Konfuzius-Institut in Bremen

Kampf gegen Klischees

Bremen. In der Hansestadt wird am Mittwoch das 14. deutsche Konfuzius-Institut der Volksrepublik China eröffnet.
21.10.2013, 07:55
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Kampf gegen Klischees

Ab Dezember will die Direktorin des Bremer Konfuzius-Instituts, Jianping Zhang, Sprachkurse, Workshops, Ausstellungen und Vorträge über chinesische Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft anbieten.

Jana Euteneier

In Bremen wird am Mittwoch das 14. deutsche Konfuzius-Institut der Volksrepublik China eröffnet. Mittlerweile gibt es mehr als 400 Konfuzius-Institute als Kulturbotschafter in 108 Ländern, finanziert werden sie vom chinesischen Bildungsministerium und unterstützt vom Gastland.

Unterstützer in Bremen sind die Hochschule, Universität, Jacobs University und die Wirtschaftsbehörde. Die Direktorin des Instituts, Professorin Jianping Zhang von der Capital Normal University in Peking, sprach mit Corinna Tonner über ihre Arbeit und Pläne.

Frage: Die mehr als 400 Konfuzius-Institute weltweit werden auch kritisch beurteilt. Es gehe um chinesische Propaganda, heißt es, und darum, die Herzen und die Köpfe der Menschen zu gewinnen, nicht nur im ökonomischen Bereich. Der chinesische Spitzenfunktionär Li Changchun beschrieb die Institute ganz offen als „wichtigen Teil der chinesischen Übersee-Propaganda“. Wie sehen Sie das?

Jianping Zhang: Es ist doch durchaus ein legitimes Anliegen, wenn ein Land Werbung für sich macht. Wir dienen der Wirtschaft, und wir wollen Bremens Beziehung zu China fördern und dabei vor allem auch die Wünsche unserer Partner erfüllen, nämlich die der Hochschule, der Universität Bremen, der Jacobs University und der Wirtschaftsbehörde. Aber auch mit der Hochschule Bremerhaven haben wir schon Gespräche geführt. Auch dort ist man interessiert an den Sprachkursen, die wir anbieten wollen. Außerdem verstehen wir uns als kulturelle Botschafter Chinas. Wir wollen weg von den Klischees und die Vielfalt Chinas zeigen.

Was können die Bremer von dem neuen Konfuzius-Institut erwarten? Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe?

Ab Dezember wollen wir mit drei Sprachlehrern in Bremen vor Ort sein. Dann sollen auch unsere Räumlichkeiten in der City für Besucher geöffnet werden. Wir bieten Sprachkurse, Workshops, Ausstellungen und Vorträge über chinesische Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft an. In unserer Bibliothek soll es Lehrmaterial, Literatur und Filme über China geben. Die erste Ausstellung in unserem Institut wird eine Fotoausstellung mit China-Impressionen der deutschen Fotografin Petra Kiel sein. Rund die Hälfte unserer Arbeit wird im universitären Bereich, also an den Hochschulen, stattfinden. Aber wir wollen auch Sprachkurse an den Schulen anbieten und Vorträge über chinesische Medizin oder chinesische Küche. Für Ausstellungen und Vorträge können wir uns viele Partner vorstellen, auch Museen oder eine Stadtbibliothek. Und wir wollen Experten aus der Region einladen wie den Hamburger Komponisten Karsten Gundermann, der an der Nationalakademie in Peking die Peking-Oper studiert hat.

Gegrillte Qualle, frittierte Entenzungen, Ratte, Schlange, Hund – die chinesische Speisekarte klingt für Europäer nicht sehr verlockend. Können Sie das nachvollziehen?

Als Erstes sollte man vielleicht betonen, dass es „die chinesische Küche“ nicht gibt. Von der chinesischen Küche spricht man nur in Europa, nicht in China. Das wäre so, als würde man umgekehrt von der „europäischen Küche“ sprechen. China ist ein großes Land mit erheblichen regionalen Unterschieden.

Die von Ihnen erwähnten Quallen und Entenzungen waren regionale Spezialitäten, die sich heute in ganz China ausgebreitet haben. Hundefleisch ist vor allem in Südchina und im Nordosten Chinas beliebt, weil ihm nachgesagt wird, dass es den Körper wärmt. Ich selbst habe noch nie Hundefleisch oder Entenzunge gegessen. Auf dem chinesischen Speisezettel steht immer sehr viel Gemüse: Chinakohl, Kartoffel, Rübe, Spinat und andere grüne Blattgemüse. Dazu wird oft Hühner- und Schweinefleisch gegessen. Und es gibt, wie gesagt, große regionale Unterschiede. Während in Shanghai wenig gewürzt wird, wird in der Provinz Szechuan gern und großzügig mit Chili gekocht.

„Deutsche Sprache, schwere Sprache“, sagt der Volksmund. Warum haben Sie Deutsch gelernt?

Ich war als Kind in Shanghai in einer Klasse, in der Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wurde. Das war im Lehrplan so vorgesehen; in anderen Klassen wurde Englisch oder Russisch unterrichtet. Später, bei der Aufnahme an der Hochschule, hätte ich auch Mathematik studieren können. Aber ich wollte in der Großstadt bleiben und nicht aufs Land versetzt werden, also habe ich mich für Deutsch entschieden, denn damit hätte man auf dem Land nichts anfangen können. Das Deutsch-Studium hat mir viele Möglichkeiten eröffnet, die ich sonst nicht gehabt hätte. Die meisten Chinesen konnten damals nur davon träumen, ins Ausland zu reisen, aber ich gehörte zu der ersten Gruppe von Studenten im Ausland, die nicht Parteimitglieder waren.

Wieso interessieren sich die Deutschen Ihrer Meinung nach für chinesische Medizin? In China selbst ist sie angeblich nur etwas für Menschen mit kleinem Geldbeutel. Wer es sich leisten kann, lässt sich mit den Methoden der klassischen Schulmedizin behandeln.

In China hat jedes Krankenhaus auch eine Abteilung für chinesische Medizin. Moderne Therapien und traditionelle Medizin werden oft kombiniert. Die traditionelle Medizin ist für viele eine Ergänzung oder kommt bei weniger schwerwiegenden Fällen zum Einsatz.

Kontakt und weitere Informationen unter Telefon 24 27 6242 oder per Mail: info@konfuzius-institut-bremen.de. Adresse in der City: Lloydhof, Ansgaritorstraße 1.

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