Fit in den Frühling Kampfsport: Vereint Länder und Kulturen

Wer Kampfsport macht, trainiert nicht nur die Muskeln, sondern auch das Gehirn. Geeignet sind Sportarten wie Judo, Modern Arnis, Karate, Boxen und Co grundsätzlich für jeden.
10.04.2018, 22:45
Lesedauer: 4 Min
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Kampfsport: Vereint Länder und Kulturen
Von Nina Willborn

Mit einem mittelgroßen Drachen könnte er es aufnehmen. Das denkt man sich jedenfalls, wenn man Stefan Huck in seiner Montur auf der Trainingsmatte sieht. Gitterhelm, gut gepolsterter Oberkörper- und Rückenschutz, Schoner an den Gelenken von Armen und Beinen, Handschuhe. „Eine Fechtmaske, Schienbeinschoner aus dem Fußball, Knieschoner vom Inlinern, Lacrosse-Handschuhe“, zählt er auf und sagt lachend: „Wir Filipinos klauen eben gerne aus allen Bereichen.“

In etwa so verhält es sich auch mit dem Namen der Sportart, der sich Huck verschrieben hat. FMA, also Filipino Martial Arts, ist der Oberbegriff für die Kampfkunst von den Philippinen. Im Sprachgebrauch verwendet man hauptsächlich die Begriffe „Arnis“ oder „Eskrima“, auch „Kali“. „Arnis ist eine Verballhornung des Worts Harnisch und Eskrima leitet sich wohl vom spanischen Wort esgrima, fechten, ab“, erklärt Huck. Der Bezug kommt daher, dass die Philippinen ab Mitte des 16. Jahrhunderts von den Spaniern besetzt wurden.

Waffenbasierte Kampfkunst

Arnis/Eskrima ist eine waffenbasierte Kampfkunst. „Ressourcen-orientiert“, sagt Huck. Das bedeutet: Es gibt unter anderem Stock, Doppelstock, Messer, Schwert, Machete – analog zu den philippinischen Bauern und den Marhalika genannten Kriegern, die sich gegen die Besatzer auch mit allem wehrten, was sie an Waffen zur Verfügung hatten und sich auch bei ihren Gegnern Kampftechniken abschauten. „Noch heute entwickelt sich alles immer weiter. Eskrima ist eine sehr offene Kampfkunst“, erläutert Huck.

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Er selbst, heute 28 Jahre alt, begann mit 14 diesen Sport zu trainieren. „Ich bin da durch Zufall drauf gekommen“, sagt Huck. Mit 18 lebte er dann ein Jahr in der Heimat seiner Vorfahren. In Negros Occidental, einer Provinz im Südwesten der Philippinen, wollte er das Training fortsetzen, stellte aber schnell fest, dass er bei null anfangen musste. „Das ist wie mit chinesischem Essen bei uns und in China, das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.“ Also lernte er zwölf Monate lang sechs Tage die Woche – nur sonnabends war frei, weil sein Lehrer ein Anhänger der Siebenten-Tags-Adventisten war. Auf die traditionelle Weise: ein Meister, ein Schüler. „Für mich ist es inzwischen viel mehr als Sport. Ich sehe es als Teil meines kulturellen Erbes“, sagt Huck.

Das will er in Ehren halten, vor allem, weil „die Filipinos im Alltag ihre eigene Kultur viel oft kleiner machen, als sie ist“, sagt Huck. Er sieht sich als Botschafter, als Sprachrohr der jahrhundertealten Tradition. Auch auf den Philippinen werden die FMA erst seit einigen Jahren als Sport massentauglich. In Deutschland hat vor allem der Norden noch Aufklärungsbedarf, Arnis/Eskrima kennen hier anders als im Süden nur wenige. Seit einigen Wochen bietet Huck nicht nur in Nienburg, wo er wohnt, sondern auch im „Carabao“-Studio im Hulsberg Unterricht an. Wer Modern Arnis lernen will, braucht als Voraussetzung „eigentlich nur gute Laune“.

