Bremer Unternehmen Titanium Solutions liefert Komponenten für Tiefseeroboter "Wally" / Gründung einer Fertigungsfirma angedacht Jacobs-Forschung erschließt Geschäftsfeld für Mittelständler

Grohn. So haben sich Bremens Wirtschaftspolitiker die Jacobs University immer vorgestellt: Im Wissenschaftsbetrieb reifen Ideen, die anschließend in Zusammenarbeit mit der örtlichen Wirtschaft konkrete Gestalt annehmen - wobei im Idealfall zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
01.03.2011, 05:00
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Jacobs-Forschung erschließt Geschäftsfeld für Mittelständler
Von Jürgen Theiner

Grohn. So haben sich Bremens Wirtschaftspolitiker die Jacobs University immer vorgestellt: Im Wissenschaftsbetrieb reifen Ideen, die anschließend in Zusammenarbeit mit der örtlichen Wirtschaft konkrete Gestalt annehmen - wobei im Idealfall zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Im Fall des Tiefseeroboters "Wally", dessen Schöpfer morgen ausgezeichnet werden sollen (wir berichteten), sind die neuen Jobs eine mittelfristige Perspektive. Doch schon jetzt lässt sich von einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der Grohner Privathochschule und einem Bremer Mittelständler sprechen. Sie hat zu Investitionen geführt und besitzt eine kommerzielle Perspektive.

Vor neun Jahren begann an der Jacobs University unter der Leitung des Geowissenschaftlers Laurenz Thomsen die Entwicklung eines Tiefseeroboters, der mit einem Raupenantrieb auf dem Meeresboden unterwegs ist und von dort Messdaten und Bilder übertragen kann. Die Anforderungen an die Beständigkeit des Materials waren extrem hoch - es sollte hohem Druck von etwa 100 bar und aggressiven, im Wasser gelösten Gasen standhalten. Erste Versuche mit einem Edelstahlkorpus führten nicht zu den gewünschten Ergebnissen.

Es war der Dekan der School of Engineering & Science, Bernhard Kramer, der Thomsen auf einem Empfang mit Robert Hempel zusammenführte. Der geschäftsführende Gesellschafter von Titanium Solutions mit Sitz Am Wall witterte schnell ein interessantes Referenzprojekt für die Ingenieurleistungen seiner Firma. Titanium Solutions ist eine Tochterfirma der Hanseatischen Waren Handels-Gesellschaft, eines Familienbetriebs, der sein Geld in früheren Jahrzehnten ausschließlich mit Einfuhr und Weiterverkauf von Metallen verdiente und sich Anfang der 90er Jahre in der Fertigung ein zusätzliches Geschäftsfeld erschloss.

Hempel machte Thomsen den Vorschlag, es mit einer Legierung aus Titan und Aluminium-Vanadium zu versuchen. Es war dieser Werkstoff, der dann letztlich bei der Herstellung des Gerüsts für den "Wally"-Prototyp zum Einsatz kam - das gleiche Material übrigens, das bei der Herstellung künstlicher Hüftgelenke verwendet wird. Hempel musste für die Herstellung der Komponenten erst einmal die technische Infrastruktur schaffen, denn Titan kann man nicht unter Luft verschweißen. "Das geht nur in einer Umgebung mit dem Edelgas Argon", erläutert der Chef von Titanium Solutions. Also wurde eine entsprechende Schweißkammer beschafft. "Auch für uns war das insofern eine Lernkurve", sagt Hempel, der nach eigenen Angaben einen sechsstelligen Betrag für das Projekt aufgewendet hat. Es stellt eine Investition in die Zukunft dar. Geld bekommt Hempel für die "Wally"-Teile nämlich nicht. Doch Titanium Solutions kann nun nachweisen, dass es zu spezialisierten Ingenieurleistungen im Bereich der Tiefseetechnik

fähig ist. "Das hat für uns interessante Marketing-Aspekte", so Hempel. Mittelfristig kann er sich die Gründung einer Fertigungsfirma für einschlägige Baugruppen vorstellen. Ein mögliches Anwendungsfeld ist für Laurenz Thomsen die Überwachungstechnik im Umfeld von Offshore-Installationen. Erste Anfragen für die Technik made in Bremen liegen nach seinen Worten bereits vor, unter anderem im Zusammenhang mit dem Bau einer neuen Arktis-Station des Alfred-Wegener-Institut.

"Wallys" Nachfolgemodell versieht derweil seinen Dienst rund 8500 Kilometer von Bremen entfernt als Teil des kanadischen "Neptune"-Tiefseeobservatoriums. Dort ist "Wally II" über ein Versorgungskabel fest mit einer im Meeresgrund verankerten Versorgungsstation verbunden und bewegt sich innerhalb eines Gebietes von 1500 Quadratmetern. Der Roboter kann von jedem Internetanschluss der Welt aus per Mausklick gesteuert werden.

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