Deutsche Bahn sieht sich nicht überall in der Pflicht zum Nachbessern Kein Anspruch auf leise Schwellen

Mitte/Fesenfeld/Gete/Hastedt. Auf den Eisenbahnstrecken nach Hannover und Osnabrück sind zwischen Hauptbahnhof und Hastedt schadhafte Schwellen erneuert worden. „Normalerweise sollten diese Schwellen 30 bis 40 Jahre halten“, sagt Walter Ruffler von der Bahnlärm-Initiative Bremen.
01.06.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Markwort

Mitte/Fesenfeld/Gete/Hastedt. Auf den Eisenbahnstrecken nach Hannover und Osnabrück sind zwischen Hauptbahnhof und Hastedt schadhafte Schwellen erneuert worden. „Normalerweise sollten diese Schwellen 30 bis 40 Jahre halten“, sagt Walter Ruffler von der Bahnlärm-Initiative Bremen. Der Anwohner der Roonstraße ist verärgert: „Diese sind nun schon nach wenigen Jahren rissig geworden, die Ursache ist ein Materialfehler.“

Es handele sich seiner Kenntnis nach um ein bundesweites Problem. Der Beton der von einem Betonwerk in Rostock hergestellten Schwellen enthalte Gips. Der quelle auf und zerstöre den Beton. Vor einiger Zeit hätten deswegen bereits sämtliche Schwellen auf der Strecke Hamburg/Berlin ausgetauscht werden müssen. Es sei ein Gewährleistungsfall, aber mittlerweile sei das Betonwerk in Konkurs gegangen.

Walter Ruffler hätte es gut gefunden, „wenn die Bahn bei der Gelegenheit gleich besohlte Schwellen einbauen würde, also Betonschwellen mit einer elastischen Beschichtung auf der Unterseite, die Erschütterungen und den sogenannten sekundären Luftschall dämpfen“.

Bereits nachdem ein Güterzug im Februar 2013 entgleist sei, hatten die Mitglieder der Initiative den Einbau besohlter Schwellen gefordert. Die Bremische Bürgerschaft hat am 8. März diesen Jahres einstimmig für besohlte Schwellen in Wohngebieten votiert. „Wäre die Bahn bereits für besohlte Schwellen sensibilisiert, wäre das jetzt eine gute Gelegenheit, die eine Strecke ohne Mehraufwand mit Erschütterungsschutz zu versehen“, bekräftigt Walter Ruffler noch einmal.

Sabine Brunckhorst vom Regionalbüro Hamburg der Deutschen Bahn AG bestätigt auf Nachfrage, dass die nun ausgetauschten Schwellen stark geschädigt waren. