Interview mit "Miss Bremen"

Kann eine Miss Germany auch Feministin sein, Frau Utz?

Patrizia Utz ist amtierende Miss Bremen und möchte am kommenden Wochenende im Europapark Rust zur schönsten Frau Deutschlands gewählt werden. Wir haben mit ihr über die #MeToo-Debatte gesprochen.
18.02.2018, 18:05
Lesedauer: 3 Min
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Kann eine Miss Germany auch Feministin sein, Frau Utz?
Von Ina Bullwinkel
Kann eine Miss Germany auch Feministin sein, Frau Utz?

Feministin zu sein und Miss Germany schließt sich nicht aus, findet Patrizia Utz. Ihr großes Vorbild ist Angelina Jolie, die sich auch für Frauenrechte einsetzt.

Christina Kuhaupt

Sie sind im Rennen um die Krone der Miss Germany. Warum wollen Sie Deutschlands schönste Frau werden?

Patrizia Utz: Ich möchte Miss Germany werden, weil ich den Menschen zeigen möchte, und ganz besonders den jungen Frauen, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu bleiben. Außerdem hat es mir schon von klein auf Spaß gemacht, vor der Kamera zu stehen.

Wie ist es, bei einem Wettbewerb mitzumachen, bei dem es vor allem ums Äußere geht?

Es geht gar nicht nur ums Äußere. Klar zählt auch das Aussehen, aber es zählt auch, wie man sich präsentiert und wie die Ausstrahlung ist. Die Maße 90-60-90 müssen nicht sein. Das sieht man auch an mir: Ich bin viel zu klein zum Modeln. Aber das ist nicht wie das Model-Business oder wie bei Germany’s Next Topmodel.

Trotzdem gibt es ja einen Bikini-Lauf, bei dem es darum geht, wie man in Form ist.

Es haben auch Kandidatinnen mitgemacht, die nicht superschlank waren. Und das war auch kein Problem, denn bei der Anmeldung gibt es keine Vorgaben, wenn man sich anmeldet, wie dünn oder wie groß man sein muss. Ich denke, es ist normal, dass man seinen Körper zeigt. Es zählt nicht, die beste Figur zu haben, sondern dass man zeigt, dass man sich in seinem Körper wohlfühlt – auch wenn man vielleicht ein bisschen mehr wiegt oder mit irgendetwas unzufrieden ist.

Wie ist es, wenn Sie im Bikini von Männern im Publikum fotografiert werden?

Das muss einem von vornherein klar sein, wenn man an einer öffentlichen Veranstaltung teilnimmt. Wenn man sich in seinem eigenen Körper wohlfühlt, dann finde ich das nicht schlimm. Man stellt ja auch Fotos bei Instagram von sich rein, auf denen man vielleicht im Bikini ist. Ich finde, das ist dasselbe.

Gerade ist die „me too“-Debatte in aller Munde ist. Auch von Sexismus bei Schönheitswettbewerben ist die Rede. Haben Sie sich jemals bei einem Wettbewerb belästigt oder unwohl gefühlt?

Nein, noch nie. Beim Wettbewerb sind wir Mädels immer unter uns, da dürfen die Jungs nicht rein. Bei der Miss-Bremen-Wahl war das auch so, da wurde zeitgleich Mister Bremen gewählt. Wir waren alle getrennt in verschiedenen Räumen und jeder hatte seine eigene Garderobe.

Sie haben selbst keine negativen Erfahrungen gemacht. Finden Sie trotzdem, dass sich etwas an der Wahrnehmung von Frauen ändern muss?

Man merkt, dass Männer Vorurteile gegenüber Frauen haben. Natürlich ist das unfair, weil wir dieselben Rechte haben wie Männer und nur, weil wir Frauen sind, heißt das nicht, dass wir weniger wert sind. Es gibt viele Männer, die nur auf das Äußere achten.

Glauben Sie, man kann beides sein: Miss Germany und Feministin?

Ja, man kann beides sein. Wenn man Miss Germany ist, dann repräsentiert man auch die Stärke einer Frau und das, was man alles aus sich machen kann. Wir sind alle ganz normale Mädels, wir sind nicht 1,80 groß und haben nicht die besten Maße. Aber wir stehen zu unseren Körpern und zu dem, was wir sind. Ich finde, das ist eine Aussage an die anderen Jugendlichen, dass sie mehr Selbstbewusstsein entwickeln können. Man darf sich nicht hinter irgendeiner Mauer verstecken. Im Endeffekt bricht die sowieso zusammen. Man sollte stolz darauf sein, was man ist und aus einem geworden ist.

Glauben Sie, man kann einen Titel wie „Miss Germany“ auch nutzen, um eine Botschaft zu senden?

Auf jeden Fall. Mein Vorbild ist zum Beispiel Angelina Jolie. Ich finde es gut, wie sie sich für Frauenrechte einsetzt, für SOS-Kinderdörfer und Flüchtlinge. Sie ist eine starke Frau, die es so gesehen nur als Schauspielerin geschafft hat, so viel zu erreichen. Wenn man ihren Namen hört, dann weiß man auch, wofür Angelina Jolie steht – nicht nur fürs Schauspielern, sondern auch für eine Frau, die etwas verändern will in der Welt. Ich denke, das geht mit so einem Titel genauso. Wir stehen in der Öffentlichkeit und sind ein Vorbild, weil viele Mädels ähnliche Ziele haben.

Derzeit machen Sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Glauben Sie, Ihre Karriere nimmt einen anderen Verlauf, sollten Sie zur Miss Germany gewählt werden?

Nein, ich werde meine Ausbildung definitiv fortsetzen. Wenn ich Miss Germany werden sollte, wird das mein zweiter Job. Ich werde das nicht als Hobby sehen, sondern will den Menschen zeigen, dass man sich schön fühlen kann, auch wenn man nicht perfekt aussieht. Ich finde das sehr wichtig in Zeiten von Mobbing. Ich habe zum Beispiel zwei verschieden farbige Augen und wurde dafür in der Schule gehänselt. Weil ich anders war. Im Endeffekt habe ich gemerkt, dass ich mich dafür nicht schämen muss, denn das macht mich aus.

Das Interview führte Ina Bullwinkel

Zur Person: Patrizia Utz (21) wurde im vergangenen Jahr zur Miss Bremen gewählt. Zuvor war sie bereits Vize-Miss-Oldenburg. Bei der Miss-Germany-Wahl am kommenden Sonnabend im Europark Rust möchte die angehende Industriekauffrau den Sieg holen.

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