Umwandlung der Jacobs University in Grohn

Bremer Senat macht Weg für Uni-Investoren frei

Der Senat hat zugestimmt, dass die Stiftung Jacobs Foundation ihre Anteile an der JUB einem Investoren-Konsortium verkauft. Weitere öffentliche Mittel für die Privat-Uni in Grohn soll es nicht geben.
17.11.2020, 15:48
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Senat macht Weg für Uni-Investoren frei
Von Joerg Helge Wagner
Bremer Senat macht Weg für Uni-Investoren frei

Die Bibliothek der Jacobs University in Grohn - künftig soll hier vor allem zu Künstlicher Intelligenz geforscht und gelehrt werden.

Christian Kosak

Spätestens im Juni kommenden Jahres stellt das Land Bremen die finanzielle Unterstützung der Jacobs University (JUB) komplett ein. Das machten Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (beide SPD) am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz deutlich. Hintergrund sind gespräche mit einem deutsch-chinesischen Konsortium, das die private Hochschule in Grohn zu einem Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz umbauen will (wir berichteten).

„Nun hat der Senat dafür die Tür geöffnet“, sagte Schilling. So heißen: Er hat zugestimmt, dass die Stiftung Jacobs Foundation als Mehrheitseignerin ihre Anteile an das Konsortium verkauft. Die notwendige Genehmigung durch die Landesregierung beruht auf einer Vereinbarung mit er Foundation. Das Land hatte die chronisch klamme JUB immer wieder mit erheblichen Beträgen unterstützt. Künftig kommt das Geld nur noch vom Softwarekonzern SAP, dem chinesischen IT-Dienstleister Neusoft und dem Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), also den drei Mitgliedern des Konsortiums. Die Jacobs Foundation wiederum wird 63 Millionen Schweizer Franken, die sie eigentlich bis 2027 zugesagt hatte, bereits in diesem Jahr auszahlen.

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Ende der Woche wollen Schilling und die drei Partner des Konsortiums eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) zur Neuausrichtung der JUB unterschreiben. „Das hat noch nicht den Charakter eines Vertrages“, erklärt der Jurist Bovenschulte - gleichwohl ist es ein wichtiger Schritt zur Rettung dieser Hochschule, hunderter daran hängender Arbeitsplätze und des Renommees von Bremen als Wissenschaftsstandort.

Entsprechend euphorisch ist der Bürgermeister: „KI ist eines der weltweiten Zukunftsthemen, SAP ist die wertvollste europäische Marke und seit Daimler und Airbus der erste Weltkonzern, der sich in Bremen maßgeblich engagiert.“ Ausdrücklich dankte er Schilling für die bisherige Verhandlungsführung. „Wenn es weiter sehr gut läuft, kann die Übergabe der IUB schon zum Jahresende stattfinden“, sagt Schilling, „ansonsten definitiv Ende Juni 2021“.

Viel Zustimmung gibt es auch bei den Koalitionspartnern. Klaus-Rainer Rupp, finanzpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion, lobt: "Bremen wird endlich kein Geld mehr in die Jacobs University stecken müssen. Das neue Geschäftsmodell scheint deutlich seriöser als das der JUB." Zudem gefällt ihm, dass die Grundstücke der Hochschule in öffentliche Hand kommen und in Erbpacht vergeben werden: "Sie sind so sicher vor Spekulationen." Die hochschulpolitische Sprecherin Miriam Runge ergänzt: "Gerade im Bereich KI ist auch die Uni stark und kann von diesem Projekt ebenfalls profitieren.“

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Für die Grünen erklärt die wissenschaftspolitische Sprecherin Solveig Eschen: „Mit dem KI-Konsortium hat die JUB nun eine echte Entwicklungsperspektive.“ Allerdings sei auch noch manches zu klären. Vor allem die Kooperation mit dem chinesischen Unternehmen Neusoft erfordere einen engen Austausch zwischen dem Konsortium und dem Land Bremen. „Dabei müssen Fragen wie ethische Aspekte der KI, Wissenschaftsfreiheit und der Umgang mit Technologie-Wissen im internationalen Kontext beraten werden.“

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