Bremen-Nord bereitet sich auf Bürgerschaftwahl vor

Kandidatenkarussell nimmt Fahrt auf

Bremen-Nord. Ein knappes Jahr vor der Bürgerschaftswahl treten die Parteien in die heiße Phase der Kandidatenfindung ein.
09.06.2010, 17:40
Lesedauer: 3 Min
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Kandidatenkarussell nimmt Fahrt auf
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Ein knappes Jahr vor der Bürgerschaftswahl treten die Parteien in die heiße Phase der Kandidatenfindung ein. Im Spätsommer muss das Personaltableau Konturen haben, damit es im Herbst auf Parteitagen abgesegnet werden kann. Das Gerangel um attraktive Listenplatzierungen ist längst im Gang, auch wenn Parteistrategen nach außen Gelassenheit demonstrieren. Das ist bei der SPD nicht anders als bei den übrigen Gruppierungen.

Auf die Sozialdemokraten als größte Regierungspartei richten sich die Blicke aber naturgemäß zuerst. Die Nordbremer SPD ist derzeit mit sechs Abgeordneten in der Bürgerschaft vertreten, wunderschön nach Ortsteil- und Geschlechterproporz austariert: Margitta Schmidtke und Ursula Arnold-Cramer aus Blumenthal, Reimund Kasper und Insa Peters-Rehwinkel aus Vegesack sowie Max Liess und Reiner Holsten aus Burglesum. Inoffiziell mitgezählt wird stets der im Werderland wohnende Bürgermeister Jens Böhrnsen, der allerdings als Senatsmitglied kein Bürgerschaftsmandat hat.

Bisher hat keiner der derzeitigen Mandatsinhaber erkennen lassen, dass er den Parlamentarierjob an den Nagel hängen möchte. Das ist jedenfalls der aktuelle Kenntnisstand von Reimund Kasper, dem Vorsitzenden der Nordbremer SPD-Abgeordnetengemeinschaft.

Dies muss nicht bedeuten, dass die Platzhirsche die vorderen Listenplatzierungen unter sich ausmachen. Als wirklich gesetzt und völlig unumstritten können allenfalls Max Liess als wirtschaftspolitisches Schwergewicht der Bürgerschaftsfraktion und Reimund Kasper gelten.

Andere werden kämpfen müssen. Etwa Ursula Arnold-Cramer, die bei den jüngsten Unterbezirks-Vorstandswahlen ein überaus enttäuschendes Ergebnis einfuhr. Auch für Reiner Holsten ist eine günstige Platzierung kein Selbstgänger. Er hatte zwar nach seiner Wahl zum Unterbezirksvorsitzenden mit forscher Kritik an der Apathie und Selbstbezogenheit der Partei für Aufsehen gesorgt, einen wirklichen Wandel aber nicht anstoßen können - bisher jedenfalls. Insa Peters-Rehwinkel gehört zu den jüngeren Aktivposten der Partei. Ihr Nachteil: Obgleich passionierte Reiterin, fehlt es ihr an 'Stallgeruch'. Zu den inneren Kungelrunden der Nordbremer Parteigranden zählt sie nicht. Vielleicht hilft es, dass die 41-Jährige vor wenigen Tagen bei den Wahlen zum Landesvorstand ein erstaunlich gutes, fast schon sensationelles Ergebnis verbuchte. Die Rechtsanwältin, die dem Ortsverein Hammersbeck vorsteht, zog mit dem drittbesten Ergebnis aller Kandidaten in den geschäftsführenden Landesvorstand ein, wo sie künftig als Schriftführerin fungiert. Zurückhaltend spricht sie von einer 'Bestätigung, die in diesem Geschäft auch mal nötig ist'. Was sich daraus für die Bürgerschaftskandidatur ableiten lässt, werde sich zeigen.

Denkbar ist, dass sich zugkräftige andere Bewerber in die Listenspitze drängen. Parteiintern zu hören sind etwa die Namen der unbeugsamen Schlecker-Betriebsrätin Antje Treptow oder der früheren Bürgerschaftsabgeordneten Cornelia Wiedemeyer, die zwar in Oslebshausen wohnt, aber im Ortsverein Burglesum Mitglied ist. Dessen Geschicke leitet der einflussreiche Strippenzieher Max Liess. Geht da was? 'Ich habe immer gern sozialdemokratische Politik in der Bürgerschaft vertreten. Aber über eine neue Kandidatur habe ich mir noch keine Gedanken gemacht', versichert Wiedemeyer.

Der Run auf die vorderen Listenplätze hat übrigens nach Einschätzung des Insiders Reimund Kasper auch durch die Reform des Wahlrechts, die beim Urnengang im Mai 2011 wirksam wird, nichts von seiner Intensität verloren. Wie berichtet, hat bei der Bürgerschaftswahl jeder Wahlberechtigte fünf Stimmen, die er zwischen Kandidaten und Parteien nach Gutdünken verteilen kann. Auf den Listen werden künftig die Namen sämtlicher Kandidaten verzeichnet und ankreuzbar sein. Anders gesagt: Der Wähler, das unberechenbare Wesen, kann theoretisch auch einen Nobody vom Ende der Liste ins Parlament katapultieren. Doch die Gefahr, dass sich jemand in der Wahlkabine tatsächlich die Zeit zu ausführlicher Lektüre nimmt, wird offenbar in keiner Partei als sehr groß eingeschätzt. Weit oben zu stehen bleibt für die Bewerber erstrebenswert.

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