Das Blaue Sofa

Kathrin Klug verabschiedet sich nach achteinhalb Jahren

Gröpelingen. „Ich empfinde es als ein Geschenk, dass ich dafür bezahlt wurde, dass mir tolle Bücher vorgelesen wurden“, erklärt Kathrin Klug. Denn insgesamt 65 Gröpelinger stellten der Germanistin und Historikerin aus dem Steintor ihre schönsten Schmöker vor, seit sie 2001 die Organisation der Reihe „Das Blaue Sofa“ übernahm.
12.01.2010, 08:24
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Von Anne Gerling
Kathrin Klug verabschiedet sich nach achteinhalb Jahren

Nach achteinhalb Jahren ist für Kathrin Klug „Schluss“ mit dem Blauen Sofa. Die Germanistin betreute so lang

Frei

Gröpelingen. „Ich empfinde es als ein Geschenk, dass ich dafür bezahlt wurde, dass mir tolle Bücher vorgelesen wurden“, erklärt Kathrin Klug. Denn insgesamt 65 Gröpelinger stellten der Germanistin und Historikerin aus dem Steintor ihre schönsten Schmöker vor, seit sie 2001 die Organisation der Reihe „Das Blaue Sofa“ übernahm.

„Gröpelinger lesen aus ihren Lieblingsbüchern vor“: So lautete das Konzept für den 45- bis 60-minütigen „literarischen Feierabend für Erwachsene“. An acht Abenden pro Jahr lud dafür Kultur vor Ort in Kooperation mit der Stadtbibliothek West jeweils auf das Sofa in der Bücherei ein.

Als „bildungsproblematisch“ mag Gröpelingen in der Außenwahrnehmung erscheinen – mit dem „Blauen Sofa“ wollte man deshalb den Beweis antreten, dass im Stadtteil engagierte und intelligente Leser leben. Und die gibt es, wie Kathrin Klug immer wieder feststellte – auch wenn sie nicht gerade von sich aus Schlange standen, um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Man ist im Westen eben eher zurückhaltend. Also guckte sich Klug geeignete „Kandidaten“ aus, die sie gezielt und mit Fingerspitzengefühl ansprach. „Es haben nicht viele Leute geschafft, bei mir nein zu sagen“, grinst sie – und versichert: „Ich habe aber nie jemanden überredet.“

Nur drei Zuhörer kamen zu Klugs erster Veranstaltung; damals nahm ein Lehrer auf dem „Blauen Sofa“ Platz, der prompt sein Buch vergessen hatte. „Dann lesen Sie jetzt das hier“, improvisierte Kathrin Klug und zog ein anderes Werk desselben Autors aus dem Regal. „Und es war klasse.“

Das Konzept kam an, wie sich schon nach drei Veranstaltungen zeigte. Zu Gast war Halime Cengiz, die Mädchen- und Frauenbeauftragte der Gröpelinger Mevlana-Moschee. „Das war mit 80 Personen unsere bestbesuchte Lesung“, erinnert sich Klug. Immer wieder geschah Unerwartetes, mal wurde etwa zweisprachig vorgetragen, ein Buch lieber spontan nacherzählt statt vorgelesen oder auch mal die literarische Vorlage frei weitergesponnen.

Am besten gefallen hat der 39-Jährigen die Lesung mit Barbara Bugiel. Die stellvertretende Schulleiterin der Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule hatte das Buch „Die Klatschmohnfrau“ von Noelle Chatelet mitgebracht. Darin reißt unerwartet die Liebe eine ältere Dame aus dem gewohnten Alltagstrott. „An dem Abend waren so gut wie nur Frauen da“, beschreibt Klug die Atmosphäre, „und es gab Gekicher im Publikum, viele saßen mit roten Wangen da. Toll!“ Auch wenn es ursprünglich nicht so geplant war, gelegentlich wurde im Anschluss an die Lesungen auch diskutiert, etwa über die Bestseller „Wüstenblume“ der Somalierin Waris Dirie und „Dschungelkind“ von Sabine Kuegler.

Insgesamt 66 Lesungen hat Kathrin Klug betreut, einmal las sie sogar selbst. An ihre Jahre auf dem „Blauen Sofa“, die gute Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek und vor allem die vielen interessanten Gäste, die sie jeweils auf ihre Art berührten, denkt sie gerne zurück.

Ein wenig stolz macht sie, dass explizit das „Blaue Sofa“ gelobt wurde, als die Bibliothek 2004 bei der Verleihung des dritten Bibliothekspreises der VGH-Stiftung mit einem „Sonderpreis für stadtteilorientierte Bibliotheksarbeit“ ausgezeichnet wurde. Und dass es inzwischen auch in Huchting ein „Huchtinger Literatursofa“ gibt.

2010, so Christiane Gartner vom Verein Kultur vor Ort, soll das „Blaue Sofa“ unter neuer Leitung starten. „Jemand soll es weiter wachsen lassen“, wünscht sich auch Kathrin Klug. Wenn auch nicht mehr auf dem „Blauen Sofa“, Gröpelingen bleibt Kathrin Klug als Stadtführerin durch den Hafen und die Getreideverkehrsanlage auch weiterhin treu.

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