Tischreden und Austausch beim zweiten Bremer Frauenmahl in St. Stephani

Katharinas Schwestern

Altstadt. Die weibliche Seite der Reformation wird immer noch wenig beachtet. Und das, obwohl sich viele Frauen der Bewegung angeschlossen und sie tatkräftig unterstützt haben.
10.08.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Britta Kluth

Altstadt. Die weibliche Seite der Reformation wird immer noch wenig beachtet. Und das, obwohl sich viele Frauen der Bewegung angeschlossen und sie tatkräftig unterstützt haben. Allen voran Katharina von Bora, die Ehefrau des Reformators. Aber auch Felicitas von Selmenitz, der Martin Luther ein Exemplar seiner Bibelübersetzung aus dem Jahr 1534 schenkte, setzte sich für Veränderungen ein. Oder Brigitta Wallner, die wegen ihres Auftretens für die protestantische Lehre und für Glaubensfreiheit im Gefängnis saß.

Beim zweiten Bremer Frauenmahl soll die Praxis der Tischreden im Hause Luther wieder aufleben. In der Kulturkirche werden Frauen am Donnerstag, 31. August, von 18 bis 22 Uhr gemeinsam speisen, reden und sich austauschen. Sechs Tischrednerinnen werden das vegetarische Drei-Gänge-Menü begleiten. Die Pianistin Minako Schneegass spielt für die Gäste. Eine verbindliche Anmeldung ist bis Dienstag, 15. August, erforderlich.

Das Frauenmahl ist ein Beitrag zur Reformationsdekade der Evangelischen Kirche in Deutschland. Luther sei es in seinen Tischreden gelungen, Theologie und Alltag überzeugend zusammenzubringen, schreibt Ulrike Wagner-Rau auf der Homepage der Initiative. Die Professorin für Praktische Theologie war Mitorganisatorin des ersten Frauenmahls 2011 in Marburg und schätzt dieses Format. 2013 hat die Kulturkirche St. Stephani erstmals zum genussvollen Diskurs über die Zukunft von Kirche und Religion eingeladen. Das zweite Frauenmahl in der Hansestadt steht unter dem Motto „Ich stehe hier und kann nicht anders – Frauen übernehmen Verantwortung“.

Von Wittenberg und der Wartburg aus verbreiteten sich die Ideen der Reformation in ganz Deutschland und in den Nachbarländern. „Die Reformation wurde auch durch das Wirken von Frauen ermöglicht“, sagt Theresa Pieper, die Gleichstellungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche. „Sie haben Verantwortung übernommen, sich in vielfältiger Weise für die Sache engagiert und die Entwicklung vorangetrieben.“

So verfassten Luthers Zeitgenossinnen religiöse Schriften und Texte für Kirchenlieder oder betätigten sich als „Netzwerkerinnen“, indem sie Glaubensflüchtlinge beherbergten oder ihr Haus als Treffpunkt zur Verfügung stellten. „Für unsere Vorträge haben wir sechs Rednerinnen mit bemerkenswerten Biografien gewinnen können“, freut sich die Pastorin der Kulturkirche, Diemut Meyer. „Uns interessiert, woher sie die Motivation für ihr Engagement nehmen. Und welche Rolle ihr Frausein für ihre berufliche Situation gespielt hat, aber auch, welche Chancen daraus erwachsen sind.“

Für Ulrike Hauffe steht fest, dass Frauen schon immer Verantwortung in und für die Gesellschaft übernommen haben. „Manchmal ist es eine öffentlich unbemerkte Verantwortung, häufig sogar ungewürdigt“, sagt die scheidende Landesgleichstellungsbeauftragte, die auf der Rednerinnenliste steht. „Die Frauenbewegungen haben vieles bewirkt. Frauen haben sich eingemischt, um ein gleichberechtigtes Miteinander aller zu ermöglichen. Luthers Ausspruch ,Ich stehe hier und kann nicht anders‘ können auch die vielen engagierten Frauen für sich in Anspruch nehmen.“ Sie will darüber reden, mit welchen Herausforderungen und Chancen dieses Engagement verbunden ist und zugleich auf 23 Jahre als Landesfrauenbeauftragte zurückblicken. „Mit der Reformation wurde Freiheit zum zentralen Begriff im Glauben“, sagt Hauffe. „Für Frauen ist Freiheit, also selbstbestimmt zu leben, bis heute zentral, und zwar in allen Lebensbereichen – egal ob es um berufliche Aufstiegschancen oder Lebensentwürfe geht.“

Auch Katrin Schmohel aus der Vahr wird bei Tisch reden. Die heute 36-Jährige leitet seit zwei Jahren die Kindertagesstätte der evangelischen Immanuel-Gemeinde in Walle. „Ich bin schon sehr gespannt, was sich aus dem gemeinsamen Austausch ergeben wird“, sagt Katrin Schmohel. Sie will über ihre berufliche Motivation sprechen und darüber, was ihre Position mit sich bringt. Bevor Katrin Schmohel die Leitung der Kita übernommen hat, war sie dort 13 Jahre lang als Erzieherin tätig. „Ich weiß, wie wichtig es ist, eine entspannte Arbeitsatmosphäre zu schaffen“, sagt sie. „Die Zufriedenheit der Erzieherinnen und Erzieher überträgt sich auf die Kinder, was sich wiederum auf die Erwachsenen auswirkt.“ Das sei ein Kreislauf, den alle gemeinsam in Gang halten müssten. Als Schwerpunkte hat die Kita gewaltfreie Kommunikation und Friedenserziehung. Das kommt Katrin Schmohel sehr entgegen. „Es erleichtert den Alltag und den Umgang miteinander, wenn man in Konfliktsituationen gemeinsam friedliche Lösungen entwickelt“, weiß sie. Im Laufe der Jahre habe sie genauso von den Kindern lernen können wie umgekehrt. Auch das mache ihren Beruf so schön und vielfältig.

Die weiteren Tischrednerinnen sind Edda Bosse als Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Esther Schröder von der Arbeitnehmerkammer Bremen, Doris Heitkamp-König als Leiterin des Mercedes-Benz Kundencenters Bremen und Yasemin Karakaşoğlu, Professorin für Internationalität und Diversität an der Uni Bremen. Katharina von Bora war nie in Bremen, aber sie ist in den Museen Böttcherstraße auf einem der Bilder aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren präsent. Und in Greifswald sind auch Porträts von ihr bis 3. September unter dem Titel „Luthers Norden“ zu sehen.

Das Frauenmahl ist am Donnerstag, 31. August, von 18 bis 22 Uhr in der Kulturkirche St. Stephani. Die Teilnahme kostet 35 Euro, ermäßigt 25 Euro. Anmeldungen bis Dienstag, 15. August, telefonisch unter 559 72 61 oder per E-Mail an annika.kluge@kirche-bremen.de.
„Die Frauenbewegungen haben vieles bewirkt.“ Ulrike Hauffe
„Ich weiß, wie wichtig eine entspannte Arbeitsatmosphäre ist.“ Katrin Schmohel
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