Tag der offenen Tür in Borgfeld

Kaisen-Jubiläum mit ehrgeizigen neuen Projekten

Das Wohnheim für behinderte Menschen wird renoviert, weitere kleine Wohnungen sollen entstehen: Die Wilhelm&Helene-Kaisen-Stiftung ist im 25. Jahr ihres Bestehens voller Tatendrang.
14.09.2020, 05:00
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Kaisen-Jubiläum mit ehrgeizigen neuen Projekten
Von Joerg Helge Wagner
Kaisen-Jubiläum mit ehrgeizigen neuen Projekten

Alexander Chavez enthüllt eine Tafel mit historischen Fotos der Kaisens, am Tag der offenen Tür in der Wilhelm-Kaisen-Schule.

Frank Thomas Koch

Passend zum Tag des offenen Denkmals lud die Wilhelm & Helene-Kaisen-Stiftung am Sonntag auf den Borgfelder Hof des Bremer Nachkriegsbürgermeisters – nicht nur virtuell, sondern ganz analog. Rund 100 Interessierte waren gekommen, um das 25-jährige Bestehen der Stiftung zu würdigen, sich über deren Arbeit zu informieren und von neuen Vorhaben zu erfahren.

„Vor 25 Jahren hatten wir gar keine konkreten Pläne“, sagt Horst Brüning, Vorstandsvorsitzender und Schatzmeister der Stiftung. „Wir haben einfach immer ein Projekt nach dem anderen in Angriff genommen.“ So entstand etwa die Dokumentationsstätte in der früheren Scheune des Hofs und das Kaisenstift, ein Wohnhaus mit 24 Plätzen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit geistigen und mehrfachen Behinderungen. Dessen Umbau und Renovierung soll zum Jahresende abgeschlossen sein, sagt Brüning.

Und es gibt schon ein großes neues Projekt: In Zusammenarbeit mit der Unternehmensgruppe Convivo sollen rund 40 Mikrowohnungen in zwei Häusern entstehen, benannt nach den Kaisen-Kindern Ilse und Franz. Beide waren 1995 auch Gründer der Stiftung.

Appartments für Studenten und Senioren

Zielgruppe für die kleinen Appartments können sowohl Studenten als auch Senioren sein. Brüning rechnet mit dem Baubeginn im Herbst 2021. „Heute übergebe ich unsere Pläne an Bürgermeister Andreas Bovenschulte.“ Der ist ohnehin anwesend und frotzelt: „Das ist ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann.“ In der Tat, ist er doch auch Mitglied im Kuratorium der Stiftung – wie seit Hans Koschnick jeder amtierende Bürgermeister.

Bovenschulte nennt zwei Hauptzwecke der Stiftung: „Die Erhaltung des Anwesens, vor allem aber auch der Ideen von Helene und Wilhelm Kaisen.“ Und die konzentrierten sich im Wesentlichen darauf, Gemeinsinn und Wohltätigkeit zu fördern, über alles Trennende, alle Parteigrenzen hinweg. „Kaisen suchte immer eine breite Koalition, obwohl zu seinen Zeiten die SPD noch eine absolute Mehrheit hatte.“

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Die Herausforderungen damals seien mit jenen durch die Corona-Pandemie nicht zu vergleichen, betont Bovenschulte: „heute haben wir einen Einbruch des Bruttoinandsprodukts um sechs Prozent, damals lag das ganze Land in Trümmern.“ Kaisen habe viel schwierigere Entscheidungen treffen müssen „in einer Gesellschaft, in der alle Gewissheiten zerstört waren“. Wichtig sei aber heute wie früher, ein unsolidarisches Auseinanderdriften der Gesellschaft zu vermeiden, nicht zuletzt auch durch politische Jugendbildung.

Gymnasiale Oberstufe für den Kaisen-Campus

Darum bemüht man sich an der Ober- und Grundschule in Huckelriede, für die Wilhelm und Helene Kaisen Namensgeber wurden. Die Rektoren Oliver Seipke und Bettina Müller-Herling sitzen ebenfalls im Kuratorium der Stiftung. Seipkes Projekt: den Kaisen-Campus in fünf Jahren durch eine gymnasiale Oberstufe zu komplettieren. „Lange wurden unsere Schulen schlecht angewählt, aber nun wachsen die Schülerzahlen“, berichtet der Rektor. „Und die begabten Zehntklässler wollen wir nicht einfach entlassen, sondern künftig gerne selbst bis zum Abitur führen.“

Neben Wohnhaus und Scheune komplettiert ein Gewächshaus das Ensemble auf dem Kaisen-Anwesen. Hier kümmert sich der Weinkonvent zur Rose um zwei Rebstöcke mit roten und weißen Beeren. Ewald Briesch, ausgebildeter Önologe, räumt gleich ein, dass es kein Spitzenwein entsteht: „Amerikanische Hybridsorten, schmeckt eher nach Erdbeermarmelade.“ Auch hier geht es eher ums Erhalten einer optimistischen Idee der Kaisens.

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