Gespräche mit Investoren laufen

Jacobs-Uni setzt auf neue Geldgeber

Kann die private Bremer Jacobs University neue Geldquellen erschließen? Nach eigener Darstellung führt die Uni-Spitze aktuell Gespräche mit möglichen Investoren. Die Jacobs Foundation steigt zum Jahresende aus.
08.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Jacobs-Uni setzt auf neue Geldgeber
Von Jürgen Theiner
Jacobs-Uni setzt auf neue Geldgeber

Graduierten-Feier im Jahr 2019. Für das Studium auf dem Grohner Campus müssen die Studenten bis zu 28 000 Euro pro Jahr bezahlen.

Christian Kosak

Nach dem angekündigten Rückzug der Jacobs Foundation aus der privaten Jacobs University in Grohn gibt es womöglich eine Perspektive für einen Neustart. Die Geschäftsleitung der Uni befindet sich nach eigener Darstellung in aussichtsreichen Gesprächen mit möglichen Investoren. Sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland habe es Kontaktaufnahmen von privaten Geldgebern gegeben, die an einem Einstieg auf dem Grohner Campus interessiert seien. Entsprechende Informationen des WESER-KURIER hat Uni-Präsident Antonio Loprieno bestätigt.

Dass sich überhaupt noch Chancen für eine neue private Trägerschaft der Jacobs-Uni ergeben könnten, dürfte viele in der Bremer Hochschulszene und in der Wissenschaftspolitik überraschen. Schließlich war das Geschäftsmodell der Privat-Uni bisher erfolglos, der Zuschussbedarf enorm. Vor diesem Hintergrund hatte die Foundation (Stiftung) im Frühsommer ihren Ausstieg angekündigt. Zum 31. Dezember gibt sie ihre Geschäftsanteile an der gemeinnützigen Jacobs University Bremen GmbH ab. Vereinbart ist eine Schlusszahlung der Stiftung in Höhe von 63 Millionen Euro. Dieses Geld soll die Uni im nun anstehenden Transformationsprozess liquide halten.

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Aber welche Richtung wird dabei eingeschlagen? Teile der rot-grün-roten Koalition würden die als elitär empfundene akademische Einrichtung in Bremen-Nord gern abwickeln und den Grohner Campus in der ein oder anderen Form in das öffentliche Hochschulwesen der Hansestadt überführen. Möglich wäre das etwa durch die Übernahme der Stiftungsanteile am Stammkapital der gemeinnützigen GmbH. Das würde zwar nur einen niedrigen fünfstelligen Betrag erfordern, dem Land Bremen aber auch die Verantwortung für die Einrichtung und ihre derzeit gut 1500 Studenten aufbürden.

Uni-Präsident Loprieno ist bestrebt, es nicht so weit kommen zu lassen. Er setzt auf einen Einstieg neuer privater Geldgeber. Nach seinen Worten gibt es Gesprächsansätze, die sich jetzt verdichten müssten. Loprieno sieht die Chance, „dass ein Paket bis Ende Dezember geschnürt werden kann“. Unerlässlich ist aus seiner Sicht allerdings, dass ein – wie auch immer gearteter – Neuanfang von der Bremer Politik positiv begleitet wird. Dieses öffentliche Engagement müsse „nicht nur moralischer, sondern auch physischer Natur sein“. Ob damit handfeste finanzielle Unterstützung gemeint ist, lässt Loprieno bewusst offen. Wissenschaftsstaatsrat Tim Cordßen macht ihm da allerdings keine Hoffnungen. „Öffentliche Mittel für den weiteren Entwicklungsprozess der Jacobs University sind ausgeschlossen“, legt sich Cordßen fest.

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Unterdessen hat die Jacobs-Uni ein Problem mit der Qualitätssicherung ihrer Studiengänge gelöst. Im Herbst 2018 war die Grohner Privathochschule daran gescheitert, eine sogenannte System-Akkreditierung für ihre Studienangebote zu bekommen. Dieses akademische Gütesiegel gestattet es Hochschulen, eigenständig Änderungen am Fächerspektrum vornehmen zu dürfen. Nach dem Fehlschlag musste sich die Jacobs University stattdessen um sogenannte Programm-Akkreditierungen für jeden einzelnen ihrer Studiengänge bemühen. Solche Beglaubigungen werden von externen Gutachtern ausgesprochen. Der Akkreditierungsprozess ist laut Präsident Loprieno nun abgeschlossen. Dies habe bereits „zu einer deutlichen Zunahme des Interesses“ bei möglichen Investoren geführt.

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Zur Sache

Jacobs University

Die private Jacobs University nahm im Jahr 2001 - damals noch unter dem Namen International University Bremen - ihren Lehrbetrieb auf. Zwei Jahre zuvor hatte sie von der Bremer Wissenschaftsbehörde ihre Anerkennung erhalten. Auf einem 34 Hektar großen Gelände in Grohn, einer früheren Kaserne, entwickelte sich seither eine englischsprachige akademische Community, von der auch wirtschaftliche Impulse für Bremen-Nord ausgehen sollten.

Die erhofften Ausgründungen junger, wissenschaftsbasierter Firmen kamen jedoch kaum zustande. Stattdessen gab es schon bald finanzielle Probleme. Daran änderte auch die Großspende von 200 Millionen Euro nichts, mit der sich die Jacobs Foundation 2006 in Grohn engagierte.

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