Führerscheinprüfung fällt schwer Jeder dritte Fahrschüler in Bremen fällt durch

Bremen. In der Hansestadt rasselt fast jeder dritte Kandidat durch die Fahrprüfung. Laut Prüfern wird sie wird unter anderem immer schwieriger, weil der zunehmende Verkehr immer höhere Anforderungen stellt.
25.01.2010, 06:30
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Von Niels Kanning

Bremen. In der Hansestadt rasselt fast jeder dritte Kandidat durch die Fahrprüfung. Laut Prüfern wird sie wird unter anderem immer schwieriger, weil der zunehmende Verkehr immer höhere Anforderungen stellt.

Ruhig, freundlich, besonnen: Fahrprüfer Wolfgang Bamberg entspricht so gar nicht dem Klischee eines rüden und selbstgerechten Prüfers. "Die Prüfer sind die Fiesen", sagt Bamberg und schmunzelt. Er weiß: Die Meinung über den Prüfer hängt vom Ergebnis ab. Und wer durchfällt, der muss zusätzlich 200 Euro und mehr investieren, um den nächsten Versuch zu starten. Das Durchfallen tut weh - nicht nur dem Portemonnaie.

Weil den meist jungen Fahrschülern kaum etwas wichtiger ist als ihre eigene Mobilität, führt kein Weg am Führerschein vorbei. Viele Arbeitgeber setzen eine Fahrerlaubnis voraus. Da werden Fahrprüfungen schnell zu Legenden. Je spannender die Prüfungsstunde geschildert wird, desto heldenhafter erscheint der Erzähler in den Augen seiner Zuhörer. Da kann ein Prüfer, der den Daumen senkt, zum Monster werden. Wolfgang Bamberg kennt das: "Wenn jemand durchfällt, liegt das am Prüfer." Dabei sind er und seine Kollegen vom Unternehmen TÜV Nord Mobilität darin geschult, mit den Prüflingen freundlich umzugehen und ihnen entgegenzukommen. "Manche brauchen eben ein Gespräch." Und wer einen Prüfling bestehen lässt, ist sowieso "super nett".

"Dennoch: Wir sehen viele Tränen," sagt Wolfgang Bamberg. Und viele aufgeregte Fahrschüler. Bamberg kann die Nervosität nachvollziehen. 30 bis 35 Fahrstunden hätten die meisten Fahrschüler absolviert, weit über tausend Euro schon investiert. Die Erwartungen von Eltern und Freunden sind hoch. Alles hängt jetzt von 45 Minuten ab. Die Emotionen kommen raus. "Wer zu aufgeregt ist, macht Fehler", weiß der 43-jährige Fahrprüfer. Und was können die Schüler gegen Prüfungsangst tun? Bamberg empfiehlt das Internet. Unter den Suchbegriffen "Fahrerlaubnisprüfung" und "Prüfungsangst" sind Erfahrungsberichte und gute Tipps veröffentlicht. "Manchen hilft das."

Vorfahrtsverletzungen und Rotlichtverstöße - das sind die häufigsten Fehler bei den Prüfungsfahrten, die auch über einen kurzen Autobahnabschnitt führen. Wenn der Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz Gas, Bremse oder Kupplung betätigt, folgt darauf ein akustisches Signal. Auch die Summe kleinerer Fehler kann zum Nichtbestehen führen. Für die Fahrprüfer gibt es Regeln, was sie sagen dürfen und was nicht. Mit Absicht reinlegen darf der Fahrprüfer den Schüler nicht. Er stellt keine Fallen. Ein Beispiel: Die Anweisung "Biegen Sie gleich die nächste Straße links ab" darf nicht falsch herum in eine Einbahnstraße führen. Theorie am PC Vor der Praxis kommt die dröge Theorie. Die Fragen sind anspruchsvoll. Im Prüfungsraum des TÜV Nord stehen 13 Bildschirme, vor einem sitzt Wolfgang Bamberg, vor den anderen brüten zwölf Fahrschüler. Seit Jahresbeginn werden bundesweit alle theoretischen Führerscheinprüfungen am PC abgenommen. Geübt haben die Kandidaten in ihren Fahrschulen. Die Zulassung zur Theorieprüfung ist an Voraussetzungen geknüpft. Wer teilnehmen will, muss eine sogenannte Ausbildungsbescheinigung für den theoretischen Mindestunterricht vorlegen, der insgesamt 14 Doppelstunden umfasst.

Die Fahranfänger von heute gehen "deutlich lockerer" in die Theorieprüfung als frühere Generationen. Immer noch gilt: Ohne Fleiß kein Preis. Wolfgang Bamberg: "Wer bei der Theorie durchfällt, hat zu wenig getan." Die aktuelle Statistik der TÜV Nord Mobilität spricht Bände: Im vergangenen Jahr haben sich 9303 Fahrschüler in Bremen an der Theorieprüfung für die Fahrerlaubnisklasse B (Autoführerschein) versucht. 2753 Prüflinge, das sind 29,6 Prozent, sind durchgerasselt. Die Durchfallerquote bei der praktischen Fahrprüfung beträgt sogar 36,3 Prozent. Tendenz: seit Jahren steigend.

Für die theoretische Führerscheinprüfung ist eine Zeitstunde angesetzt. Und es gibt sie noch, die ehrgeizigen Schüler, die nach 15 Minuten auf den Abgabeknopf drücken und mit null Fehlern abschließen. 30 Fragen müssen beantwortet werden. Maximal zehn Fehlerpunkte sind erlaubt. Wer eine Vorfahrtsfrage falsch beantwortet, ist schon mit fünf Punkten dabei. Die Prüfung ist anspruchsvoll. Die Reduzierung des Unfallrisikos der jungen Fahranfänger ist das erklärte Ziel. Mit dem Auswendiglernen der Vorschriften über richtiges Verhalten im Straßenverkehr ist es dabei nicht getan.

Mit dem Bestehen der Theorieprüfung ist erst ein kleiner Schritt getan. Die Hektik kommt noch früh genug, weiß Wolfgang Bamberg. Die praktische Prüfung ist eben die größte Hürde, sie lässt sich nicht durch Fleiß schaffen, denn in einer Großstadt wie Bremen sind die Kandidaten gegenüber denen in ländlichen Regionen besonderen Strapazen ausgesetzt.

Wie wird man Fahrerlaubnisprüfer beim Unternehmen TÜV Nord, der aus dem Technischen Überwachungsverein (TÜV) hervorgegangen ist? Einen obligatorischen Werdegang gibt es nicht. Wolfgang Bamberg ist gelernter Kfz-Meister und Fahrlehrer mit Ausbildung bei der Bundeswehr. Seit 2003 ist er als Fahrprüfer im Einsatz, vorher hat er in einer TÜV-Station Fahrzeuge geprüft. Bamberg liebt seinen Beruf, auch wenn er manchmal der fieseTyp auf dem Rücksitz ist, der "leider durchgefallen" sagen muss.

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