Nur zwei Abgeordnete unter 40

Junge Union fordert Jugendquote für Bremer CDU-Fraktion

Die Junge Union will die Bremer CDU-Bürgerschaftsfraktion deutlich jünger machen. Bei der nächsten Wahl soll jeder dritte Listenplatz an einen unter 40-Jährigen gehen.
09.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Junge Union fordert Jugendquote für Bremer CDU-Fraktion
Von Frank Hethey
Junge Union fordert Jugendquote für Bremer CDU-Fraktion

Die Jüngeren sollen in der CDU-Bürgerschaftsfraktion mehr Gewicht bekommen. Einen entsprechenden Antrag stellte die Junge Union beim Landesparteitag. Hier gibt Lisa Petermann von der Jungen Union Bremen-Nord ihre Stimme ab.

Mohssen Assanimoghaddam /dpa

Ziemlich alt sieht die Bürgerschaftsfraktion der CDU nach Ansicht der Jungen Union (JU) aus. Und zwar im buchstäblichen Sinne: Nur zwei der 24 Abgeordneten seien unter 40 Jahre, moniert der Bremer JU-Landesverband, unter 30 sei überhaupt keiner. Das entspreche gerade einmal einem Anteil von gut acht Prozent, obwohl der Bevölkerungsanteil bei 43 Prozent liege. Damit seien die unter 40-Jährigen im Vergleich zu ihrem Anteil an der Bevölkerung noch schlechter repräsentiert als Frauen. Helfen könne nur eine „radikale Verjüngung“ der Fraktion, fordert die Parteijugend. Die JU weiß auch schon, wie das funktionieren könnte: mit einer Jugendquote. Mindestens jeder dritte Platz auf der Kandidatenliste für die nächste Bürgerschaftswahl in drei Jahren sollte mit einer Person unter 40 Jahre besetzt werden.

Was die JU beim Landesparteitag der CDU vorbrachte, entbehrt nicht einer gewissen Brisanz. Immerhin sprach sich JU-Landesvorsitzende Wiebke Winter praktisch im gleichen Atemzug vehement gegen eine Frauenquote aus. Die Forderung nach einer Jugendquote klinge auf den ersten Blick „sehr paradox“, räumte die 24-Jährige ein. Grundsätzlich sei die JU zwar gegen Quoten. Auf Landes- und Bundesebene zeichne sich in der Partei aber ein gegenläufiger Trend ab. Deshalb könne die Konsequenz nur lauten: „Wenn wir den Weg mit Quoten gehen wollen, dann ist es nur folgerichtig, auch eine Jugendquote zu verabschieden.“ Frei nach dem Motto: Wer a sagt, müsse auch b sagen.

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Nicht nur in eigener Sache sieht die JU dringenden Handlungsbedarf. „Junge Menschen sind in der aktuellen Bürgerschaft stark unterrepräsentiert“, sagt Maximilian Neumeyer, Schatzmeister der JU Bremen. Natürlich habe man keinen Einfluss auf die Kandidatenkür der anderen Parteien. Gleichwohl ist der 31-Jährige überzeugt, der JU-Vorstoß könne auch Vorbildfunktion für den politischen Gegner haben. Neumeyer spricht von einem „guten Angebot“ für junge Menschen.

Bei den Jungsozialisten (Jusos) stößt dieses gute Angebot allerdings auf wenig Gegenliebe. Als „nicht besonders sinnvoll“ bezeichnet es Landeschef Sebastian Schmugler. Es komme auf die Kompetenz an, nicht auf das Alter. „Jugend ist vergänglich“ lautet sein unbarmherziges Verdikt. Wenn man einen jungen Parlamentarier wähle, werde damit dessen Jungsein schließlich nicht konserviert. In Zugzwang sieht Schmugler die SPD-Fraktion ohnedies nicht, mit Janina Brünjes (24 Jahre) und Falk Wagner (31 Jahre) seien zwei junge Abgeordnete in der Bürgerschaft vertreten. Anders beurteilt Schmugler die Frauenquote. „Die halten wir für sinnvoll.“ Der Grund: Im Gegensatz zur Jugend bleibe das weibliche Geschlecht erhalten.

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Als „ziemlich gut“ betrachtet es Stina Reichardt, Landesvorstandssprecherin der Grünen Jugend Bremen, wenn junge Leute ins Parlament einziehen. Gleichwohl sieht sie keinen Grund, den JU-Vorschlag umzusetzen. Denn: „Wir haben selber eine Art Jugendquote in der Liste für die Bürgerschaft.“ Der fünfte und sechste Listenplatz seien für Menschen unter 28 Jahren reserviert, der Altersgrenze für die grüne Jugend. Was aus ihrer Sicht aber nicht bedeutet, dass es damit getan ist. „Wir versuchen natürlich, so viele junge Menschen wie möglich zu mobilisieren – aber mindestens zwei für die Bürgerschaft.“ Was Linksjugend und Junge Liberale (Julis) von der Jugendquote halten, bleibt ihr Geheimnis. Von den Jugendverbänden der Linken und der FDP war keine Stellungnahme zu erlangen.

Unterdessen hängt der Vorschlag der JU erst einmal in der parteiinternen Warteschleife fest. Laut Wiebke Winter hat die Antragskommission den Vorstoß an den Landesvorstand weiterverwiesen. Dort werde die Jugendquote nun intensiv beraten, beim nächsten Landesparteitag soll die Anregung dann diskutiert werden.

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Zur Sache

20,2 Prozent sind jünger als 40 Jahre

Die meisten Abgeordneten unter 40 Jahren können die Grünen mit fünf von 16 Parlamentariern aufweisen, ein Anteil von 31,3 Prozent. Auf jeweils vier unter 40-jährige Abgeordnete kommen SPD und Linke. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Jungen-Anteil bei den Linken weitaus höher liegt als bei der SPD: Bei den Linken machen die unter 40-Jährigen 40 Prozent der Fraktion aus, bei der SPD nur 17,4 Prozent.

In den Reihen der FDP befinden sich zwei Volksvertreter unter 40 Jahren, wie bei den Linken ein Anteil von 40 Prozent. Am schlechtesten schneidet die CDU ab: Nur zwei ihrer 24 Abgeordneten sind jünger als 40 Jahre, ein Anteil von 8,3 Prozent. Alles in allem gibt es in der Bremischen Bürgerschaft 17 Abgeordnete unter 40 Jahre, bei insgesamt 84 Parlamentariern beläuft sich ihr Anteil damit auf 20,2 Prozent. Die jüngste Abgeordnete ist Janina Brünjes (SPD) mit 24 Jahren.

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