Projekt 'European Eat Art' Jugendliche kochen EU-Gerichte für politische Vertreter

Vegesack. 20 Jugendliche bewährten sich drei Stunden lang in der Großküche des Bürgerhauses. Ergebnis: Lukullische Köstlichkeiten vom Leberkäse auf Laugenpraline bis hin zu Garnelenspießen, die den geladenen politischen Vertretern mit Wünschen und Forderungen serviert wurden.
30.01.2010, 06:31
Lesedauer: 3 Min
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Von Iris Messerschmidt

Vegesack. Manchmal geht eben nicht nur die 'Liebe' durch den Magen - das zeigte sich jetzt im Bürgerhaus. 20 Jugendliche bewährten sich drei Stunden lang in der Großküche. Ergebnis: Lukullische Köstlichkeiten vom Leberkäse auf Laugenpraline bis hin zu Garnelenspießen, die den geladenen politischen Vertretern mit Wünschen und Forderungen serviert wurden. Dafür gab es eine Gegeneinladung: In den Sozialausschuss.

'European Eat Art' heißt das von der EU geförderte Projekt, das erstmals im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Kooperation des Bremer Jugendrings, der Akademie Überlingen, den Jugendclubs Lilas Pause und Haven Höövt, der AWO Bremen und dem Kulturbüro Bremen-Nord veranstaltet wurde.

'Eine rundum gelungene Sache', befand am Ende nicht nur Organisatorin Angela Ruess vom Bremer Jugendring. Für den Staatlich geprüften Lebensmitteltechniker und Ausbilder im Küchenbereich, Stephan Suhrkamp, waren die Küchenstunden mit den Jugendlichen: 'Sehr anstrengend, aber Erfolg versprechend.'

Die Wärme, der Dampf, die Hektik, die die Jugendlichen auf engstem Raum beim Umgang mit riesiger Kipppfanne, Töpfen so groß wie Papierkörben oder Profi-Backofen über Stunden begleitete, erlebten die Politiker nicht.

Dafür präsentierten sich ihnen die Endergebnisse. Elf Gerichte aus elf Nationen, darunter beispielsweise gefüllte Weinblätter mit Hackfleisch aus Griechenland, Huhn in Pflaumensauce aus den Niederlanden, Flaounes aus Zypern oder Lachs-Gurkenroulade mit Meerrettichsahne aus Schweden. 'Sehr geeignet, um sich eine größere Konfektionsgröße zuzulegen', meinte Heiko Dornstedt zu den 'extrem leckeren' Köstlichkeiten.

Neben dem Vegesacker Ortsamtsleiter waren auch Ulrike Hiller, Inga Nitz, Maike Schaefer, Iris Spiegelhalter-Jürgens, Manfred Wemken, Thomas Pörschke sowie Boxtrainer Marco Gevatter und der dreifache Box-Weltmeister Markus Beyer zum Essen geladen. 'Vieles war bekannt, doch es gab auch einiges, das neu war', lautete Dornstedts Fazit. Das bezog sich am Ende der Veranstaltung nicht nur auf das Essen.

An verschiedenen Tischen hatten sich nämlich die geladenen Gäste und Jugendlichen in bunter Reihe zusammengesetzt, um beim gemeinsamen Genießen über Ideen und Ansichten, über EU-Politik und regionale Umsetzungsmöglichkeiten zu diskutieren. 'Manche Wünsche der Jugendlichen an den Stadtteil Vegesack sind nicht neu', weiß Heiko Dornstedt. Bezahlbare Freizeitmöglichkeiten wie Kino, Bowling oder Disco werden auch immer wieder im Kinder- und Jugendforum diskutiert.

'Es gab allerdings auch Wünsche und Forderungen, von denen hatte ich in dieser Form noch nie etwas gehört, geschweige denn, von Problemen geahnt.' Dazu gehörte beispielsweise ein Raum für muslimische Mädchen, 'in dem sie ohne Beobachtung durch andere Sport treiben können.'

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Jugendlichen war die Beratung bei der Bagis: 'Die sollte jugendgerechter werden, sich auf die besonderen Problemlagen jugendlicher Arbeitsloser einstellen.' Ein eigens dafür eingesetzter 'Jugendberater' wurde von den Jugendlichen gewünscht.

Die Fragen, beziehungsweise Forderungen an die Politik hatten die Jugendlichen schriftlich festgehalten. Da gab es so manchen Punkt, über den besonders gut nachgedacht werden sollte, beispielsweise: 'Vorurteile gegenüber gewissen Wohnquartieren, zum Beispiel Grohner Dühne, abbauen. Adressen oder Lebensumfeld dürfen sich nicht negativ bei der Lehrstellen- oder Arbeitsplatzsuche auswirken.' Allgemein war überhaupt der Abbau von Vorurteilen ein großes Thema.

'Wir werden die einzelnen Themengespräche an den Tischen jetzt auswerten', erläuterte Angela Ruess. Erste Erfolge sind allerdings schon jetzt sichtbar. Heiko Dornstedt versprach, die Jugendlichen zur nächsten Sozialausschuss-Sitzung einzuladen, 'damit gemeinsam mit den allen politischen Vertretern über mögliche regionale Umsetzungen gesprochen werden kann.'

Bürgerschaftsabgeordnete Maike Schaefer möchte den gelungenen Abend weiter fortsetzen. Laut Angela Ruess sei dabei ein fleischloser Abend angedacht: 'Sozusagen ein ,grünes Essen? mit Jugendlichen und Jens Böhrnsen.'

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