Neues Buch über die besonderen Parzellen der Bremer Kaisenhaus – mehr als ein Dach überm Kopf

Bremen. Von simplen Notunterkünften zu einer speziellen Wohnkultur: Die Parzellenanlagen sind Thema des neuen Buches "Bremens Kaisenhäuser – Mehr als ein Dach über dem Kopf".
07.05.2012, 05:00
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Von Katharina Riebesel

Bremen. Von simplen Notunterkünften zu einer speziellen Wohnkultur: Die Parzellenanlagen sind Thema des Buches "Bremens Kaisenhäuser – Mehr als ein Dach über dem Kopf", das die Historikerin Kirsten Tiedemann zusammen mit dem Bremer Zentrum für Baukultur (BZB) und dem WESER-KURIER herausgebracht hat. Die Autorin gibt in dem Buch Einblicke in die Bau- und Wohnkultur der Kleingartengebiete von 1944 bis 2002. Illustriert ist das Buch mit vielen Originalbildern und Grafiken.

Im Zweiten Weltkrieg wurde rund 61 Prozent der Wohnfläche in Bremen zerstört. Es herrschte großer Wohnungsmangel. Aus diesem Grund erlaubte der damalige Bürgermeister Wilhelm Kaisen offiziell den Bau von Wohnhäusern in den Parzellengebieten. Die Historikerin Kirsten Tiedemann verweist in dem Buch "Bremens Kaisenhäuser – Mehr als ein Dach über dem Kopf", dass es schon vor dem Erlass um 1932 etwa 1000 illegale Wohnhäuser in den Kleingärten gegeben habe. Während des Krieges hätten sich außerdem auch einige Bremer in den Parzellen versteckt.

In dem Buch wird die Entwicklung der Kleingärten seit Kriegsende veranschaulicht. Sunke Herlyn vom Bremer Zentrum für Baukultur (BZB) berichtet, dass ein Arbeitskreis bereits seit acht Jahren zu dem Thema Kaisenhäuser recherchiere. "Baukultur umfasst nicht nur besondere Gebäude, Baukultur meint auch Alltagskultur", so Herlyn. Der wissenschaftliche Leiter des Projektes, Eberhard Syring, betont, dass die Wohnkultur rund um die Kaisenhäuser momentan wieder ein Modethema sei. "In den Kleingartengebieten wird Architektur ohne Architekten betrieben", so Syring. Die eigenwillige Bauweise, der Parzelle immer wieder einen Anbau hinzuzufügen, mache das Thema so interessant.

Buchautorin Tiedemann stellt in dem Werk Geschichte und Geschichten rund um die Kaisenhäuser aus Sicht der Macher und aus Sicht der Politik vor. "Ich habe viele verschiedene Quellen bei meiner Recherche genutzt", erzählt Tiedemann. So habe sie mit mehr als 30 Zeitzeugen gesprochen, das Staatsarchiv durchstöbert, Protokolle von Senatssitzungen sowie von Gartenvereinen gesichtet und Bauakten angeschaut. "Es überraschte mich, dass so ein Wohnhaus innerhalb eines Wochenendes fertiggestellt wurde", berichtet die Historikerin. Besonders interessante Funde sind nach Angaben der Autorin Originalbriefe von 1945, in denen Bremerinnen und Bremer den Bürgermeister darum bitten, den Bau eines Eigenheims in den Parzellengebieten zu erlauben. Heute leben noch rund 500 Bremer in ihren Parzellenhäuschen. Insgesamt gibt es aktuell 18000 Kleingartenbesitzer in der Hansestadt. Eine Parzelle davon betreibt die Buchautorin selbst.

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