Bremer Künstlerin beweist im Overbeck-Museum viel Dynamik und berichtet über Hintergründe ihrer Arbeit Karin Friedrichs führt durch Werkschau

Vegesack. "Künstler brauchen Betrachter beziehungsweise Menschen, die denken wollen." Mit diesem Ausspruch bedankte sich Karin Friedrichs bei dem Gast, der noch kurz vor der Führung durch das Overbeck-Museum auf die Künstlerin zugekommen war und gestanden hatte, zwei ihrer Werke in seinem Wohnzimmer platziert zu haben. Beiderseitige Anerkennung, die am Sonntagvormittag nicht alleine bleiben sollte. Karin Friedrichs präsentierte ihre ausgestellten Werke - die Besucher waren begeistert.
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Von IRIS MESSERSCHMIDT

Vegesack. "Künstler brauchen Betrachter beziehungsweise Menschen, die denken wollen." Mit diesem Ausspruch bedankte sich Karin Friedrichs bei dem Gast, der noch kurz vor der Führung durch das Overbeck-Museum auf die Künstlerin zugekommen war und gestanden hatte, zwei ihrer Werke in seinem Wohnzimmer platziert zu haben. Beiderseitige Anerkennung, die am Sonntagvormittag nicht alleine bleiben sollte. Karin Friedrichs präsentierte ihre ausgestellten Werke - die Besucher waren begeistert.

"Ein grandioses Erlebnis!" Gleich drei Besucherinnen outen sich im Overbeck-Museum als Fans der derzeit ausstellenden Künstlerin Karin Friedrichs. Das Ereignis, das sie so faszinierte, liegt noch gar nicht so lange zurück und ist über ein kleines, aufgebautes Notebook digital zu verfolgen. Am 31. Oktober 2010 gestaltete die Künstlerin zwei große Leinwände. An sich ja nichts Ungewöhnliches, doch diese Aktion "Theatermatinee" im Schauspielhaus Bremen war eine "Weltpremiere". Zu Klängen von Moschinsky und Brahms, gespielt von Tanja Tetzlaff (Violoncello), Marco Thomas (Klarinette) und Liga Skride (Piano) ließ Karin Friedrichs "Farbklangfarbe" entstehen, setzte also die "Musik in großflächigen Bildern" um.

Wenn es auch das erste Mal vor großem Publikum war, diese Form ist ihr laut eigener Aussage gar nicht so fremd: "Ich male immer zur Musik - manchmal male ich dann auch, was ich höre." Das spiegelt sich in breiter Vielfalt in ihren in Vegesack gezeigten Werken wider. Die Werkschau der Bremer Künstlerin könnte durchaus unter dem übergeordneten Motto "Bewegung" laufen. Denn: Dynamik liegt in der Luft, schon beim Betreten der ersten Kulturetage an der Alten Hafenstraße.

Alles scheint im Fluss

Die drei "Schwebenden" hängen zwar wegen der Tiefe der Deckenbalken im Overbeck Museum an der Seitenwand, sind deshalb nicht drehbar und demonstrieren somit auch nicht ihre wandelbare Rückseite. Dennoch: Ob die Schwebenden, die Skulptur "Tanz in der Tür", ob gemalte Szenerien des Tanztheaters oder die direkte Aufforderung auf Spiegelglas "let us move on to new shores" - bei Karin Friedrichs scheint im wahrsten Sinn des Wortes alles im Fluss zu sein.

Das spiegeln nicht nur ihre Werke, sondern ebenso die Materialien. Die sind nämlich höchst unterschiedlich. Ihre Form des Ausdrucks setzt Karin Friedrichs in vielen Variationen um. Ob Sperrholz behandelt mit Acryl und Bootslack, Mischtechnik auf Leinwand und Papier, Tusche auf Papier, Siebdruck, Sand und Farbe auf Wellpappe oder Glasfarbe auf Spiegel und Normalglas, oder die eigene "Esszimmertür", die samt Zarge als Standbild für die darin befestigte drehbare Skulptur "dran glauben musste" - Karin Friedrichs experimentiert mit den Materialien und Kunststilen und bleibt doch immer ihrer eigenen Richtung treu - dem Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, dunkel und hell, alt und neu.

Karin Friedrichs verwebt ihre Erfahrungen als studierte Sängerin mit der Malerei, setzt das moderne Tanztheater mit Choreografien von Johann Kresnik und Reinhild Hoffmann in ihre malerisch umgesetzte Szene und hält auch während der Führung mit Gästen durchaus nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg: "Fidelio von Kresnik war fürchterlich." Während die große Theaterleinwand mit schwarzen und roten Tönen die von Karin Friedrichs als "düster" empfundene Stimmung wiedergibt, liegt gleich daneben ein dickes Buch mit Dutzenden von Seiten, auf denen Karin Friedrichs während der "Fidelio"-Proben nicht nur kleine, schnelle Zeichnungen festhielt, sondern auch Szenerien, Worte oder Sätze, die während der Proben fielen.

Da erfährt der Gast beispielsweise, dass der Darsteller des " Don Pizarro" protestierend von der Bühne stürmte, weil ihn drei Mitstreiter laut Regieanweisung von Kresnik mit Bier bespritzen sollten, dieser lautstarke Bühnenabgang von der Hälfte des Orchesters mit Applaus begleitet wurde und Kresnik seinerseits mit verbalen Kraftausdrücken diese Haltung kommentierte.

Für die international anerkannte Künstlerin Karin Friedrichs ist alles, was sie täglich erlebt, eine Form der Kunst. Denn: "Ein Künstler ist wie ein Baum. Der hat Wurzeln, daraus wächst ein Stamm, Zweige, Äste, Blätter. Aus dem einen erwächst somit das nächste - beim Baum und beim Künstler", erklärt Karin Friedrichs sehr stimmig ihre Werke, die so eine breite Vielfalt bieten und dennoch so stark in ihrer verwurzelten Bedeutung sind.

Die Werkschau der Bremer Künstlerin Karin Friedrichs ist noch bis Sonntag, 16. Januar 2011, zu sehen, wird an diesem Tag mit einer Finissage ab 11.30 Uhr beendet (an diesem Tag wird die Künstlerin ebenfalls anwesend sein). Führungen mit der Kunsthistorikerin Regina Gramse durch die Ausstellung werden noch am Sonntag, 19. Dezember, sowie Sonntag, 9. Januar, jeweils ab 11.30 Uhr angeboten. Weitere Infos auch per Internet: www.overbeck-museum.de.

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