Staatsrätin für Arbeit

Jobcenter-Chefin wechselt in Bremer Wirtschaftsbehörde

Susanne Ahlers wird neue Staatsrätin für Arbeit. Dies bestätigte die designierte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) dem WESER-KURIER.
26.07.2019, 12:31
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Jobcenter-Chefin wechselt in Bremer Wirtschaftsbehörde
Von Carolin Henkenberens
Jobcenter-Chefin wechselt in Bremer Wirtschaftsbehörde

Susanne Ahlers wird die neue Staatsrätin für Arbeit im Wirtschaftsressort.

Christina Kuhaupt

Jobcenter-Chefin Susanne Ahlers wechselt als Staatsrätin für Arbeit in die senatorische Behörde für Wirtschaft und Arbeit. Dies bestätigte die künftige Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) dem WESER-KURIER. „Das ist eine großartige Personalie, über die ich mich wahnsinnig freue“, sagte Vogt. „Sie kennt sich exzellent aus.“

Susanne Ahlers arbeitet seit April 2016 als Geschäftsführerin des Bremer Jobcenters, einer der größten Behörden Bremens mit etwa 1000 Mitarbeitern, die sich um die Bezieherinnen und Bezieher von Hartz-IV kümmert. Mit Ahlers hat Kristina Vogt eine Frau für sich gewonnen, die auf Erfahrung in ihrer künftigen Rolle zurückblickt: Von 2002 bis 2006 war Ahlers Staatssekretärin für Arbeit und Frauen in der rot-roten Regierung unter Klaus Wowereit (SPD) in Berlin. Ihr damaliger Chef, der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, war Gregor Gysi (Linke). Ein Parteibuch besitzt Ahlers aber nicht.

Lesen Sie auch

Die gebürtige Osterholz-Scharmbeckerin ist Jahrgang 1959 und war Erzieherin, bevor sie Politikwissenschaften in Bremen studierte. Von 1995 bis 1997 arbeitete sie bei einer Abgeordneten im Bonner Bundestag, bis 2000 war sie Referentin im Arbeitsministerium in Kiel und von 2001 bis 2002 Frauenbeauftragte in Wiesbaden. Vor ihrer Tätigkeit in Bremen arbeitete sie in Berlin als Coach.

„Ich freue mich, dass ich die Chance habe, die Arbeitsmarktpolitik mit zu gestalten auf einer anderen Ebene als bisher", sagte Susanne Ahlers. Die künftige Senatorin Kristina Vogt möchte in ihrer Behörde die Verzahnung von Wirtschaft und Arbeit voranbringen. Zudem plant sie, nichtakademische Berufe, Ausbildungen, mittelständische und kleine Unternehmen zu stärken.

Situation für die Menschen verbessern

"Ich möchte dazu beitragen, mehr Teilhabemöglichkeiten zu schaffen und die Situation für Menschen zu verbessern, die sich weiterqualifizieren wollen oder die keine Arbeit haben", sagte Ahlers. Sie findet die Überlegung gut, vermehrt in die Stadtteile zu gehen und dort städtisch finanzierte Anlaufstellen zu schaffen, zu denen jeder gehen und sich beraten lassen kann – nicht nur Kunden des Jobcenters.

Dass sie Staatssekretärin in Berlin gewesen ist, sieht Ahlers gar nicht als ihren größten Vorteil. Vielmehr glaubt sie, dass ihr die Erfahrung als Bremer Jobcenter-Geschäftsführerin bei ihrer neuen Tätigkeit helfen wird. "Da habe ich ja schon eng mit dem Arbeitsressort zusammengearbeitet", sagt sie.

Lesen Sie auch

Doch wie geht es jetzt weiter in der Behörde, die immerhin für 55.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte zuständig ist, darunter allein 11.000 Langzeitarbeitslose? Die oberste Führungsebene im Jobcenter sei am Freitag von ihr über ihren Wechsel informiert worden, sagte Ahlers. Bis Ende August wolle sie im Jobcenter bleiben, um einen Übergang zu ermöglichen. Möglichst am 1. September möchte sie in der Wirtschaftsbehörde ihre Arbeit aufnehmen. Ihre Nachfolge werde zunächst ihr erster Stellvertreter Thorsten Spinn übernehmen. Zudem gebe es noch eine weitere Stellvertreterin, Anja Fricke. Ihre Stelle müsse aber ausgeschrieben werden.

Personalsuche noch nicht abgeschlossen

Mit Susanne Ahlers hat Kristina Vogt die erste Personalie in ihrem Ressort geklärt. Doch es ist noch unklar, wer Wirtschaftsstaatsrätin oder -rat wird. Vogt gibt zu, dass die Suche eine "Herausforderung" ist, weil die Linken als neue Regierungspartei natürlich nicht, wie SPD und Grüne, aus der Verwaltung abschöpfen könnten. Außerdem wolle sie die Fraktion, die in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet hat, jetzt nicht blank ziehen. Sie suche jemanden für den Posten des Wirtschaftsstaatsrates, mit dem sie persönlich gut und sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten kann und der oder die zudem gewisse Anforderungen erfüllt. Dazu zählten eine gewisse Vernetzung im Bereich Wirtschaft und Erfahrung in Sachen Verhandlung. Mehr wollte die designierte Senatorin zu diesem Zeitpunkt nicht über den Stand der Personalsuche sagen.

Vogts Parteikollegin Claudia Bernhard, künftige Senatorin für Gesundheit und Frauen, ist ebenfalls noch auf der Suche nach einem Staatsrat oder einer Staatsrätin. Sie hoffe, dass die Personalie Anfang August verkündet werden kann. Personelle Veränderungen gibt es – trotz gleichbleibender Senatorin – im Hause von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). Frank Pietrzok (SPD) wird in der kommenden Legislatur nicht mehr Staatsrat für Bildung sein. Angaben über mögliche Kandidaten für den Posten wollte Vivien Barlen, persönliche Referentin der Senatorin, nicht machen. Bis zur Senatswahl am 15. August werde ein Nachfolger von Pietrzok feststehen.

Lesen Sie auch

Schon zuvor bekannt geworden waren folgende Personalien: Thomas Ehmcke, bislang Staatsrat in der Innenbehörde, wird neuer Chef der Senatskanzlei. Sein Nachfolger wird der bisherige Geschäftsführer der SPD-Bürgerschaftsfraktion Olaf Bull. Im neu geschaffenen Ressort für Häfen, Wissenschaft und Justiz werden SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe und Tim Cordßen, Sprecher des Wirtschaftssenators, Staatsräte.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+