrat erwartet nun nach den Worten seiner Vorsitzenden, dass die Geschäftsleitung für die anstehenden Sozialplan-Verhandlungen konkrete Zahlen auf den Tisch legt. Bisher gebe es keinerlei Aussagen zum finanziellen Budget, das für die Abfederung sozialer Härten zur Verfügung steht. Der Betriebsrat hofft, dass der anstehende Personalabbau durch freiwillige Vereinbarungen bewerkstelligt werden kann. Es gelte, betriebsbedingte Kündigungen abzuwenden.

Zumindest in diesem grundsätzlichen Ziel weiß sich die Arbeitnehmervertretung mit der Geschäftsleitung einig. Auch Katja Windt habe sich auf der Mitarbeiterversammlung dazu bekannt, so Graf. An den Aufsichtsrat der Jacobs-Uni appelliert die Betriebsratsvorsitzende, die Arbeitnehmervertretung künftig mit beratender Stimme an seinen Sitzungen teilnehmen zu lassen.

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