Mehrere Betreiber in der Innenstadt geben auf

Kantinen unter Kostendruck

Bremen. Zwei große Betriebskantinen in der Bremer Innenstadt werden bis zum Ende des Jahres schließen.
21.09.2013, 00:00
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Kantinen unter Kostendruck
Von Jan Raudszus
Kantinen unter Kostendruck

Ndayakumaran Mayorandan und seine Frau Nirmala betreiben die Kantine im Landgericht Bremen.FOTO: JANA EUTENEIER

Jana Euteneier

Bremen. Zwei große Betriebskantinen in der Bremer Innenstadt werden bis Ende des Jahres schließen. Die Kantine des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr stellt Ende dieses Monats den Betrieb ein. Im „brill bel étage“ im Brillissimo geht es noch bis Ende Dezember weiter. Dass Betriebsrestaurants Schwierigkeiten haben, ist kein Einzelphänomen, aber nicht bei allen sind die Auswirkungen so gravierend.

In der Innenstadt werden bis Ende des Jahres zwei große Betriebskantinen geschlossen. Das Restaurant im Gebäude des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr in der Ansgaritorstraße beendet den Betrieb bereits Ende September. Im „brill bel étage“, dem Restaurant der Sparkasse im Brillissimo, geht es wie berichtet noch bis Ende des Jahres weiter. Allerdings sind nicht alle Betriebskantinen im Innenstadtbereich bedroht.

Im Fall des „brill bel étage“ gibt die Sparkasse betriebswirtschaftliche Gründe für die Schließung an. Seit dem Umzug in das Brillissimo habe sich die Zahl der Mitarbeiter, die dort essen, halbiert. Deswegen mache es wenig Sinn, die Mahlzeiten weiterhin zu bezuschussen, hieß es seitens des Unternehmens.

Der Pächter der Kantine beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Jörg Hagens, nennt ebenfalls wirtschaftliche Probleme als Grund für die Aufgabe. „Wirtschaftlich ist es so, dass sich das nicht mehr rechnet. Alles ist teurer geworden: Wasser, Strom und die Lebensmittel. Aber man kann die Kosten nicht so direkt an die Kunden weitergeben, wie man das müsste. Sonst bleiben die Gäste weg“, sagt Hagens. Nach Angaben einer Behördensprecherin wird es zunächst keinen neuen Kantinenbetreiber geben. Aber es würden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie ein Essensangebot weiterhin zur Verfügung gestellt werden könne.

Betriebskantinen konkurrieren mit anderen Restaurants in der Innenstadt um Mittagsgäste. Der Dachverband der Gastronomen sieht das jedoch nicht als Problem. „Betriebskantinen sind Teil des üblichen Wettbewerbs um Kunden“, sagt Thomas Schlüter, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Bremen. Eine unzulässige Konkurrenz zu den normalen Restaurants sieht er nicht. „Wenn Unternehmen das Essen ihrer Mitarbeiter bezuschussen, ist das deren Geld“, so Schlüter. Das seien ja dann für das Unternehmen auch ganz normale Kosten. Etwas anders verhalte es sich bei den Mensen der Uni oder der Hochschule. Dort werde das Essen mit öffentlichen Mitteln subventioniert, und da müsse dann schon anständig kontrolliert werden, dass nur Studierende von den niedrigeren Preisen profitieren. Andernfalls komme es zu einer Verzerrung des Wettbewerbs, sagt Schlüter. Er betont aber: „Vielfalt belebt das Geschäft.“

Einigen Betreibern von Betriebskantinen geht es richtig gut. Ndayakumaran Mayorandan führt zusammen mit seiner Frau Nirmala seit knapp einem Jahr die Kantine im Landgericht. Am Anfang habe er sich noch etwas Sorgen gemacht, dass es schwierig werden könnte, sich zu etablieren. Doch inzwischen laufe das Geschäft gut, sagt Mayorandan. Einige Kunden würden von der Sicherheitskontrolle des Landgerichts abgeschreckt, weil sie befürchteten, dass diese auf Kosten ihrer Mittagspause ginge. Trotzdem gebe es keine Probleme. Gäste kämen nicht nur aus dem Landgericht selbst, sondern auch aus den umliegenden Geschäften und Büros. Mayorandan schaut zuversichtlich in die Zukunft.Wenn man sich an der Domsheide fest etabliert habe, dann könne man vielleicht sogar expandieren.

Worin die Schwierigkeiten einer Kantine bestehen können, erklärt Helga Raschdorf. Sie betreibt das Restaurant in der Bremer Agentur für Arbeit an der Doventorstraße. Es liegt im fünften Stock des Gebäudes und bietet dadurch einen weiten Blick über die Stadt. Seit 15 Jahren ist Raschdorf dort die Chefin, vorher leitete sie elf Jahre eine Werkskantine in Bielefeld. Sie beobachtet, dass das Geschäft in den letzten Jahren härter geworden sei. Dafür sei eine Reihe von Gründen verantwortlich. Die Leute würden trotz niedriger Preise weniger Geld für Essen ausgeben. Außerdem seien die Pausen strikter geworden, sodass viele Angestellte nicht mehr so viel Zeit hätten für das Mittagessen. Viele nutzten ihre halbe Stunde, um sich die Füße zu vertreten und draußen eine Kleinigkeit zu essen. Besonders für Raucher sei diese Alternative attraktiv, da das Rauchen seit einigen Jahren in der Kantine verboten ist. Um dem Bedürfnis nach frischer Luft entgegenzukommen, habe sie auch die Möglichkeit geschaffen, Essen aus der Kantine mitzunehmen. „Man muss sich halt etwas einfallen lassen“, sagt Helga Raschdorf. „Nur mit dem Standardgeschäft geht es nicht mehr.“

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