Hans-Dieter Renken stimmt das Programm des Konzerts am Sonntag auf den Jahrestag der Terroranschläge ab Kantor komponiert in Gedenken an 9/11

Lesum. Mit Orgelmusik beginnt seit Jahren die musikalische Saison der Lesumer St. Martini-Gemeinde am zweiten Sonntag im September, am "Tag des offenen Denkmals". Dieses Mal fällt der Termin auf den zehnten Jahrestag der Anschläge auf die Türme des World Trade Centers in New York und weitere Ziele in den USA. Anknüpfend an zahlreiche Gedenkveranstaltungen hat Kantor Hans-Dieter Renken das Konzertprogramm inhaltlich auf den Jahrestag abgestimmt.
10.09.2011, 05:00
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Kantor komponiert in Gedenken an 9/11
Von Julia Ladebeck

Lesum. Mit Orgelmusik beginnt seit Jahren die musikalische Saison der Lesumer St. Martini-Gemeinde am zweiten Sonntag im September, am "Tag des offenen Denkmals". Dieses Mal fällt der Termin auf den zehnten Jahrestag der Anschläge auf die Türme des World Trade Centers in New York und weitere Ziele in den USA. Anknüpfend an zahlreiche Gedenkveranstaltungen hat Kantor Hans-Dieter Renken das Konzertprogramm inhaltlich auf den Jahrestag abgestimmt.

Im Mittelpunkt steht der Psalm 130 und die Bearbeitung des Themas von Martin Luther in seinem Lied "Aus tiefer Not schrei ich zu dir". Der Psalm 130 gehört zu den Buß- und Klagespalmen und regte Komponisten über Jahrhunderte zu Vertonungen an. Im St.Martini-Konzert spielen die Musiker mehrere Variationen, darunter als Uraufführung auch eine Komposition von Hans-Dieter Renken. Der Kantor selbst wird an der Orgel zu hören sein, Jenny Westmann spielt die Gambe, als Tenor steht Jan Hübner auf der Kirchenbühne.

Zum Inhalt des Psalms erläutert Renken: "Es ist ein Psalm, der aus einer großen Angst heraus entstanden ist." Dabei gehe es weniger um eine Angst, die durch äußerliche Dinge - beispielsweise eine Bedrohung durch Feinde - entstehe, sondern vielmehr um die auch lutherisch gedachte Frage: Wie bestehe ich mit meinem Handeln vor Gott? "Der Psalm endet mit der Hoffnung auf Gottes Gnade", sagt Hans-Dieter Renken.

"Komposition bricht plötzlich ein"

Das Konzert beginnt mit der dritten Orgelsonate von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847). Er bearbeitete den Psalm 130 im Jahr 1830 nach der Version von Martin Luthers Lied. "Interessant ist bei dieser Komposition, dass sie in einem strahlendem Dur fröhlich und großartig beginnt und dann plötzlich einbricht. Ich finde, dass dieses Stück zu den schrecklichen Ereignissen am 11. September passt", sagt der Kantor.

Das zweite Stück, eine Choralbearbeitung des Themas von Johann Sebastian Bach (1685-1750), ist um 1707/1708 in Mühlhausen entstanden. "Es ist ein sehr dicht gearbeitetes Stück", beschreibt Renken die Besonderheit dieser Komposition. Als weitere Variation hat der Lesumer Kantor eine Bearbeitung des Komponisten und Thomaskantors Johann-Hermann Schein (1586-1630) ausgewählt. Das geistliche Konzert komponierte Schein im Jahr 1617. Auf eine Fantasie und Fuge g-moll von Bach folgt schließlich die Komposition von Hans-Dieter Renken. Zu den Besonderheiten seines Stücks erläutert er: "Ich habe den lateinischen Text verwendet. Im ersten Teil kommt noch einmal die Melodie von Luther vor, allerdings ein wenig versteckt. Das Stück ist wie eine Art Nachklang auf die Variationen vorher. Der zweite Teil ist dann eine längere Komposition nach Art der Passacaglia." Die Passacaglia, ursprünglich ein instrumental ausgeführter spanischer Tanz, ist mit einem immer wiederkehrenden Bass ausgestattet, über

den Variationen gesetzt werden. Beim Komponieren hat sich Renken vor allem mit dem Inhalt des Psalms 130 auseinandergesetzt. Die Eindrücke der Bilder von den Anschlägen im Jahr 2001 spielten keine Rolle. Er sagte: "Wenn ich mir die Bilder vor Augen geführt hätte, wäre die Umsetzung vielleicht etwas bildhafter geworden, aber das wollte ich gar nicht. Ich denke, das ist schwierig und einfach zu platt. Das Leid der Menschen kann man so nicht ausdrücken, das wäre mir zu oberflächlich."

Das Orgelkonzert zum Auftakt der musikalischen Saison in der Lesumer St.Martini-Kirche, Hindenburgstraße, beginnt am Sonntag, 11. September, um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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