200 Schülerinnen und Schüler besuchen Ideenmarkt in der Uni / Robert-Bosch-Stiftung fördert das Projekt Jugendliche werden Stadtforscher

Bremen. Junge Leute sollen sich mit stadtbezogenen Themen auseinandersetzen: Das ist der Ansatz des neuen Projekts "Bremer Stadtforscher". Es erstreckt sich über die Schulfächer Politik, Geschichte und Geografie. In der Universität lief jetzt die Auftaktveranstaltung dieses Kooperationsprojekts von Uni und Schulen.
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Von Sandy Bradtke

Bremen. Junge Leute sollen sich mit stadtbezogenen Themen auseinandersetzen: Das ist der Ansatz des neuen Projekts "Bremer Stadtforscher". Es erstreckt sich über die Schulfächer Politik, Geschichte und Geografie. In der Universität lief jetzt die Auftaktveranstaltung dieses Kooperationsprojekts von Uni und Schulen.

Rund 200 Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 9 bis 12 vom Gymnasium Horn, der Oberschulen Wilhelm Focke, Ronzelenstraße und Findorff, der Oberstufe Leibnizplatz/Delmestraße, der St.-Johannis-Schule und des Gymnasiums an der Hamburger Straße holten sich bei Ausstellern von insgesamt 16 Bremer Einrichtungen Anregungen für ihre Projektthemen.

Weil die Jugendlichen ihre Themen selbst aussuchen und entscheiden können, mit wem oder welcher Institution sie für ihr Forschungsvorhaben in Kontakt treten wollen, war der Markt der Ideen vor allem eines: eine Inspirationsquelle für die Erschließung möglicher Forschungsfelder.

Spurensuche

Das Team des neuen interaktiven Internetportals "Spurensuche" des Vereins "Erinnern für die Zukunft" stellte auf dem Ideenmarkt in der Uni seine Internetseite www.spurensuche-bremen.de erneut vor. Informationen aus der Zeit des Nationalsozialismus werden auf dieser Website zusammengeführt.

Die "Spurensuche" ist, wie im Stadtteil-Kurier berichtet, auf die Zeitspanne von 1933 bis 1945 in der Stadtgemeinde Bremen beschränkt und soll auch dokumentieren, wie sich demokratische Kräfte gegen Nazi-Organisationen eingesetzt haben. Vor allem Schulklassen und Jugendgruppen sollen sich von der Website zu gemeinsamer und eigenverantwortlicher Recherche angeregt fühlen.

"Von meinen Schülern soll sich jeder erst einmal zwei Aussteller heraussuchen und genauer erkunden", sagte Arno Armgort, Lehrer von der Gymnasialen Oberstufe Leibnizplatz in der Delmestraße (LGO). Später werden die Ergebnisse dann im Unterricht vorgestellt. Die eigentliche Projektarbeit beginne erst später, so Armgort: "Erst nachdem die Themen gefunden sind und sich Gruppen gebildet haben, geht es richtig los."

Der 17-jährige Yuri deMelo und der ein Jahr ältere Sören Bockhoop aus der 12. Klasse der LGO haben sich am Stand des Focke-Museums umgesehen. Die derzeitige Sonderausstellung "Bremen 1945 bis 2010. Soviel Wandel war nie" soll ihnen Anregungen für eigene Projekte geben. "Es ist schon sehr interessant zu sehen, wie sich Bremen entwickelt hat", findet Yuri deMelo. Die Trümmerfotos der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hansestadt faszinieren Sören Bockhoop besonders: "Geschichte finde ich total interessant. Wenn ich in Bremen herumlaufe und an die Trümmerfotos denke, ist das schon beeindruckend." Zuvor haben die beiden Klassenkameraden den Ausstellungsstand des Landesfilmarchivs erkundet. "Das Filmarchiv hat alte Filmrollen von Bremer Bürgern gesammelt und diese digitalisiert", hat Sören Bockhoop dabei erfahren.

Beim Stand der Jugendbildungsstätte Lidice-Haus konnten die Schüler ihre Demokratiekompetenz testen. Viele staunten, was es auf diesem Gebiet alles zu durchleuchten gibt. Was macht es aus, wenn man sich in die Gesellschaft einmischt und welchen Gewinn kann man daraus für sich ziehen? Und wie sehen die Strukturen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aus? Das waren nur einige der Denkanstöße, die das Team des Lidice-Hauses den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg gab.

"Zukunft gemeinsam gestalten"

Die Idee für das Stadtforscherprojekt stammt vom Zentrum für die Didaktiken der Sozialwissenschaften an der Uni und wird von der Denkwerk-Initiative der Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Bei der Projektpartnerschaft arbeiten Wissenschaftler, Lehrer und Schüler intensiv zusammen. Den Jugendlichen und den Pädagogen soll ein Einblick in die aktuelle geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung ermöglicht werden.

Außerdem sollen die Jugendlichen Fragestellungen und Methoden bei der Auseinandersetzung mit ihren Themen erlernen. Das Stadtforscherprojekt steht unter dem Motto: "Zukunft gemeinsam gestalten". "Forschen ist immer eine geplante Suche von neuen Erkenntnissen. Und ohne diese Erkenntnisse ist eine Mitwirkung und ein Mitgestalten nicht möglich", sagt Andreas Klee vom Lehrstuhl für Politische Bildung der Universität Bremen.

Nach der Vorbereitungsphase für die Projektarbeit, die noch bis Februar dauern wird, werden Lehramtsstudierende der Universität Bremen die Lehrkräfte in den Schulklassen unterstützen und beispielsweise methodische Hinweise zur Recherche und Themenbearbeitung geben. "Das ist auch immer eine Gratwanderung zwischen Helfen und Beeinflussen", sagt Andreas Klee. Im Idealfall machten die Schüler alles alleine.

Auf einem Projektforscherkongress im Juni 2011 sollen die Jugendlichen ihre Forschungsergebnisse veröffentlichen und vorstellen.

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