Debatte über Bremer Privathochschule

Koalition lehnt Bekenntnis zur Jacobs University ab

Die Zukunft der Jacobs University in Bremen-Nord bleibt weiter in der Schwebe. In der Bürgerschaft wurde am Donnerstag deutlich: Die rot-grün-rote Koalition setzt auf Veränderungen am akademischen Standort.
09.10.2020, 05:00
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Koalition lehnt Bekenntnis zur Jacobs University ab
Von Jürgen Theiner
Koalition lehnt Bekenntnis zur Jacobs University ab

Eines der neueren College-Gebäude der Jacobs University. Die Privathochschule leidet schon länger unter finanziellen Problemen.

Christian Kosak

Beim Umgang mit der Jacobs University kommen Koalition und Opposition in der Bürgerschaft auf keinen gemeinsamen Nenner. SPD, Grüne und Linke lehnten am Donnerstag einen Antrag der Christdemokraten ab, sich zu der Grohner Privathochschule zu bekennen und sich für ihre langfristige Stabilisierung einzusetzen. Sprecher der Koalition bekundeten zwar ihren Willen, den akademischen Standort Bremen-Nord zu erhalten. In ihrer jetzigen Form hat die 2001 gestartete, wirtschaftlich angeschlagene Privathochschule aus Sicht der rot-grün-roten Wissenschaftspolitiker allerdings keine Zukunft.

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Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) sagte, ihr Haus befinde sich in einem engen Austausch mit der Spitze der Jacobs-Uni, um mögliche Zukunftsperspektiven auszuloten. Dass eine neue wirtschaftliche Basis für die Privathochschule gefunden werden muss, ist unstrittig, denn Ende Dezember steigt die Jacobs Foundation aus der Förderung der Einrichtung aus. Eine Schlusszahlung in Höhe von 63 Millionen Euro soll reichen, um den Übergang in eine neue Trägerschaft gestalten zu können.

Bürgerschaftsabgeordnete Susanne Grobien (CDU)

Bürgerschaftsabgeordnete Susanne Grobien (CDU)

Foto: Alexander Fanslau

Susanne Grobien (CDU)

Ein „offenes, ehrliches und nachdrückliches Bekenntnis“ der Politik zur Jacobs University forderte die CDU-Wissenschaftspolitikerin Susanne Grobien in der Bürgerschaftsdebatte. Sie sah in dem bevorstehenden Rückzug der Jacobs Foundation aus der Grohner Privathochschule die „Chance für einen Befreiungsschlag“.

Bremen könne dabei helfen – etwa indem man die Jacobs-Uni in den Aufbau eines Medizinstudiengangs einbezieht. Grobien griff auch den Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf, eine „Klima-Universität“ zu gründen. In einem solchen Profil könne eine Zukunftschance für die Jacobs-Uni liegen.

Bürgerschaftsabgeordnete  
 Janina Brünjes (SPD)

Bürgerschaftsabgeordnete

Janina Brünjes (SPD)

Foto: SPD Bremen

Janina Brünjes (SPD)

Für die SPD brachte Janina Brünjes die ambivalente Haltung der Sozialdemokraten zur Jacobs University zum Ausdruck. Einerseits seien von der Einrichtung positive Impulse für die Entwicklung Bremen-Nords ausgegangen. Ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell sei jedoch nicht erkennbar, erst recht nicht nach dem Ausstieg der Jacobs Foundation.

Es gelte nun, bis zum Jahresende die Möglichkeiten für ein „tragfestes und zukunftsfähiges“ Konzept für den Grohner Campus auszuloten. In jedem Fall müsse es in Bremen-Nord auch weiterhin eine wissenschaftliche Einrichtung geben. Einem Medizinstudium erteilte Brünjes eine Absage.

Miriam Strunge - MdBB - Die Linke

Bürgerschaftsabgeordnete

Miriam Strunge (Linke)

Foto: Christina Kuhaupt

Miriam Strunge (Linke)

An nicht erfüllte Versprechen der Jacobs University erinnerte die Linken-Abgeordnete Miriam Strunge. Bei der Gründung der Privathochschule habe es geheißen, es sei lediglich eine Anschubfinanzierung durch Bremen erforderlich, danach werde sich die Einrichtung allein tragen. Dies sei nicht eingetreten.

Die Vorschläge der CDU für die Zukunft der Jacobs-Uni sind für Strunge „unausgegoren“. So sei der Aufbau eines Medizin-Vollstudiums in Bremen schlicht nicht finanzierbar. Auch das Stichwort „Klima-Universität“ habe wenig Realitätsbezug. „Sie haben kein Konzept und greifen deshalb nach jedem Strohhalm“, warf Strunge der CDU vor.

Bürgerschaftsabgeordnete Solveig Eschen (Grüne)

Bürgerschaftsabgeordnete Solveig Eschen (Grüne)

Foto: Studio EM

Solveig Eschen (Grüne)

„In ihrer bisherigen Organisation nicht existenzfähig“: Dieses Zeugnis stellte Solveig Eschen (Grüne) der Jacobs University aus. Der CDU hielt sie vor, ein weiteres städtisches Engagement für die Privathochschule zu fordern, obwohl es dort kein funktionierendes Geschäftsmodell gebe.

Die Idee eines Bremer Medizinstudiums, an dem die Jacobs-Uni teilhaben könnte, ist nach Eschens Ansicht unseriös. „Da addieren sich Millionenbeträge zusammen, und die nehmen wir jetzt woher?“, fragte Eschen an die Adresse der Christdemokraten. Die CDU habe offenbar eine geheime Geldquelle aufgetan, spottete die grüne Wissenschaftspolitikerin.

Neujahrsempfang - Haus der Bürgerschaft

Bürgerschaftsabgeordneter Magnus Buhlert (FDP)

Foto: Christina Kuhaupt

Magnus Buhlert (FDP)

Die Freien Demokraten haben die Jacobs University in ihrer bisherigen Form noch nicht abgeschrieben. Das machte ihr Sprecher Magnus Buhlert deutlich. Die Grohner Privathochschule zähle zu den 300 besten Unis der Welt und bringe „Leistung, die anerkannt ist“. Buhlert wandte sich gegen eine unterschiedliche Behandlung von öffentlichen und privaten akademischen Einrichtungen.

„Uns ist es jede Hochschule wert, dass sie erhalten bleibt“, sagte der Liberale. Die Jacobs-Uni zur „Klima-Universität“ zu machen, kommt jedoch auch für ihn nicht infrage. „Die Universität Bremen ist die Klima-Universität“, stellte Magnus Buhlert klar.

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