Bremer Mäzene Karin und Uwe Hollweg werden geehrt Jährlich eine Million für Kunst und Kultur

Bremen. Das Ehepaar Karin und Uwe Hollweg erhält Sonntag im Bremer Rathaus die Maecenas-Ehrung 2011 des "Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute". Die Hollwegs stiften jährlich rund eine Million Euro für Kunst, Kultur und Denkmalpflege.
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Peter Groth

Bremen. Das Ehepaar Karin und Uwe Hollweg erhält Sonntag im Bremer Rathaus die Maecenas-Ehrung 2011 des "Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute". Die Vereinigung der 35 bedeutendsten deutschen Museen, Stiftungen und Akademien würdigt das beispielgebende kulturpolitische Engagement und den persönlichen Einsatz für Kunst und Kultur des Ehepaares und seiner 1996 gegründeten Stiftung.

Bremen. Was wäre Bremen ohne die Hollwegs? Kulturell ärmer - allemal. Der Kunsthalle fehlte ein Flügel des Neubaus, die Weserburg wäre nicht auf dem Weg der wirtschaftlichen Gesundung, die Kammerphilharmonie müsste ihr Konzertprogramm abspecken, Künstler müssten auf Ausstellungen und Kataloge verzichten. Die Eheleute und Ehrenbürger der Stadt gehören auch im Bundesvergleich zu den wichtigen deutschen Kulturmäzenen. Jahr für Jahr, so schätzt Kaufmann Uwe Hollweg zurückhaltend, gibt ihre seit 1996 bestehende Stiftung etwa eine Million Euro für Kunst, Kultur und Denkmalpflege aus. Im Schnitt - detailliertere Angaben macht Hollweg nicht.

Muss er auch nicht, denn es gibt wohl kaum eine bremische Kultureinrichtung, die nicht schon einmal von der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung unterstützt wurde. Dieses Mäzenatentum, das nicht an den Landesgrenzen haltmacht, hat den "Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute" nun veranlasst, die Hollwegs zu ehren. Die Vereinigung, der unter anderem die Klassik-Stiftung Weimar, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Kunsthalle Emden, das Germanische Nationalmuseum Nürnberg, das Städel Museum Frankfurt sowie aus Bremen die Träger der Kunsthalle und des Gerhard Marcks Hauses angehören, vergibt seit 1989 ihre Ehrung. Verliehen wird sie an Persönlichkeiten, "die sich durch ihr Engagement in besonderer Weise um die Förderung des Kulturlebens in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht haben". Das waren bisher Mäzene wie Anne-Sophie Mutter, das Ehepaar Brandhorst, Henri Nannen, Alfred C. Toepfer oder Arend Oetker.

Und nun Karin und Uwe Hollweg. Dass sie in diesen Kreis aufrücken konnten, verdanken sie dem Erfolg ihres Unternehmens Cordes & Graefe, an dem zu gleichen Teilen Klaus Hollweg und inzwischen auch dessen Nachfahren beteiligt sind. "Wasser, Wärme, Luft" bringt Uwe Hollweg den europaweiten Erfolg der Haustechnik-Großhandelsfirma mit Sitz in Bremen auf den Punkt. Während sich Klaus Hollweg mit einer eigenen Stiftung für soziale Projekte engagiert, setzen sich Karin und Uwe Hollweg für die Kultur ein.

Privat hat das Ehepaar in 40 Jahren eine auf etwa 600 Werke angewachsene, bedeutende Kunstsammlung aufgebaut. Und parallel haben die Hollwegs schon vor der Gründung ihrer Stiftung 1996 vereinzelt aus der Privatschatulle Kulturprojekte unterstützt. Die Sanierung des großen Wal-Gemäldes im Rathaus, der Erwerb der "Bremer Stadtmusikanten" von Maurizio Cattelan für die Kunsthalle, Zuschüsse für Kirchensanierungen in Ostdeutschland waren solche Projekte. Zum Schlüsselerlebnis wurde aber für die Hollwegs ihr Beitrag für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. "Ich habe um 1990 im Osten als Kaufmann eine spannende und wirtschaftlich erfolgreiche Zeit erlebt. Da fand ich es wichtig, ein persönliches Zeichen für den Aufbau Ost zu setzen", sagt Uwe Hollweg. Tatsächlich war die Wiedereröffnung der Frauenkirche, deren Aufbau das Ehepaar mit einer sechsstelligen Summe unterstützt hat, ein einschneidendes Erlebnis. "Unser Engagement hat sich gelohnt", sagt es Karin Hollweg knapp.

Und gelohnt hat sich nach Gründung der Familienstiftung eigentlich jede Unterstützung. "An richtige Flopps kann ich mich nicht erinnern", sagt Karin Hollweg. Monat für Monat landen in der Zentrale der Stiftung, dem Hollweg-Haus am Altenwall, stapelweise Förderanträge. Jedes Schreiben wird geprüft und dann im von Familienmitgliedern besetzten Stiftungsvorstand beschieden. Uwe Hollweg: "Unser Hauptaugenmerk gehört natürlich der Kunsthalle, für deren Neubau wir an unsere Rücklagen gegangen sind, der Weserburg und inzwischen auch der Kammerphilharmonie. Dazu kommen regelmäßig eine Produktion des Bremer Theaters, Stücke kleinerer Theater oder auch Projekte des Blaumeier Ateliers, der Autorenpreis der Schwankhalle und der Kunstpreis für die Meisterschüler an der Hochschule für Künste, der jetzt den Namen meiner Frau trägt."

Bei allen Entscheidungen über die Förderungswürdigkeit gilt für die Hollwegs: Das Projekt muss künstlerisch innovativ sein, muss mit wenig Geld viel Effekt erzeugen. "Wenn wir das Gefühl haben, da soll nur Beschäftigungssicherung betrieben werden, sind wir nicht dabei", sagt Karin Hollweg. In die Inhalte der Förderprojekte mischt man sich nicht ein, und ideologische Scheuklappen kennen der ausgewiesen konservative Uwe Hollweg und seine Frau schon gar nicht. "Wir empfinden das, was wir tun und was wir erleben, als ganz große Bereicherung", beschreibt Karin Hollweg die Motivation, "egal, ob wir nun die Kunsthalle Emden, die documenta oder das Gröpelinger Atelier Roter Hahn unterstützen."

Dafür werden die Hollwegs am Sonntag im Rathaus geehrt. Bei der Gelegenheit werden sie dann eine besondere Neuigkeit verkünden: Sie übergeben ihre große private Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts der Hollweg-Stiftung, die die Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen vom kommenden Jahr an öffentlich zugänglich macht.

Einen Text über bremische Mäzene und Ihr Wirken finden Sie im KURIER am SONNTAG.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+