Studenten und Professoren geben Einblicke ins Campus-Leben / Mehr als 1000 Besucher Jacobs University öffnet sich dem Stadtteil

Mehr als 1000 Gäste haben sich beim Tag der offenen Tür der Jacobs University auf dem Campus in Grohn umgeschaut. Die Professoren gewährten Einblicke in einige Labore, und auch in die Wohnbereiche der Studenten konnten die Besucher einen Blick werfen.
14.10.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Mehr als 1000 Gäste haben sich beim Tag der offenen Tür der Jacobs University auf dem Campus in Grohn umgeschaut. Die Professoren gewährten Einblicke in einige Labore, und auch in die Wohnbereiche der Studenten konnten die Besucher einen Blick werfen.

„Open Campus“ – die Einladung in die offene Jacobs-Universität hat mehr als 1000 Menschen nach Grohn gelockt. Wer wie Kerstin Geßelmann aus Grambke mit Familie das erste Mal auf dem Gelände war, wunderte sich nicht nur über die Größe des Areals: „Man kann sich gar nicht vorstellen, dass eine solche Uni Probleme hat, genug neue Studenten zu finden“, sagte sie. Viele wüssten offenbar nicht, dass hier auch deutsche Abiturienten studieren könnten.

Tatsächlich ging es aber nicht um die Anwerbung neuer Studenten, sondern mehr um die Nachbarschaftspflege. So konnten die Geßelmanns die achtjährige Karolina und den elfjährigen Kevin zur Kinderuni schicken. Das Thema: „Warum werden wir krank?“ Karolina fand das mit den Bakterien nicht schlecht, aber noch spannender, dass man in solch einem Hörsaal ganz anders sitzt als an den Tischen in der Grundschule: „Hier ist dadurch auch viel mehr Ordnung.“ Und Bruder Kevin gab alters- und neigungsgemäß zu Protokoll, es sei langweilig gewesen: „Ich habe nur auf die Maus gewartet, aber die war ja draußen.“

Zwischenzeitlich hatte sich das Lieblingstier aus dem ARD-Vormittagsprogramm auch in das „Convention-Center“ verirrt, das an diesem Tag in eine Messehalle mit Mitmach-Ständen und Showbühne verwandelt worden war. JU-Präsidentin Katja Windt und Kind übernahmen beim Tauchroboter der marinen Forscher das Kommando an der Steuerkonsole. Viele Professoren nutzten wie die Chefin den Tag, um den Nachwuchs mit den Angeboten aus dem eigenen Haus zu beschäftigen: „Meinen anderen Sohn habe ich vorhin beim Computer Lab in der Hacker School abgegeben. Ich bin mal gespannt, was er dort lernt.“

Der „Open Campus“-Tag spiegelt nach Windts Worten die neue Unipolitik der Öffnung auch in die Region hinein wider. Der Unions-Bundestagsabgeordneten Bettina Hornhues und ihrem Mann Martin Hornhues vom Lesumer Beirat erläuterte sie, was die Jacobs bereits in den Stadtteilen tue: „Da ist die Ballschule mit Werder Bremen. Wir gehen in den Englischunterricht der Schulen und unsere Studenten sind sehr engagiert bei der Arbeit mit den neuen Flüchtlingen dabei.“ Dazu gebe es reihenweise Angebote, die für die Region interessant seien, die man aber besser kommunizieren müsse.

Da berichtete etwa der Psychologe Arvid Kappas über einen Roboter, der den Schulunterricht übernimmt und doch merken kann, wenn ein Kind über- oder unterfordert ist: „Bei der Entwicklung dieses empathischen Roboters haben wir jetzt festgestellt, dass ein Kind einem Roboter gegenüber viel besser als gegenüber dem Lehrer damit zurechtkommt, wenn es etwas nicht weiß.“ Tatsächlich soll der Roboter-Tutor den menschlichen Lehrer aber nur entlasten und ihn keinesfalls ablösen, versicherte Kappas.

So singen und tanzen wie der afrikanische Chor wird der Roboter jedenfalls niemals können. JU-Kommunikationschefin Ines Heise hatte recht, als sie feststellte, dass die Studenten sehr gerne nach außen zeigen, was sie können und wie sie wohnen. So gab es zum Open-Campus-Tag sogar Führungen durch die Wohnbereiche der Colleges. Im „Student Activity Center“ waren sieben Nepalesen hingegen ein wenig unglücklich darüber, dass man die Präsentation der Herkunftsländer der Studenten am letzten Zipfel des Geländes organisiert hatte. Trotzdem war Rajinar Bajnachanya in ihrer traditionellen nepalesischen Tracht und mit ihrem Kampfdolch in der Hand das begehrteste Fotomotiv.

Tatsächlich sind die weißen Laborkittel in den Biolaboren eher die gängige Jacobs-Uni-Tracht. Selbst in die Genlaboratorien mit riesigen Warnschildern an den Türen durften die Besucher an diesem Tag unkontrolliert eintreten. Alina Stein aus dem dritten Semester erzählte vor den rund zwanzig Teilnehmern der Lab-Führung, dass man an der Jacobs Uni, anders als anderswo, schon ab der ersten Woche Laborkurse belegt: „Acht Stunden in der Woche arbeitet man dann an konkreten Experimenten. Jetzt konnte ich mich im dritten Semester schon für Forschungsgruppen bewerben. Alles ist extrem praxis- und berufsorientiert.“ Stolz schwang vielfach mit, wenn die Studenten über ihre Uni erzählten und darüber, wie sie in Hörsälen mit im Schnitt 30 Studenten Vorlesungen zuhörten. So auch Alina Stein: „An staatlichen Unis sitzen da auch schon mal tausend Leute und man kriegt gar nichts mit.“

Die Gruppe ging raus in die Herbstsonne und ein älterer Herr guckte am Gebäude „Research II“ versonnen auf ein Fenster: „Das war meine Stube 1956 als Soldat. Hier war der Sportplatz.“ Jetzt forschen junge Leute aus 100 Nationen gemeinsam mit Blick auf das Campus Green an den Themen der Zukunft.

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