Tierschutz Jungvögel sind meistens nicht in Not

Wer ein vermeintlich hilfloses Vogeljunges auf dem Boden findet, lässt es am besten in Ruhe. Das rät der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND).
26.05.2018, 12:06
Lesedauer: 2 Min
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Von Katja Knappe

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) appelliert an besorgte Bürger, vermeintlich hilflosen Vogelnachwuchs auf jeden Fall in der freien Natur zu lassen. Nur in den seltensten Fällen handelt es sich bei gefundenen Vogelkindern am Boden um verlassene, verletzte oder geschwächte Tiere, die dringend menschliche Hilfe benötigen. Vielmehr würden sie weiterhin von ihren Eltern gefüttert und umsorgt, so der Umweltverband. Eine „Entnahme“ wäre nach dem Naturschutzgesetz sogar verboten.

„Einige Vogelarten verlassen ihr Nest, noch bevor sie richtig fliegen können“, erläutert Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe. „Diese unerfahrenen Vogeljungen wirken auf den ersten Blick zwar hilflos. Aber sie aufzunehmen ist ein Fehler und hat mit Tierliebe nur wenig zu tun. Denn Vögel sind in erster Linie Wildtiere, die ihren Platz in der Natur haben.“ Wer also einen Jungvogel findet, solle ihn auf jeden Fall dort lassen, wo er sei.

Die Küken wirken zwar oft verlassen, sind es aber nicht. Über Bettelrufe verständigen sich die Kleinen mit ihren Eltern. „Greifen wir in diese sensible Phase ein, wird die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel unterbrochen“, sagt der Biologe. „Allerdings fallen sie jetzt nicht selten natürlichen Feinden zum Opfer. Doch dies ist ein natürlicher Regulationsmechanismus, an den die Vögel angepasst sind und der ein Überhandnehmen der Art verhindert.“ In der Zeit der Jungenaufzucht sollten Katzen aber auf jeden Fall im Haus gehalten werden, um die nur halbflüggen Jungvögel nicht noch zusätzlich unnötig zu gefährden.

Zu den typischen Nestflüchter gehören zum Beispiel Enten, Fasane oder Kiebitze, Uferschnepfe oder Brachvogel. Sie sind sofort auf sich gestellt, versorgen sich selbst und werden nicht gefüttert. Im Bereich von Siedlungen fallen meistens am häufigsten die bräunlich gefleckten Jungamseln auf, die etwa eine Woche vor dem Flüggewerden der drangvollen Enge des Nestes entfliehen. „Sie flattern nur unbeholfen umher“, beschreibt Quellmalz. „Aber ihre Eltern sind ganz in der Nähe und kümmern sich um sie.“

"Hilfe für die Jungvögel ist erst notwendig, wenn nach einer Beobachtung über zwei bis drei Stunden aus angemessener Entfernung feststeht, dass es sich wirklich um einen verlassenen, kranken oder verletzten Vogel handelt“, erklärt der Biologe. „Die Aufzucht von Jungvögeln gehört aber auf jeden Fall in die Hände von Fachleuten. Verletzte und kranke Jungvögel sollten am besten in eine Tierarztpraxis gebracht werden, die Wildtiere kostenlos behandelt.“

Die Tierärzte könnten unter Umständen auch Tipps für die Aufzucht geben und Kontakte zu Fachleuten vermitteln. Sollten aber tatsächlich einmal Küken aus einem Nest gefallen sein, kann man sie ohne Gefahr für diese in die Hand nehmen und zurücksetzen, denn anders als bei vielen Säugetieren wie Feldhasen oder Rehen stören sich die Alttiere nicht am menschlichen Geruch.

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