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Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“ bemängelt unter anderem 48-Stunden-Regelung Jobcenter-Leiterin geht auf Kritik ein

Bahnhofsvorstadt. „Es ist ein Dilemma: Wenn wir mehr zahlen, gehen auch die Mieten hoch“, sagt Susanne Ahlers, die Leiterin des Jobcenters. Mitunter würden die Mietverträge den Höchstsätzen entsprechend erhöht.
16.01.2017, 00:00 Uhr
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Von Matthias Holthaus

Bahnhofsvorstadt. „Es ist ein Dilemma: Wenn wir mehr zahlen, gehen auch die Mieten hoch“, sagt Susanne Ahlers, die Leiterin des Jobcenters. Mitunter würden die Mietverträge den Höchstsätzen entsprechend erhöht. „Wir versuchen aber, eine Lösung zu finden.“

Das „Bremer Aktionsbündnis Menschenrecht auf Wohnen“ hatte die Jobcenter-Chefin zu einem Informations- und Gedankenaustausch in das Konsul-Hackfeld-Haus in die Birkenstraße in der Bahnhofsvorstadt geladen. Susanne Albers stellte sich im Verlauf der Diskussion den Fragen, vor allem aber dem Unmut der mehr als 20 Angehörigen des Aktionsbündnisses.

Insbesondere die sogenannte 48-Stunden-Regelung stößt bei den Betroffenen auf harsche Kritik: Der Hilfesuchende ruft bei Problemen, Fragen und anderen Anliegen ein zentrales Call-Center des Jobcenters an, wo er seine Rufnummer hinterlegt. Innerhalb von 48 Stunden sollte der zuständige Sachbearbeiter zurückrufen. Diese Frist, besonders bei Fragen der Mietübernahme, ist nach Ansicht des Aktionsbündnisses zu lang, denn oftmals sind die Wohnungen dann bereits anderweitig vergeben.

Außerdem kritisiert das Bündnis, dass Mitarbeiter des Jobcenters mitunter Kostenübernahmen ablehnen, obwohl die Miete im Rahmen der Vorgaben liege. „Das produziert Obdachlosigkeit“, sagte ein Betroffener, „ich kenne vier Leute, die abgelehnt wurden, obwohl die Kosten im Rahmen lagen.“

Für Streetworker Jonas Pot d'Or ist ebenfalls klar, dass eine Regelung gefunden werden muss: „Das Jobcenter soll eine Stelle einrichten, wohin sich die Hilfesuchenden an fünf Tagen die Woche wenden können und wo deren Wohnungsangebot sofort geprüft wird“, forderte er in der Runde. Außerdem würde er sich eine Kommission wünschen, bestehend aus Baubehörde, Sozialbehörde, Wohnungsbaugesellschaften und Jobcenter, „um zu sehen, dass sich etwas tut und dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird“.

Anregungen, die Susanne Ahlers nachvollziehbar findet. „Ich nehme die Idee von Jonas Pot d'Or gerne mit und werde sehen, ob Mietangebote schneller bearbeitet werden können“, sagte sie, schränkte aber ein: „Wir müssen jedoch jeden Einzelfall prüfen.“ Auch ein Runder Tisch sei sinnvoll und neue Richtlinien wünschenswert, aber: „Wir müssen uns an die alten Richtlinien halten. Wir sind verpflichtet, uns an die Vorgaben der Kommune zu halten, wir können nicht selbst entscheiden.“ Die Jobcenter-Chefin stellte gleichzeitig klar: „Es ist unser Interesse, dass die Leute angemessenen Wohnraum haben. Ohne geht es nicht.“

Joachim Barloschky, der Sprecher des Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen, fordert schon seit Längerem, dass die Obergrenzen für die Mietübernahme den realen Bedingungen angepasst werden. An Susanne Ahlers gerichtet, sagte er: „Wenn Sie vielleicht mal mit Entscheidungsträgern zusammensitzen sollten, fragen Sie die doch mal: Könnt ihr mal ein wenig mehr Butter bei die Fische machen?“

Insgesamt haben Vertreter des Bündnisses das Gefühl, dass die Behörden und die Wohnungsbaugesellschaften nicht genug dafür sorgen, neuen Wohnraum zu schaffen. „Ich hätte nie gedacht, dass wir uns fünf Jahre engagieren müssen, und doch hat sich die Situation seitdem nicht verbessert“, sagte dazu ein Angehöriger des Aktionsbündnisses.

Susanne Ahlers ist bereit, die Anregungen und die Kritik des Aktionsbündnisses mitzunehmen, und verweist dabei auch auf das „Kundenreaktionsmanagement“ des Jobcenters, wo eigene Anliegen, Kritik oder Beschwerden vorgebracht werden können: „Machen Sie es konkret, mit Ross und Reiter, nur dann können wir es nachvollziehen. Sonst können wir dem nicht nachgehen.“

Joachim Barloschky verdeutlichte noch einmal die Gefühlslage der Betroffenen: „Es wäre schön, wenn ein Klima herrschen würde, dass die Menschen nicht mehr einen Horror haben, zum Jobcenter zu gehen. Und dass sie wüssten, dass jemand da ist, um ihnen zu helfen.“ Für den Sprecher des Aktionsbündnisses steht fest: „Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum, das ist das Kernproblem in dieser Stadt!“

Das nächste Treffen des „Bremer Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen“ ist für Montag, 6. Februar, um 17 Uhr im Konsul-Hackfeld-Haus an der Birkenstraße geplant.

„Es ist unser Interesse, dass die Leute angemessenen Wohnraum haben.“ Susanne Ahlers
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