Juniorwahl 2013

Jugendliche üben Bundestagswahl

Altstadt. Bei der Bundestagswahl sind 15 und 16 Jährige noch nicht stimmberechtigt. Sie konnten aber schon mal üben und mit Lokalpolitikern diskutieren – bei der Juniorwahl 2013 in der St.-Johannis-Schule.
19.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann
Jugendliche üben Bundestagswahl

Wahlzettel wie bei der richtigen Bundestagswahl: Daniela Brandt aus Schwachhausen (von links) sowie Helke Friede, Rebecca Reinicke und Chira Reitze (alle aus der Neustadt) beteiligten sich an der Juniorwahl 2013. FOTOS: ROLAND SCHEITZ

Roland Scheitz

Bei der Bundestagswahl sind 15- und 16-jährige Jugendliche noch nicht stimmberechtigt. Sie konnten aber schon mal üben – bei der Juniorwahl 2013 in der St.-Johannis-Schule. Beim Speed-Dating beantworteten fünf Bremer Politikerinnen und Politiker die Fragen der teilnehmenden Jugendlichen. Anschließend folgte der Wahlgang. Die Jugendlichen machten ihre Kreuze auf Stimmzetteln – wie bei der richtigen Bundestagswahl.

Am Sonntag wird der neue Bundestag gewählt. Bremer Jugendliche, die noch nicht wahlberechtigt sind, konnten bei der Juniorwahl 2013 schon mal üben. In der St.-Johannis-Schule hatten sie die Möglichkeit, in einem Wahllokal abzustimmen, nachdem sie bei einem sogenannten Speed-Dating den Vertretern der wichtigsten Parteien richtig auf den Zahn gefühlt hatten.

Bevor die Schüler an die Wahlurnen schritten, konnten sie jeweils für 20 Minuten mit den Politikern ins Gespräch kommen. Möglich gemacht hatte das Speed-Dating der Bund der Katholischen Jugend Bremen (BDKJ) und das Katholische Jugendbüro Bremen (KJB). Und um es vorwegzunehmen: Das Endergebnis, das um 18 Uhr verkündet wurde, war denkbar knapp.

Sehr ernst nahmen die Wahl die Freundinnen Daniela, Helke, Rebecca und Chira. So meinte Helke Friede aus der Neustadt: „Es ist, als ob man dazugehört, als ob wir erwachsen wären.“ Sie habe das Gefühl, dass man sich tatsächlich für ihre Meinung interessiere. Bei Daniela Brandt (16) aus Schwachhausen war von Politikverdrossenheit (noch) keine Spur zu bemerken. „Wir würden wählen gehen, wenn wir dürften; ich jedenfalls würde immer wählen gehen.“ Helke hätte sich allerdings mehr Zeit mit den Politikern gewünscht. Chira Reitze (16) aus der Neustadt pflichtete ihr bei. „Ich hätte gerne mehr Parteien gesehen und mit den Politikern gesprochen, wir waren jetzt bei zwei Politikern und hätten eigentlich gerne alle gesehen.“

Die Mädchen hatten die Politiker zu Themen befragt, die die Schülerinnen direkt betreffen. „Zum Turbo-Abitur, zum Bildungssystem und zur Umwelt waren unsere hauptsächlichen Fragen, die wir beantwortet haben wollten“, sagte Helke Friede. „Mich hat aber geärgert, dass ich viel darüber gehört habe, dass etwas geändert werden soll, aber oft keine Lösungsvorschläge dazu präsentiert werden.“

Mit Elisabeth Motschmann (CDU) und Torsten Staffeldt (FDP) gesprochen hatten Julia Huster (16) aus Huckelriede und Sara Stanisz (16) aus Kattenturm. „Wir haben besonders zum Mindestlohn und zur Bildungspolitik etwas gehört, aber auch zu den erneuerbaren Energien“, sagten die beiden Schülerinnen. „Ich finde, sie haben die Fragen gut erklärt und beantwortet“, erklärte Julia, die der Meinung ist, dass jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch machen sollte. „Wenn man das Recht hat, dann sollte man es auch nutzen.“ Man solle nicht hinterher über das Ergebnis meckern, wenn man seine Stimme nicht abgegeben habe, ergänzte Sara Stanisz.

„Wir kommen gerne in die Schulen“

Oft wird behauptet, die Politiker interessierten sich nur in Wahlkampfzeiten für die Schulen. Ein Vorwurf, den in seltener Einigkeit Marie-Luise Beck (Die Grünen) und Elisabeth Motschmann (CDU) so nicht stehen lassen wollten. „Wir würden auch in Nicht-Wahlkampfzeiten in die Schulen gehen, leider werden wir nur wenig angesprochen“, sagte Elisabeth Motschmann. „Vielleicht haben die Schulen Angst vor Parteipolitik in der Schule, aber wenn wir gefragt würden, würden wir auch kommen“, betonte Marie-Luise Beck.

Andre Hajmassy (17) aus der Neustadt interessierte sich vor allem für die Standpunkte der Piraten und der SPD. Während für die SPD Falk Wagner, Landesvorsitzender der Jungsozialisten (Jusos), Rede und Antwort stand, vertrat Marvin Pollock die Piratenpartei. Beide Politiker überzeugten Andre Hajmassy mit ihren Antworten. „Ich fand es schlüssig, was ich gehört habe. Mir war vor allem wichtig, was die Parteienvertreter zu lokalen Problemen wie der Bildung zu sagen haben.“

Stefanie Schmidt, Dekanatsjugendreferentin, war mit der Resonanz zufrieden. „Es hat unsere Erwartungen übertroffen. Politiker und Jugendliche haben sich gut darauf eingelassen. Die Jugendlichen waren gut vorbereitet und haben viele Fragen gestellt.“ Es sei nicht Ziel gewesen, Wahlwerbung für die Parteien zu machen, sondern die Politiker als greifbare Menschen darzustellen. „Hier konnten die Schüler Politik mit Haut und Haaren erleben und mitmachen“, sagte Stefanie Schmidt.

Die offizielle Auszählung ergab am Abend folgendes Wahlergebnis: Die meisten Erststimmen bekam Falk Wagner von der SPD mit 93 Stimmen, denkbar knapp gefolgt von Elisabeth Motschmann von der CDU mit 91 Stimmen. 75 Stimmen entfielen auf Marie-Luise Beck. Für Klaus Rainer Rupp (Die Linken), Torsten Staffeldt (FDP) und Marvin Pollock von den Piraten stimmten 25, 20 beziehungsweise 16 Schüler.

Einen engen Dreikampf bei den Zweitstimmen lieferten sich CDU (27 Prozent), SPD (25) und Grüne (24). Die Piraten holten neun Prozent der Stimmen. FDP und die Linken folgten mit sieben beziehungsweise fünf Prozent.

Nähere Informationen zur Juniorwahl im Internet unter www.juniorwahl.de

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