Flug-Simulator am Bremer Airport Karussell für Erwachsene

Da wird so manch ein Kindertraum wahr: Im neuen Simulator am Bremer Flughafen dürfen auch Menschen ohne Flugschein am Steuerknüppel die Kontrolle übernehmen. Wir haben es ausprobiert.
15.02.2015, 11:04
Lesedauer: 2 Min
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Karussell für Erwachsene
Von Nikolai Fritzsche

Fragt man Kinder nach ihrem Berufswunsch, lautet eine der häufigsten Antworten: Pilot. Im Flugzeug dürfen die Kleinen – eher als die Großen – ins Cockpit, um Kapitän und Kopilot über die Schulter zu schauen. Wenn die Faszination für das Fliegen über die Jahre erhalten bleibt, ist Zugucken irgendwann nicht mehr genug. Im neuen Simulator am Bremer Flughafen dürfen auch Menschen ohne Flugschein am Steuerknüppel die Kontrolle übernehmen. Wir haben es ausprobiert.

Nur zwei kleine Lampen sind eingeschaltet. Trotzdem ist es relativ hell, denn eine Unmenge von Anzeigen und Kontrollleuchten übermittelt fortlaufend Informationen, mit denen ich nichts anfangen kann. Zum Glück bin ich nicht alleine hier: Jan Rauch ist Berufspilot und hat schon über 10.000 Stunden im Cockpit verbracht. Mit seiner Hilfe sollte ich diesen Vogel doch unter Kontrolle bekommen.

Der Vogel ist ein Airbus A320, eines der meistgebauten Passagierflugzeuge der Welt – und im Moment noch nicht mein Freund. „Nicht zu sehr in Schräglage gehen“, sagt Jan. Ich drücke den Steuerknüppel nach rechts, bis der Horizont vor meinen Augen wieder einigermaßen gerade ist. Ich weiß, dass ich auf eine Video-Projektion von Bremen starre, habe aber trotzdem Angst, abzustürzen und ein schönes Gebäude kaputt zu machen.

„You have control“

Dass es mir so vorkommt, als würde ich tatsächlich ein Flugzeug steuern, liegt vermutlich daran, dass ich nicht in irgendeinem Nachbau sitze, sondern in einem echten Cockpit. Es gehört zu einem A320 der Air France, der zwanzig Jahre lang auf Kurz- und Mittelstrecken unterwegs war. Als der Flieger dann im vergangenen Jahr außer Dienst gestellt wurde, war das Cockpit zu verkaufen. Seit wenigen Tagen steht es, zum Simulator umgebaut, im Bremer Flughafen.

Während Jan pausenlos an Knöpfchen und Reglern herumdrückt und -dreht, versuche ich, das virtuelle Flugzeug gerade zu halten. „You have control“ waren seine Worte, als ich meinen Platz eingenommen und mich angeschnallt hatte. Naja. Erst mit der Zeit bekomme ich ein Gefühl dafür, wie stark ich den Knüppel bewegen muss, wenn Jan sagt: „Zieh die Nase mal ein bisschen hoch, wir wollen doch noch nicht landen. Oder siehst du den Flughafen schon?“ Ich ziehe den Steuerknüppel nach hinten und die Triebwerke heulen auf. Unter uns zieht der Bürgerpark vorbei.

Flugsimulatoren für Laien gibt es in Deutschland reichlich, aber nur vier von ihnen haben ein Original-Cockpit zu bieten. Bis vor Kurzem stand der nächstgelegene Simulator dieser Art in Berlin. Alle Instrumente sind echt und haben die gleiche Funktion wie in einem richtigen Flugzeug. Bei meinem Testflug benutze ich aber nur den großen Schubhebel in der Mitte und den Steuerknüppel.

Bevor es losging, hatte ich die Wahl aus mehr als tausend Flughäfen und verschiedenen Wetterbedingungen. Ich habe mich für einen Rundflug über Bremen bei Sonnenschein entschieden.

Im Landeanflug auf den Bremer Flughafen kommt es mir so vor, als würde die Nase des Airbus gleich die Erde aufkratzen. „Das sieht nur so aus, wir sind auf Kurs“, beruhigt mich mein Kopilot Ich soll einfach geradeaus fliegen und langsam sinken. Jan drückt wieder einen Knopf, und wir hören das Geräusch eines ausklappenden Fahrwerks.

Tatsächlich ist wenig später ein intakter A320 auf der Landebahn zu sehen; wir haben offensichtlich überlebt. Wenn das hier ein Passagierflug wäre, hätte nach dieser Landung aber bestimmt niemand geklatscht.

Ein Simulatorflug dauert inklusive Einweisung 90 Minuten und kostet 189 Euro für Einzelpersonen bzw. 99 Euro pro Person für Zweier-Teams. Der Simulator steht im Terminal 3 des Bremer Flughafens. Buchen kann man im Internet auf www.flugsimulator.com oder per Telefon unter 0421/2413370.

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