Konzert-Kritik Jazzahead-Preisträger heißt John McLaughlin

Bremen. Der Abend startete für Gitarrist John McLaughlin mit einer Auszeichnung: Er ist Preisträger des diesjährigen Jazzahead-Skoda-Awards. Sein anschließendes Konzert begann relativ sanft und feinsinnig, entwickelte sich jedoch zu einer Art Heavy-Metal-Jazzrock-Fusion.
25.04.2010, 05:00
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Von Christian Emigholz

Bremen. Eigentlich erstaunlich, dass viele Jazzer die Musik von Frank Zappa so sehr schätzen, hat der sich doch ziemlich unfreundlich zum Thema Jazz geäußert ('Jazz is not dead, it just smells funny'). Andererseits ist der Satz nun auch über 35 Jahre alt, und riecht selbst schon ein bisschen komisch. Und außerdem hat sich im Jazz seitdem allerhand getan, speziell im damals noch recht biederen Bereich der Bigbands.

So auch bei der französischen Bigband Lebocal, die im Rahmen von Jazzahead im ausverkauften Musical Theater auftrat. Ein Gutteil der 15 Musiker dürfte noch nicht einmal geboren gewesen sein, als der Satz einst fiel. Insofern nähert sich Lebocal ziemlich unbelastet dem Thema Zappa, nämlich frisch, frech und durchaus unbotmäßig - ganz im Sinne des vor 70 Jahren geborenen, 1993 verstorbenen Oberfreaks. Mit 'Take your clothes off (when you dance)' ging es los, und Lebocal ließ es gleich zappaesk zirpen und fiepen, inszenierte auch 'King Kong' und 'Little umbrellas', beides geradezu Klassiker, mit schön flirrenden und verrückten rhythmischen Wechseln und einem durchgängig rumorenden Sound.

Für den sorgte vor allem die erstklassige Bläserfraktion, zu der auch ein Saxofonist gehörte, der seltener sein Instrument blies, häufiger mit elektronisch verfremdeten Klappergeräuschen neben der Gitarre für das irrlichternde Klangbild verantwortlich war. Ein schöner und schneller musikalischer Spaß,bei dem immer wieder einzelne Bandmitglieder die übrigen in der Manier des Willem Breuker Kollektiefs gestenreich dirigieren durften, wie etwa bei 'Mr. Green Genes'.

Nach der Pause stand zunächst die Verleihung des Jazzahead!-Skoda-Award an. John McLaughlin war der Auserkorene, den Peter Schulze, künstlerischer Berater bei Jazzahead! sowie langjähriger Kenner und Freund McLaughlins in einer präzisen Laudatio würdigte. Schulze blickte vor allen Dingen auf die erfolgreichste Zeit des großen Gitarristen mit Miles Davis, Tony Williams und seinen eigenen Bands Mahavishnu Orchestra und Shakti zurück. McLaughlin, fünfter Preisträger nach Manfred Eicher, Karsten Jahnke, Joe Zawinul und Norma Winstone, erklärte anschließend, dass er das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro dem Berliner Weltfriedensdienst für dessen musiktherapeutische Arbeit in Palästina stiftet.

Dann trat der Gitarrist mit seiner Band The 4th Dimension auf. Was relativ sanft und mit den nach wie vor feinsinnig melodischen und hochgradig virtuosen Gitarrenlinien McLaughlins begann, wandelte sich immer mehr zu einer Art Heavy-Metal-Jazzrock-Fusion, mit nach und nach immer lauter werdenden Gitarrenlinien, fulminanten Schlägen des präzisen Power-Trommlers Mark Mondesir und voluminösen Keyboardbeiträgen von Mark Husband. Überaus störend waren die penetrant in tiefsten Tiefen brummenden und wabernden Bass-Sounds von Etienne Mbappé, übrigens der erste E-Bassist, den der Rezensent mit Handschuhen hat spielen sehen. In seinen Soli konnte er überzeugen.

John McLaughlin ist nach wie vor ein großer Gitarrenvirtuose, aber dies war schlicht zuviel. Ein wenig versöhnte gegen Ende ein spannender, wenn auch ein wenig zu langer Drum-Battle zwischen Mondesir und Husband, der gelernter Schlagzeuger ist, sowie die ruhigere Zugabe, bei der McLaughlin seine von vielen weltmusikalischen Einflüssen geprägte Klasse noch einmal demonstrierte.

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