In den Vegesacker Kapitänshäusern wurde Rohkaffee zunächst am Herd genießbar gemacht

Kaffeegenuss aus der Röstpfanne

Als Kaffee noch ein exotischer Genuss war, machte ein Prediger das Getränk sogar für die Erdschlaffung ganzer Generationen verantwortlich. Später dann hielt der Kaffee auch in Bremen Einzug. Und damit die gusseiserne Röstpfanne – eine Gerätschaft, deren Verwendung man sich heute im Museum erklären lassen muss.
10.08.2012, 05:00
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Von Ulf Fiedler

Als Kaffee noch ein exotischer Genuss war, machte ein Prediger das Getränk sogar für die Erdschlaffung ganzer Generationen verantwortlich. Später dann hielt der Kaffee auch in Bremen Einzug. Und damit die gusseiserne Röstpfanne – eine Gerätschaft, deren Verwendung man sich heute im Museum erklären lassen muss.

Vegesack. Im 19. Jahrhundert gingen die Hausfrauen mit Gerätschaften um, deren Zweck heute einer Erklärung bedarf. Wer das Heimatmuseum Schloss Schönebeck, das Archiv in der Burg Blomendal oder das Rekumer Kahnschifferhaus besucht, kann sich davon überzeugen. Eines dieser Haushaltsutensilien war die gusseiserne Kaffeeröstpfanne. Rohkaffee wurde, zumal in Seefahrerfamilien in Jutesäcken aufbewahrt. Außerhalb Bremens war Kaffee auch eine beliebet Schmuggelware, um den Zoll zu umgehen.

Im Haushaltsbuch einer Vegesacker Kapitänsfrau findet sich 1847 zwischen den sorgfältig notierten Kosten von Brauner Seife, Mehl und Butter die Eintragung "Ein Sack Domingo-Coffee das Pfund zu elfeinhalb Groten" – was in späterer Reichswährung etwa 52 Pfennigen entsprach. Es handelte sich dabei um Rohkaffee, dessen hellgrüne Bahnen ohne Röstung ungenießbar waren. Daher gehörte im 19. Jahrhundert die Röstpfanne in jeden Haushalt

Das Rösten der Bohnen auf dem gut beheizten Küchenherd besorgte die Hausfrau selbst. Die gedeckte Pfanne wurde aufs Feuerloch gestellt. An der Kurbelachse befand sich unten ein Querstück, das beim Drehen die eingefüllten Kaffeebohnen in ständiger Bewegung hielt, bis der richtige Röstgrad erreicht war.

Es waren die Holländer, die den Kaffee nach Bremen brachten. Schon im 17. Jahrhundert hatten die Seefahrer Kaffeebohnen im jemenitischen Mokka kennengelernt, ohne ihn besonders als Handelsgut zu beachten. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als exotische Genussmittel in Europa Mode wurden, holten die Niederländer größere Mengen Rohkaffee nach Amsterdam. Geschäftliche und freundschaftliche Verbindungen zwischen Kaufleuten in Amsterdam und Bremen führten dazu, dass die Niederländer probeweise auch Kaffee nach Bremen brachten. Damals gab es noch keinen Gedanke daran, dass Bremen später einmal eine Kaffeestadt werden würde und dass in den Packhäusern am Vegesacker Hafen stapelweise die Kaffeesäcke aus Costa-Rica, Guatemala, Mexiko, Kolumbien und Brasilien zum Weitertransport lagern würden.

Es mögen freundschaftliche Verbindung zwischen Niederländern und Hansestädtern gewesen sein, die den Kaffeehändler Jan Jantz van Huesden 1673 ermutigten, den Rat der Stadt Bremen um die Erlaubnis zu bitten "allhir eine Hantirung von außländischen Indianischen Getränken, alß Coffi und Schokolati" aufnehmen zu dürfen.

Der Rat ließ sich mit der vorläufigen Genehmigung sechs Monate Zeit. Er hatte gute Gründe. Es gab heftigen Widerstand gegen solch extravagante Genüsse. Manche Geistliche führten gesundheitliche Schädigungen an. Schließlich dürfte auch der Gedanke mitgespielt haben, dass dadurch viel Geld außer Landes floss. Der Rat merkte aber schon 1695, dass eine Belegung von Kaffee und Schokolade mit einer hohen Verbrauchssteuer der Stadt doch erheblichen Nutzen brachte.

Ein besonders drastisches Beispiel, wie man gegen den Kaffee agitierte, lieferte J.G. Visbeck, Probst und Prediger zu Wersabe in seinem 1798 verlegten Buch "Die Niederweser und Osterstade".

Visbeck schreibt über die Ortschaften der Osterstader Marsch, "es sey etwa auf jedes Haus ein Viertel Matrosen zu rechnen. Dies Seeleben hat indes seine bösen Folgen, denn dadurch ist der starke Gebrauch des Caffees unter dieser Classe eingeführet. Der Matrose freylich, man sage dagegen was man wolle, kann des Caffees auf der See bey seiner harten, oft verdorbenen Schiffskost, zumal nach dem Nordpole zu, gar nicht entbehren. Aber daß dies auch am Lande fortgesetzet wird, daß Frau und Kinder Antheil daran haben, daß manche täglich mehreremale dies Getränke haben müssen, daß man sich den Magen damit erschlaffet, gerade dies taugt gar nichts. Manche unserer Weichlinge können morgens nichts essen, sondern müssen eine Tasse Caffee haben. Aber wo bleiben auch die Kräfte bey solcher Lebensart. Der Unterscheid zwischen einem alten und einem jetzigen Osterstader ist merklich genug. Für die Stärke der alten Völker bey ungekünstelter Lebensart mag folgende Sitte zum Beweis dienen:

Wenn eine mannbare Frauensperson mit einem Manne heimlich davon gegangen und geschwächet und von ihm verstoßen war, so verordneten die Gesetze folgende Entschädigung:

Es wird ein dreijähriger Stier, dessen Schwanz glatt geschoren und mit Fett beschmieret ist, ihr vorgetrieben. Kann sie ihn, wenn er von zwey Leuten mit Stöcken gejagt wird, beym Schwanze halten, so behält sie ihn als Vergütung. Wo nicht, so bekommt ihre verletzte Keuschheit keine andere Entschädigung. Daraus ergiebt sich ein richtiges Maas, wie weit das jetzige Menschengeschlecht durch verfeinerte Lebensart gegenüber ihren Vorfahren an Kräften zurück gekommen sey."

Kaffeegenuss aus der Röstpfanne

In den Vegesacker Kapitänshäusern wurde Rohkaffee zunächst am Herd genießbar gemacht

Zitat:

"Manche Weichlinge

müssen morgens eine

Tasse Caffee haben."

Probst J. G. Visbeck, 1798

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