Kein Sport für Kinder

Allerdings, das schränkt Huck ein, ist es kein Sport, der sich gut für Kinder eignet. „Man sollte schon mit einem gewissen Ernst an die Sache gehen“, sagt er. Denn: Trainiert wird auch heute, wo der kriegerische Aspekt schon lange hinter sportliche und künstlerische Aspekte zurückgetreten ist, von Beginn an mit „Waffe“. In den meisten Fällen ist das erst einmal ein Stock, im Training der Anfänger oft in Form einer Schwimmnudel – damit keine Verletzungsgefahr besteht.

„Grundsätzlich lernt man, mit der Erweiterung seines Körpers zu arbeiten“, erklärt Huck. Und durch die hohen kognitiven Ansprüche, das haben die asiatischen Kampfsportarten alle gemeinsam, trainiert man nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf. „Es gibt viel Gehirnfutter. Man merkt, was man alles umsetzen kann, wenn man es will“, sagt Huck.

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Die Geisteshaltung, die hinter dem Ganzen steht, auch Mindset genannt: Der Kämpfer muss verstehen lernen, wo jeweils die Gefahr lauert, damit er sich entsprechend verteidigen kann. Das Ziel ist, einen Kampf möglichst schnell zu beenden – und ihn zu gewinnen. Oder, anders formuliert: Angriff kann eine ziemlich gute Verteidigung sein.

„Wenn man die Wahl hat, sollte man immer weglaufen“

„Ich will die Dominanz haben“, so beschreibt es der Sportler. „Gegen jemandem mit einem Messer würde ich mich nicht mit einem Messer verteidigen, sondern möglichst mit einer stärkeren Waffe.“ Das ist natürlich im übertragenen Sinn gemeint. Wenn es draußen auf der Straße mal brenzlig wird, empfiehlt Huck, sich gar nicht erst auf einen Kampf einzulassen. „Wenn man die Wahl hat, sollte man immer weglaufen.“

Trainiert wird anders als bei einigen anderen Kampfsportarten nicht mit festen Partnern. Eine Übungsgruppe versteht sich immer auch als Kollektiv, in dem einer vom anderen profitiert. Fortgeschrittene erklären Anfängern zum Beispiel die Techniken und lernen dabei, selbst Lehrer zu sein. „Als Trainer bin ich das Werkzeug, das die Gruppe für sich nutzen kann, je nachdem wie sie es gerade braucht“, beschreibt Huck. Bei der Ausführungen der einzelnen Bewegungsabläufe ist es dann so, dass jeder Schüler seinen eigenen Stil entwickeln darf. „Ich verwende da gerne das Beispiel der Tomatensoße“, sagt Huck. „Das Grundrezept ist immer dasselbe, aber bei 20 Sorten im Supermarkt hat jeder andere Vorlieben.“

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Zur Sache

Kampfsport in Bremen

Alle Kampfsportarten vom Aikido bis zum Boxen haben gemeinsam, dass man mit ihnen nicht nur den Körper, sondern auch den Geist trainiert. Es ist ein ganzheitliches Training mit ruhigeren und aktiven Anteilen, das Experten wie der Hamburger Sportmediziner Klaus-Michael Braumann grundsätzlich für jeden empfehlen, der seine Fitness verbessern will. In Bremen werden Kurse der unterschiedlichsten Richtungen angeboten, ob mit Waffe oder ohne, ob israelisches Krav Maga oder Jiu-Jitsu. Die bekannteren Sportarten wie Karate und Judo haben eigene Landesverbände, die auf ihren Homepages Informationen bieten. Auch in den Vereinen gibt es ein großes Angebot an Kursen der unterschiedlichen Richtungen. Wer dort nichts passendes findet, wird vielleicht bei den Kampfkunstschulen fündig Elemente aus der Kampfkunst, vor allem aus dem Boxen, bieten auch einige Fitness-Studios in speziellen Workout-Kursen an. Dort steht dann aber der Aspekt der Ausdauer und des Muskeltrainings im Vordergrund.

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