Hilfe für Wohnungslose Jakobustreff ab Dienstag wieder geöffnet

Viele obdachlose Menschen können aufatmen: Der Jakobustreff im Papageienhaus bleibt nun doch nicht wie geplant bis Januar geschlossen. Die Innere Mission hat ihre „Fehlentscheidung“ korrigiert. Am Dienstag soll der Treff wieder geöffnet werden.
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Von Felix Frank und Sabine Doll

Viele obdachlose Menschen können aufatmen: Der Jakobustreff im Papageienhaus bleibt nun doch nicht wie geplant bis Januar geschlossen. Die Innere Mission hat ihre „Fehlentscheidung“ korrigiert – am kommenden Dienstag soll der Treff wieder geöffnet werden. Im Februar wird der Jakobustreff dann durch das Café Papagei, Auf der Brake 2, ersetzt. Generell ist der Auszug der Wohnungslosenhilfe aus dem Jakobushaus im Jahr 2015 geplant.

Gerade in den bitterkalten und dunklen Wintermonaten ist der Jakobustreff für viele Obdachlose der erste Anlaufpunkt: Rund 80 wohnungslose Menschen besuchen täglich die Einrichtung im Papageienhaus – um sich aufzuwärmen, zu duschen, ein heißes Getränk zu sich zu nehmen, etwas zu essen oder ihre Kleidung zu waschen. Seit dem 1. Dezember stehen sie allerdings vor verschlossenen Türen. Die Innere Mission, die das Jakobushaus betreibt, hatte entschieden, den Treff für zwei Monate dicht zu machen. Die Begründung: Es mangele an Personal, weil der Jakobustreff im Februar 2015 umziehe.

Nun korrigiert die diakonische Wohnungslosenhilfe ihren Entschluss, den Bertold Reetz im Nachhinein als „Fehlentscheidung“ bezeichnet. Der Leiter der Wohnungslosenhilfe der Inneren Mission räumt ein: „Manchmal trifft man Entscheidungen, die nicht sehr glücklich sind. Wir hatten immer nur das Neue im Blick.“ Nun soll der Jakobustreff am Dienstag, 9. Dezember, seine Türen wieder öffnen – in dem Gebäude an der Hochstraße, das wegen der bunten Fassadenfarben auch Papageienhaus genannt wird. „Die Not ist so groß, und es ist so kalt draußen, wir werden Personal einstellen“, so Reetz.

Café Papagei – so heißt dann ab Februar die neue Aufenthaltsmöglichkeit. Als Ersatz für den Jakobustreff, den es bereits seit 1975 gibt. „Wir sind glücklich, die Räumlichkeiten Auf der Brake 2 bekommen zu haben“, sagt Reetz. Sie seien größer und noch näher am Bahnhof gelegen. Es werde dort viele Beschäftigungs- und Bildungsprojekte geben. „Außerdem können Menschen, die keine Anschrift haben, ihre Postadresse dort angeben“, so Reetz. Die Notunterkünfte bleiben unterdessen bestehen – zumindest vorerst. Denn Reetz teilte mit, dass es in baldiger Zukunft keine Notunterkünfte für Obdachlose im Papageienhaus mehr geben wird. „Die Behörde hat uns gesagt, dass das Jakobushaus nicht mehr von der Wohnungslosenhilfe genutzt werden soll. Wir ziehen nach und nach aus und werden uns kleinteiliger aufstellen. Wir haben uns vorgenommen, in 2015 raus zu sein“, so Reetz.

Eine neue Heimat ist allerdings noch nicht fix. „Wir haben ein Objekt in zentraler Lage, aber das muss erst über den Beirat gehen. Wenn das klappt, ist das eine gute Lösung.“ Aktuell leben etwa 70 obdachlose Menschen in Notunterkünften. Das Jakobushaus ist damit überfüllt.

In Sachen Wohnungsnot und Ausbau der Hilfsangebote für Wohnungslose fordert die Partei Die Linke Sofortmaßnahmen: Leer stehende städtische Immobilien müssten schnell als Wohnraum für den Übergang zur Verfügung gestellt werden, der Hauptbahnhof für Wohnungslose offenstehen. „Die gegenwärtige Situation ist ein weiteres Armutszeugnis für die Stadt“, teilte die wohnungspolitische Linke-Sprecherin Claudia Bernhard mit.

Laut Sozialbehörde ist die Zahl der obdachlosen Männer in Notunterkünften in den vergangenen zehn Jahren nahezu konstant geblieben. Bei den Frauen dagegen habe sie sich stark verändert, wie aus einem Bericht hervorgeht, den Staatsrat Horst Frehe (Grüne) gestern in der Sozialdeputation vorgelegt hat. Die Zahl der Männer schwanke zwischen 1100 und 1250 pro Jahr, bei den Frauen lag sie zwischen 163 und 109, in 2013 waren es danach 150. Die durchschnittliche Auslastung der Betten im Jakobushaus habe zwischen 69 bis 93 Prozent gelegen – seit 2011 immer im oberen Bereich. In der Frauennotunterkunft liege die Auslastung seit vielen Jahren um 150 Prozent, teilweise sogar deutlich darüber, wie es in dem Bericht heißt.

Laut Trägern der Wohnungslosenhilfe habe sich die Klientel jedoch verändert: Psychische Auffälligkeiten seien häufiger. Daher sei es ratsam in den Notunterkünften künftig eher auf Einzel- statt Doppelzimmer zu setzen, so die Empfehlung.

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