Aufräumaktion „Clean up your City“

Müllsammler bei 30 Grad

Unter dem Motto „Nicht mein Müll, aber mein Planet“ ruft Katrin Zeise einmal im Monat zur öffentlichen Aufräumaktion in Bremen auf. Mit ihrem Beitrag zum Umweltschutz will sie auch andere zum Handeln animieren.
12.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Müllsammler bei 30 Grad
Von Ulrike Troue
Müllsammler bei 30 Grad

Katrin Zeise initiiert regelmäßig "Clean ups" in Bremen. Die Idee fürs Müllsammeln im Überseepark hatte Jens Radke (r.)

Christina Kuhaupt

Statt sich im Schatten zu entspannen, waren trotz der Hitze von über 30 Grad Celsius rund 15 Bremerinnen und Bremer am vergangenen Sonntag auf und rund um den Spielplatz Überseepark in der Überseestadt als Müllsammler unterwegs. Die Freiwilligen haben bei dieser zweistündigen Aktion unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen drei große Müllsäcke gefüllt und rund 1800 Zigarettenkippen aufgesammelt. Ihr Lohn: ein Wassereis – und ein wieder blitzeblankes Ausflugsziel am Weserufer.

Sie sind dem jüngsten Aufruf der Initiative „Clean up your City – Bremen“ gefolgt. Katrin Zeise hat die öffentliche Aufräumaktion im Stadtraum im November 2019 ins Leben gerufen. Seither lädt die 45-Jährige unter dem Motto „Nicht mein Müll, aber mein Planet“ über Facebook und Instagram regelmäßig zu öffentlichen Müllsammelaktionen ein, gibt Tipps zur Müllvermeidung und bringt Menschen zusammen, die nicht bloß meckern, sondern handeln.

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„Anscheinend ist vielen Leuten das Bewusstsein für ihre Umwelt abhandengekommen: Sie begreifen nicht, dass sie selbst Teil davon sind“, sagt Zeise. „Wenn ich meine Umgebung sauber halte, dann tue ich das auch für mich, meine Gesundheit und die Menschen, die mir nahe stehen.“

Die erste Müllsammelaktion hat die Werbetexterin unter dem Motto „Findorff fairputzen“ im Torfhafen-Quartier organisiert. Seither konnte sie für zahlreiche folgende Clean-ups dort viele Freiwillige zum Aufsammeln von weggeworfenen Kippen, Kronkorken und Kaffeebechern animieren. „Auch Scherben und Spritzen waren schon dabei“, berichtet die 45-Jährige.

Ein „Zero-Waste-Buffet“ als kulinarische Belohnung

Bei den Findorffer Aktionen gab es sogar eine kleine kulinarische Belohnung für die bis zur 30 Helferinnen und Helfer im Alter von 17 bis über 70 Jahren: Katarzyna Swendrowski hat für sie ein „Zero-Waste-Buffet“ aufgetischt. Die Findorffer Umweltaktivistin rettet Obst und Gemüse, das nicht mehr zu verkaufen ist, ebenso Pflanzen.

Inzwischen haben sich der „Clean-up“-Termin an jedem ersten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr und ein fester Sammlerkreis nach Katrin Zeises Aussage in der Hansestadt etabliert. „Das Schöne ist, dass man am Ende ein sichtbares Erfolgserlebnis hat: einen sauberen Platz und Säcke mit Müll„, bringt es die Umweltaktivistin auf den Punkt. „Nach jedem 'Clean-up' gehen wir zufrieden nach Haus und hoffen, dass wir den ein oder anderen Passanten zum Nachdenken gebracht haben.“

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Die Sammelaktion, die von der Bremer Stadtreinigung unter anderem durch gratis Müllsäcke unterstützt wird, wurde inzwischen auf andere Stadtteile ausgeweitet und soll nach der viermonatigen Corona-Zwangsauszeit wieder regelmäßig stattfinden. „Auch im Viertel waren wir schon, und letzten Sonntag haben wir am Werdersee vor allem Kippen und Kronkorken eingesammelt“, erzählt die Bremerin aus Schwachhausen, die gern auch Anregungen für zu säubernde Orte annimmt und anderen ihre Unterstützung für ähnliche Umweltschutzaktionen anbietet.

Schon seit einigen Jahren beschäftigt sich die 45-Jährige mit dem Thema Müll. Aufgrund von Zeitungs- und Fernsehberichten habe sie sich mit der zunehmenden Vermüllung der Ozeane befasst, erzählt die ehrenamtliche Umweltaktivistin. Aus Interesse an Müllvermeidungsstrategien ist sie vor zwei Jahren auf die „Müll Challenge“-Kampagne der „Klimawerkstatt“ in der Neustadt aufmerksam geworden und hat sich der Müll-Arbeitsgemeinschaft angeschlossen.

Mitstreiter über Facebook finden

„Als die eingeschlafen ist, habe ich beschlossen, in dieser Sache aktiv zu bleiben und eine Facebook-Gruppe zu gründen“, erzählt Katrin Zeise. In der Hoffnung, Mitstreiter für ihr Ziel zu finden, „unsere lebenswerte Stadt vor der 'eigenen Tür' sauber zu halten“.

Die Social-Media-Strategie sei aufgegangen, freut sich die Umweltaktivistin, die unter anderem mit der „Klimawerkstatt“, der Bremer Stadtreinigung und dem BUND kooperiert und auch in die vom Senat geplante Sensibilisierungskampagne für Zigarettenmüll eingebunden ist. Über Social-Media-Kanäle gibt Katrin Zeise die Sammeltermine und -orte bekannt und rekrutiert „aus dem lockeren Verbund von Leuten, die sich in Bremen für Umweltschutz engagieren“, ebenfalls Helfer für kleinere „Feierabend-Clean-ups“ unter der Woche.

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Zu den Sammlern gehört Jens Radke. Dem aktiven Umweltschützer fällt auf, dass bei den „Clean-ups“ in Findorff häufig auch Familien mit Kindern und Studentinnen und Studenten aus dem Ausland mit anpacken. „Sogar Leute aus Bremerhaven machen mit“, erzählt er begeistert.

Reinemachen in der Überseestadt

Jens Radke hatte die Idee für das „Reinemachen“ in der Überseestadt. Als er während der „Lockdown“-Phase mit seinen Kindern im Überseepark unterwegs war, lasen sie an den Sitzbänken Unmengen an Zigarettenkippen auf, warfen sie dann in die nahe stehenden Papierkörbe. Schon auf dem Weg dorthin ärgerte sich der Findorffer Familienvater über weggeworfenes Plastik und anderen Müll in den Brachen und Grünanlagen der Überseestadt.

Diese Wegwerfmentalität ist ihm ohnehin ein Dorn im Auge. Er sammele auch auf der Runde mit seinem Hund immer wieder Müll, eigentlich ja Rohstoffe, auf, erzählt der Anpacker und zollt vielen Einzel-Sammlern Anerkennung, die seit Jahren für mehr Sauberkeit in der Stadt sorgen und es nicht an die große Glocke hängen. Die Stadtreinigung patrolliere zwar regelmäßig, merkt er an, „aber die Zigarettenkippen bleiben liegen.“

Weitere Informationen

Wer mehr über die Initiative „Clean up your city“ wissen oder sich ihr anschließen möchte, erreicht Katrin Zeise per E-Mail an cleanupyourcity@web.de. Informationen gibt es online unter www.facebook.com/cleanupyourcitybremen, www.instagram.com/cleanupyourcitybremen; www.bremen.de und https://allinfuerbremen.de/mitmachen/#cleanupyourcity.

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