Beirat Vegesack diskutiert über die Zukunft des Alten Speichers und der Bezirkssportanlage Jacobs University will auf den Oeversberg

Vegesack. Silvia Claus, Projektleiterin beim Beschäftigungsträger Bras präsentierte nun im Vegesacker Beirat, wie es mit dem Speicher weitergehen könnte. Der Wal soll – wie berichtet – Leitthema im Erdgeschoss des früheren Spicariums sein.
14.05.2016, 00:00
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Von DORIS FRIEDRICHS

Silvia Claus, Projektleiterin beim Beschäftigungsträger Bras präsentierte nun im Vegesacker Beirat, wie es mit dem Speicher weitergehen könnte. Der Wal soll – wie berichtet – Leitthema im Erdgeschoss des früheren Spicariums sein. Das Ziel ihres Konzeptes ist es, die maritime Tradition Vegesacks zu berücksichtigen und Exponate aus dem geschlossenen maritimen Museum zu erhalten. Im Dezember 2015 war die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) vom Beirat Vegesack aufgefordert worden, unter Einbeziehung des Beschäftigungsträgers ein Konzept für den Alten Speicher vorzustellen.

Die zuerst angedachte Variante, das Hauswirtschaftsmuseum Köksch un Qualm im Speicher einziehen zu lassen, ist vom Tisch. „Angeregt durch die vielen Wale, die in Vegesack zu sehen sind und durch den großen Erfolg einer Ausstellung, die zurzeit im Überseemuseum in Bremen läuft, haben wir überlegt, den Wal zum Leitthema zu machen für das, was wir im Hafenspeicher planen“, erläuterte die Projektleiterin.

Ähnlich wie im Mitmachmuseum Köksch un Qualm und im Geschichtenhaus im Schnoor soll mit Langzeitarbeitslosen die Geschichte Vegesacks an Stationen in originalgetreuer Kulisse und Kleidung nachgespielt werden. Gespräche mit dem Jobcenter haben ergeben, so Silvia Claus, dass die Behörde bereit ist, das Projekt in Vegesack langfristig zu unterstützen. Die zuständige Deputation habe aber noch nicht beschlossen, wie es mit dem Speicher weitergehen soll.

Die sieben Stationen im Erdgeschoss des Hafengebäudes beginnen nach den Vorstellungen der Projektleiterin mit der Reproduktion eines alten Wal-Gemäldes und führen weiter zum historischen Hafen Vegesacks. Weitergehen soll es mit der Lange-Werft, die auch Walfangschiffe hergestellt hat. Die vierte Station beschäftigt sich mit der Biologie der Wale, mit den Arten, den Gesängen, gefolgt von der Waljagd einst und heute. Auch die Verwertung der Wale und die aus dem Fang resultierenden Produkte sollen in der Ausstellung zu sehen sein. Die letzte Station thematisiert die Bedrohung der Meeressäuger, den Walschutz, Wale Watching und die Faszination der Tiere.

„Eine solche Ausstellung könnte für Vegesack bedeutsam sein“, betonte Claus, „man könnte deutlich machen, warum man die Symbole hier immer wiederfindet“. Im Obergeschoss des Speichers sind Wechselausstellungen in Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmerkammer geplant. Der Start soll beim Festival Maritim mit einer Bernsteinausstellung sein. Die Projektleiterin machte bei der Präsentation deutlich, dass das Vorhaben nicht in Konkurrenz zum Kulturbüro treten will. „Wir wollen nicht in fremden Gewässern fischen.“ Sie möchte aber das Büro und andere Akteure mit ins Boot holen.

Thomas Pörschke (Grüne) macht den Erfolg des Projektes für sich davon abhängig, ob es den Akteuren gelingt, das Haus mit Leben zu füllen. „Ich plädiere sei Jahren für einen regelmäßigen Fischmarkt am Hafen.“ Er sprach sich für eine Kombination von Fischverkauf am Rande des Hafenwaldes und der Präsentation aus, wie früher Fisch gefangen wurde. „Dann hätten Sie auch einen Anziehungspunkt über Vegesack hinaus.“ Wichtig sei zudem eine professionelle Werbung in und außerhalb Bremens. Ansonsten befürchtete der Grünen-Politiker ein erneutes Aus für ein Projekt im Alten Speicher.

Cord Degenhard, Bürger in Wut, glaubt nicht an einen Erfolg. „Wen interessiert denn heute Walfang? Mich nicht und viele andere, die ich kenne, auch nicht.“ Torsten Bullmahn, CDU, warnte vor einem Schnellschuss. Das Konzept, in nur fünf Wochen erarbeitet, könne nicht ausgereift sein. Silvia Claus hielt dagegen, dass sich die Ausstellung mit kleinen Events noch weiterentwickeln soll, beispielsweise zu Eröffnung der Matjessaison. „Wir können nicht das Marketing von Vegesack wuppen. Wir sind nur ein kleiner Beitrag dazu, das Haus wieder zu beleben.“

Danach ging es im Beirat um die Zukunft des Oeversbergs. Dort befinden sich Sportanlagen Nordbremer Vereine, eine Skaterbahn und eine BMX-Strecke. Jacobs University und Wirtschaftsressort haben 2014 per Vertrag einen Flächentausch vereinbart. Stefan Gneuss, kaufmännischer Leiter der Jacobs University, ging auf den Hintergrund ein: Die Universität möchte sich auf dem östlichen Teil des Oeversberg erweitern. Im Gegenzug dazu hat sie sich verpflichtet, den Vereinen bis Ende 2018 eine Optionsfläche auf ihrem Areal zur Verfügung zu stellen, die ihnen bis 2025 erhalten bleiben soll. Eine konkrete Nutzung der benötigten Fläche konnte oder wollte er nicht nennen.

Das brachte Kritik. „Wenn man so viel bekommt, kann man nicht auch mal geben?“, spielte Cord Degenhard auf die finanzielle Unterstützung Bremens in Millionenhöhe für die Universität an. Der Flächentausch stürze die Vereine in den Abgrund. Es sei eine Frechheit, Kindern und Jugendlichen ihre Sportstätten wegzunehmen, wenn es Alternativflächen gebe, meinte Sabri Kurt (Linke).

Reimund Kasper, Kreissportbund Bremen-Nord, warf Gneuss als Zuhörer bei der Sitzung vor, eine Chance zu verpassen, den Sport mit ins Boot zu holen. „Wenn Sie die Schotten dicht machen, können sie keine Hilfe und auch kein Verständnis von außen erwarten.“

Zum Schluss wurde der SPD-Antrag einstimmig angenommen. Damit fordert der Beirat, dass die erforderlichen Mittel für die Umsiedlung der Sportanlagen vorrangig von der Universität beziehungsweise der Stadtgemeinde bereitgestellt werden.

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