Jan Himmert im Porträt Mit dem Kunsthandel seine Passion gefunden

Jan Himmert arbeitet seit 40 Jahren in der Kunstszene und führt mit Werner Schukat das Auktionshaus Weser. Etwa alle zwei Monate wird eine Auktion durchgeführt, zwischen 1000 und 2400 Objekte werden angeboten.
24.01.2021, 05:00
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Mit dem Kunsthandel seine Passion gefunden
Von Mario Nagel

Eigentlich wollte Jan Himmert mal Psychologe werden. Menschen bei ihren Problemen helfen, Tipps und Ratschläge geben. Mit 15 begann er eine Apotheker-Ausbildung, aber das sei nichts für ihn gewesen. Danach habe er sich in verschiedenen Berufen versucht. Glücklich wurde er dort nicht. Dann sei er durch einen damaligen Freund mit dem Kunsthandel in Berührung gekommen – und habe seine Passion gefunden. Vor rund 40 Jahren habe alles angefangen, erzählt der heute 68-Jährige.

Er habe fortan antike Orientteppiche vertrieben, das sei damals sehr lukrativ gewesen. Dadurch sei er auch mit Auktionshäusern in Kontakt gekommen, denn dort, auf speziellen Auktionen, habe er die Teppiche ge- und verkauft. „Das war mein Geschäft, ich hatte keinen eigenen Laden“, sagt Himmert. 25 Jahre schlug er sich so als Kunsthändler durch, brachte sich alles, was er wissen musste, selber bei. Bis er im Jahr 2007 seinen heutigen Geschäftspartner Werner Schukat kennenlernte. „Wir haben uns schnell entschieden, dass wir gemeinsam etwas aufbauen wollen.“ In der Nähe des Weserwehrs wurden sie auf eine leer stehende Industriehalle aufmerksam, gründeten dort das Auktionshaus Weser.

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Seither fungiert Jan Himmert als Auktionsmeister und Geschäftsführer, etwa alle zwei Monate wird am Hastedter Osterdeich eine Auktion veranstaltet. Zwischen 1000 und 2400 Objekte werden dann an Höchstbietende abgegeben, bei jedem Verkauf zahlt der Käufer eine Provision in Höhe von 20 Prozent an das Auktionshaus. Meist liegen die einzelnen Objekte unterhalb von 500 Euro, für ein Werk des niederländischen Künstlers Jan Schonhooven wurden aber auch schon 54.000 Euro gezahlt – der Spitzenwert. „Damals mussten wir zwölf Telefone gleichzeitig bedienen, die Nachfrage war enorm“, erinnert sich Himmert. Im Auktionshaus Weser kann nicht nur aus dem Saalpublikum, sondern auch per Telefon und Mail geboten werden.

Die Versteigerung des Schonhooven-Werks war allerdings noch aus einem anderen Grund besonders: Himmert hatte das Objekt auf ein Startgebot von 3000 Euro festgelegt. Mittlerweile führe er die Auktionen mit einer gewissen Gelassenheit durch, doch damals seien seine Finger etwas nass geworden. „Das hatte eine unheimliche Dynamik“, sagt Jan Himmert. Dass sich ein Bieterverfahren derart entwickelt, und das Startgebot plötzlich durch die Decke schießt, sei die Ausnahme. Es komme allerdings vor, nämlich immer dann, wenn die Bieter Blut geleckt hätten und nicht locker ließen. Besonders bei kuriosen Gegenständen. Einmal habe das Auktionshaus Weser eine Wiener Beerdigungskutsche aus dem 19. Jahrhundert versteigert, aber auch den Schleudersitz einer Mig-21 – ein Kampfjet der sowjetischen Luftwaffe. Bei der letzten Auktion habe er einen Teddybär der Marke Steif im Katalog anbieten können. Das Besondere: Der Teddy war schwarz, eine Sonderedition aus den 1920er-Jahren zum Untergang der Titanic. Vier oder fünf Stück gebe es heute nur noch, sagt Himmert. Für 8000 Euro habe der Steif-Teddy schließlich den Besitzer gewechselt.

Bewerten und schätzen

Doch die Auktion selbst, an der meistens alle acht Angestellten des Auktionshauses Weser beteiligt sind, sei nur ein kleiner Teil der Arbeit. Der deutlich größere Teil geschehe im Vorfeld. „Die Besitzer bringen alle möglichen Objekte vorbei, die müssen bewertet und geschätzt werden. Wenn sie eine gewisse Qualität und einen Wert haben, dann nehmen wir sie im Katalog auf.“ Manchmal müsse er auch rausfahren zu den Besitzern, wenn die Objekte nicht oder nur schwer zum Auktionshaus gebracht werden könnten.

Dies sei auch bei größeren Nachlässen die Regel, zum Beispiel im Todesfall. Dann schätzt Jan Himmert die Sammlungen und Kunstobjekte vor Ort. „Das macht mir unheimlich viel Spaß“, sagt er. Vor den Auktionen gibt es schließlich noch die Vorbesichtigungen: An drei Tagen können potenzielle Käufer die Objekte dann begutachten, Nachfragen stellen, erste Vorgebote abgeben. Jan Himmert sei zudem seinem Geschäftspartner Werner Schukat dankbar, der sich vor allem um die wirtschaftlichen Aspekte des Auktionshauses kümmert, sodass er sich voll und ganz dem Kunsthandel widmen könne.

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Sein Beruf sei einfach sehr vielfältig, sagt er. „Wir haben so viele verschiedene Objekte. Antike Möbel, Gemälde, Skulpturen, Schmuck, Orientteppiche oder Gegenstände mit einem besonderen Design. Der Job des Auktionsmeisters ist nicht nur vielfältig, sondern auch spannend und faszinierend”, sagt Himmert. Obwohl der 68-Jährige im Rentenalter ist, will er sich auch in Zukunft nicht zurückziehen. „Ich tauge einfach nicht zum Rentnerdasein, ich will das mein Leben lang machen“, sagt Himmert. Dank Geschäftspartner Schukat habe er die Freiheit zu entscheiden, wann er arbeiten möchte und wann nicht.

Das kommt auch seiner Familie zugute: Seit zwei Jahren ist er mit Thiara verheiratet, einer Frau aus dem Senegal. Das Paar hatte sich 2016 auf Boa Vista, einer kapverdischen Insel, kennen und lieben gelernt. Nach großen Schwierigkeiten sei Thiara schließlich nach Deutschland gezogen, mit ihr hat Jan Himmert eine vier Monate alte Tochter. Aus einer vorherigen Beziehung hat der 68-Jährige bereits zwei weitere Töchter.

Eine Flötenuhr aus dem Haus Hohenzollern

Am 30. Januar steht die nächste Auktion an. 1400 Objekte sollen dann an die Höchstbietenden versteigert werden. Mit dabei: eine Flötenuhr aus dem Haus Hohenzollern. Zuletzt stand das um das Jahr 1800 gebaute Werk im Berliner Schloss, sagt Himmert. Das Startgebot liegt bei 28.000 Euro.

Durch Corona müsse die Veranstaltung digital abgehalten werden, Gebote könnten nur im Vorfeld oder Telefon abgegeben werden. Das funktioniere laut Himmert aber gut, denn schon vor der Pandemie habe es einen digitalen Katalog und einen Livestream gegeben. Das Auktionshaus Weser komme bislang auch vergleichsweise gut durch die Krise. „Wir mussten keine Kurzarbeit anmelden, keine Angestellten entlassen. Wir wollen uns nicht beklagen“, sagt der 68-Jährige.

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