Neue Sanierungspläne sorgen für Unruhe

Jeder zehnte Karstadt-Mitarbeiter soll gehen

Dem neuen Sparkurs bei Karstadt könnte jede zehnte Stelle zum Opfer fallen. Die Gewerkschaft ist nicht einverstanden mit den neuen Plänen. Das Haus in Bremen könnte dabei aber gut davonkommen.
03.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Jeder zehnte Karstadt-Mitarbeiter soll gehen
Von Kathrin Aldenhoff
Jeder zehnte Karstadt-Mitarbeiter soll gehen

Karstadt muss sparen - und viele Arbeitsplätze sind in Gefahr.

dpa

Bei Karstadt soll weiter gespart werden: Dem neuen Kurs könnte jede zehnte Stelle zum Opfer fallen. Um Kosten zu senken, will der Konzern Mitarbeiter außerdem in drei verschiedene Jobgruppen einteilen. Bei der Gewerkschaft sorgen diese Ideen für Unverständnis. Das Haus in Bremen könnte bei den neuen Plänen aber gut davonkommen.

Die schlechten Nachrichten um den Warenhauskonzern Karstadt nehmen kein Ende. Von den 83 Filialen sollen sechs geschlossen werden, die Unternehmensleitung will 1271 Arbeitsplätze in den Warenhäusern streichen. Das würde bedeuten, dass jeder zehnte Angestellte seinen Job verliert. In den Filialen hätte Karstadt dann noch 8170 Mitarbeiter. „Wir haben für dieses Konzept kein Verständnis“, sagt die ver.di-Fachbereichsleiterin für Niedersachsen und Bremen, Sabine Gatz.

Schon jetzt sei wenig Service-Personal in den Abteilungen präsent, die Mitarbeiter hätten keine Zeit für Fachberatung. Dabei sei gerade das eine der Stärken von Karstadt. Gatz befürchtet eine „Discountisierung des Warenhauses“. Wenn der neue Karstadt-Eigentümer René Benko ein Warenhaus der Zukunft aufbauen wolle, sind ihrer Meinung nach drei Dinge wichtig: der Einkauf als Erlebnis, eine gute Beratung und ein guter Service. „Das finde ich in dem Konzept nicht wieder.“

Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge soll das Karstadt-Haus in Bremen neben sieben anderen Warenhäusern zu einer Kopffiliale werden. Das würde bedeuten, dass der Bremer Filialleiter für sogenannte Anhängefilialen mitverantwortlich wäre. Der Bremer Geschäftsführer sowie der hiesige Betriebsrat wollten keine Stellung zu den Plänen nehmen.

Weitere Kopffilialen würden den Plänen zufolge die Berliner Filiale in der Schlossstraße und die Häuser in Braunschweig, Frankfurt, Köln, Dortmund, Nürnberg und Karlsruhe werden. Einen Sonderstatus erhielten das Karstadt-Haus am Münchner Hauptbahnhof, die Hamburger Filiale in der Mönckebergstraße sowie Karstadt in Dresden. In diesen Warenhäusern sollen Innovationen getestet werden. Dass Bremen eine vergleichsweise gute Position in den Plänen von Benko und Karstadt-Chef Stephan Fanderl hat, wundert Sabine Gatz nicht: „Bremen ist ein starker Standort und ein gut funktionierendes Haus.“

Was der Kopffilialen-Status konkret bedeutet und wie er die Zukunft der Filialen in Bremen und Bremerhaven beeinflussen könnte, kann Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt nicht sagen. Die Sanierungsverhandlungen seien noch lange nicht abgeschlossen. Er rechne damit, dass die Gespräche noch bis Anfang März weitergingen. „Die schönste Sanierung nützt nichts, wenn danach nichts mehr funktioniert.“

Patzelt bestätigt die Nachricht, dass das Unternehmen die Mitarbeiter in drei Gruppen einteilen will: Kassierer, Berater und Mitarbeiter im Warenservice, die sich um die Logistik und das Lager kümmern. Sie sollen nach Willen der Unternehmensleitung weniger verdienen als die Mitarbeiter an der Kasse und im Service. Das würde dazu führen, dass 1000 bis 1200 Mitarbeiter etwa 300 Euro weniger im Monat verdienen würden, sagt Patzelt. „Das wird so nicht gehen“, erklärt der Betriebsratschef. „Es gibt in den Verträgen Besitzstandswahrungen, die lassen so etwas nicht zu.“

Um einen Logistiktarifvertrag sei es in den Verhandlungen aber nie gegangen, stellt Patzelt klar. Karstadt hatte sich in einer Mitteilung gegen Presseberichte gewehrt, in denen im Zusammenhang mit der Umgruppierung von Tarifen für die Logistikbranche die Rede war. In der Mitteilung hieß es, es bestehe nicht die Absicht, und es sei bis jetzt auch zu keinem Zeitpunkt gefordert worden, Mitarbeiter von Karstadt nach Tarifen der Logistikbranche zu bezahlen.

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