Kältefrei auf Bremens Baustellen

Bremen. Erst haben Schnee und Minustemperaturen den Verkehr ins Stocken gebracht, jetzt legt der Winter viele Baustellen lahm: Ob am Weserstadion, in der Überseestadt, am Bredenplatz oder an der Kaiserschleuse in Bremerhaven - überall stocken die Arbeiten.
08.01.2010, 19:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Arno Schupp
Kältefrei auf Bremens Baustellen

Das Dach der Weserstadion-Tribüne muss wahrscheinlich länger geöffnet bleiben als geplant. "Die restliche Infrastruktur

Roland Scheitz

Bremen. Erst haben Schnee und Minustemperaturen den Verkehr ins Stocken gebracht, jetzt legt der Winter viele Baustellen lahm: Die Tribünenüberdachung des Weserstadions wird nicht wie geplant fertig, in der Überseestadt, am Bredenplatz und an der Kaiserschleuse in Bremerhaven ruhen die Außenarbeiten. Ausgerechnet in dieser Kälte ist jetzt auch der Obdachlosentreff am Altenwall zur Baustelle geworden: Der Treff, den sonst bis zu 100 Obdachlose täglich ansteuern, wurde von Hunderten Litern stinkenden Abwassers geflutet und musste geschlossen werden.

'Es ist eine Katastrophe', sagt Dietmar Melcher, diakonischer Leiter der Einrichtung. Der Treffpunkt ist eine der zentralen Anlaufstellen für Obdachlose in der Innenstadt. Sie bekommen dort etwas zu essen, können sich aufwärmen, duschen und ihre klammen Schlafsäcke trocknen. Doch damit ist vorerst Schluss. Vor Mitte Februar, schätzt Melcher, wird der Treff am Altenwall nicht wieder öffnen. 'Und bis dahin müssen wir unsere Leute anderswo versorgen.' Vermutlich wird sich am Montag entschieden, in welches City-Quartier der Treff ausweichen kann, 'sodass wir am Donnerstag unsere Arbeit wieder aufnehmen können'.

Parallel dazu wird die Sanierung des alten Treffpunkts angeschoben. Das Abwasser war durch eine Toilette im Hochparterre eingedrungen und hatte sich im Souterrain gesammelt. 'Sie können sich ja denken, wie das gerochen hat', sagt Melcher. Inzwischen ist die übelriechende Flut zwar verschwunden, 'allerdings muss erst einmal alles wieder richtig trocknen'. Dafür werden große Heizlüfter aufgestellt; danach müssen die Räume vollständig desinfiziert werden.

Bundesweit sind in diesem grimmigen Winter nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe bisher zehn Obdachlose erfroren. Dass in dieser Statistik kein einziger Fall aus Bremen auftaucht - übrigens schon seit Jahren nicht -, 'liegt an dem guten Netz der Unterstützung, das hier gespannt ist', meint Bertold Reetz, Leiter des Bereichs Wohnungslosenhilfe der Inneren Mission, die im Jakobushaus an der Friedrich-Rauers-Straße Betten und Betreuung für Obdachlose anbietet.

Zu Beginn der Kälteperiode sei das Angebot der Inneren Mission zwar nur sporadisch in Anspruch genommen worden. Inzwischen nutzten jedoch mehr Obdachlose das Jakobushaus als Winterquartier. 'Wir haben aber immer noch genügend freie Plätze', sagt Reetz.

Freie Plätze wird es beim Spiel Werder Bremen - FC Bayern München voraussichtlich nicht geben; allerdings werden mehr Fans unter freien Himmel stehen als ursprünglich geplant. Eigentlich sollte die Tribünenüberdachung bis zum Spieltag (23. Januar) fertig sein. Doch daraus wird voraussichtlich nichts. Kältebedingt ruhen die Arbeiten; von einem Monat Verspätung ist beim Club die Rede. 'Die Infrastruktur ist davon allerdings nicht betroffen', betont Wilfried Rehling, Projektleiter der Bremer Weser-Stadion GmbH (BWS). Wo es möglich ist, werde das Stadion beheizt, 'daher läuft der Innenausbau weiter'.

Ganz ähnlich verhält es sich auf anderen Großbaustellen im Land Bremen. Der Rohbau des Atlantic-Hotels am Bredenplatz beispielsweise 'ist schon so weit fortgeschritten, dass wir ihn relativ einfach abdichten konnten', sagt André Castens, Sprecher von Zechbau. 'Dort wird weiter gearbeitet - wenn auch mit angezogener Handbremse.'

Kaiserschleuse: Nichts geht mehr

'Nichts geht mehr' ist dagegen die Losung an der Kaiserschleuse in Bremerhaven. 'Der strenge Winter hat dazu geführt, dass die Arbeit eingestellt werden musste', heißt es von bremenports. Beton-und Baggerarbeiten seien kaum möglich, darüber hinaus sei das Arbeiten an der Schleuse wegen vereister Wege und Gerüste schlichtweg zu gefährlich. Wann die Kolonnen wieder anrücken, steht nach Angaben von bremenports noch nicht fest. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, 'dass der strenge Winter die für Ende 2010 geplante Fertigstellung der Schleuse verzögern wird'.

Auch in der Überseestadt hat der Winter das Bautreiben fest im Griff. Wo die Rohbauten geschlossen sind, könne drinnen weitergearbeitet werden, 'aber alles, was außen ist, geht im Moment nicht', berichtet Joachim Linnemann, Geschäftsführer des Projektentwicklers 'Justus Grosse'. Der Landmarktower ist davon ebenso betroffen wie die Flusshäuser, die derzeit am Weserufer entstehen. Dennoch sei die Lage keineswegs dramatisch, 'da wir eine Verzögerung von einem Monat von vornherein eingeplant haben'.

Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bau können die Betriebe, die wegen der Witterung die Arbeit einstellen mussten, auf das 'Saisonkurzarbeitergeld' zurückgreifen. Mit den aus Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung finanzierten Hilfen soll verhindert werden, dass bei saisonalen Arbeitsausfällen Beschäftigte in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Genaue Zahlen über die Menge der 'Saisonkurzarbeiter' gibt es nach Angaben der Gewerkschaft derzeit noch nicht.

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