Rockmusiker „Baby Kreuzberg“ gibt zum ersten Mal ein Konzert vor Grundschülern Jetzt singt er Kinderlieder

Meyenburg. Seit den Neunzigerjahren steht der Berliner Musiker Marceese Trabus, der sich vor gut einem Jahr das Pseudonym „Baby Kreuzberg“ zulegte, regelmäßig als Rockmusiker auf der Bühne. Im Jahr 2009 begann er zudem eine Solokarriere und verleiht seinen Songs gerne eine sehr bluesige Note.
04.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Pfeiff

Meyenburg. Seit den Neunzigerjahren steht der Berliner Musiker Marceese Trabus, der sich vor gut einem Jahr das Pseudonym „Baby Kreuzberg“ zulegte, regelmäßig als Rockmusiker auf der Bühne. Im Jahr 2009 begann er zudem eine Solokarriere und verleiht seinen Songs gerne eine sehr bluesige Note. Einen Auftritt wie am Freitagvormittag dürfte der Bühnenroutinier dennoch bislang nicht so häufig erlebt haben.

Mehr als 200 Zuhörer kennen jeden Text auswendig, singen lautstark mit und haben zu seinen Liedern teilweise sogar bereits kleine Choreografien eingeübt. Dabei sind sie so ziemlich die einzigen, welche die hier gespielten Lieder überhaupt bereits kennen. Und: Sie sind ziemlich geschlossen noch weit von der Volljährigkeit entfernt. Kurzum: Die Meyenburger Grundschüler sind die ersten, die das neue, spezielle Kinderprogramm von „Baby Kreuzberg“ live erleben.

Einen nicht eben unbeträchtlichen Anteil an diesem Umstand trägt Patrick Fechner mit seiner Konzertagentur „Emotional Zone“: „Ich versuche, jeden Künstler, den ich für einen Auftritt in der Umgebung buche, auch zu einem Auftritt in der Grundschule zu bewegen“, erklärt Fechner, der freundschaftlich mit der Schulleiterin Ulrike Walter verbunden ist.

Diese hält Pop- und Rockmusik in vielerlei Hinsicht für ein probates didaktisches Medium: „Die Beschäftigung mit Rhythmik fördert beispielsweise mathematisches Verständnis, Liedtexte sensibilisieren für Sprache“. Nicht selten würden Musikerauftritte in der Schule zudem Schüler und Kindergartenkinder motivieren, selbst ein Instrument zu erlernen, sich mit Melodieführung und Harmonien zu befassen.

Entsprechend sind Grundschulkonzerte dieser Art keine Seltenheit in Meyenburg. Unter anderen durfte sich in der Vergangenheit auch Matthias Monka bei der Konzertaufführung seines Kindermusicals „Lulu und Ravin“ bereits von der Textsicherheit und Begeisterungsfähigkeit der Meyenburger Grundschüler überzeugen.

Für „Baby Kreuzberg“ ist es hingegen eine relativ spontane Premiere: „Ich bin selbst Vater zweier Töchter im Grundschulalter und klimpere hin und wieder mit diesen auf der Gitarre, wodurch auch das eine oder andere Kinderlied entstanden ist.“ Als er Fechner hiervon im Dezember des Vorjahres erzählte, erwischte ihn dessen Replik jedoch etwas unerwartet: „Prima, dann schickst Du uns eine CD, damit wir schon mal die Texte üben können. Denn du spielst vormittags vor deinem abendlichen Auftritt im ,Belissima‘ auch noch ein Konzert in der Grundschule“, verordnete der Konzertorganisator.

Eine CD mit seinen Kinderliedern – dieser Gedanke war Trabus alias „Baby Kreuzberg“ bis dahin noch gar nicht gekommen. Im Eilverfahren wurden also noch ein paar Lieder in diese Richtung komponiert, im Heimstudio eingespielt und das Ergebnis flugs nach Meyenburg versandt, wo sich die Kinder – wie bei Konzerten in der Grundschule üblich – im Musikunterricht mit den Liedern und Texten beschäftigten.

Ein Umstand, der dem Künstler zugutekam: Um etwaige Texthänger brauchte sich Trabus so keine Sorgen zu machen, während er seine speziellen Kinderkompositionen erstmals vor Publikum vortrug. Im Zweifelsfall soufflierten ihm stets ein paar Dutzend Zuhörer lautstark, wenn sich doch einmal ein Texthänger in den Vortrag einschlich.

Sein „Läuseblues“ entwickelte sich bei den jungen Zuhörern ebenso zu einem Lieblingslied wie der zu Halbplayback aus dem Laptop vorgetragene Dancehall-Ragga „Veggiemonks“. Teilweise übertönten die jungen Zuhörer mit ihrem Gesang sogar die kleine Verstärkeranlage zur Gänze.

Nachdem er durch Fechner mehr oder minder vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, will Trabus diesen Weg nun weiter verfolgen. Trabus war im Übrigen bis 2015 noch unter seinem Vornamen Marceese unterwegs. Er wählte sein neues Pseudonym aufgrund der Erkenntnis, „dass, egal wohin ich kam, niemand wusste, wie man meinen Vornamen richtig ausspricht“. Neben seinen Aktivitäten im Rock- und Bluesbereich sollen nun künftig auch seine Kinderlieder in absehbarer Zeit noch einmal in einem professionellen Tonstudio aufgenommen und als reguläre CD im Handel erhältlich sein.

Am Abend begab sich „Baby Kreuzberg“ bei seinem Auftritt im Eiscafé „Bellissima“ hingegen wieder auf vertrautes musikalisches Terrain. Dabei entlockte er seiner Gitarre bluesige und rockige Klänge zu Texten in englischer Sprache, die anstatt von Schneemännern, Gemüsefarben und Kopfläusen wieder von gebrochenen Herzen, unendlich scheinenden Reisen und weiteren klassischen Blues- und Rockthemen handeln.

„Ich versuche jeden Künstler zu einem Auftritt in der Schule zu bewegen.“ Patrick Fechner, Konzertagent
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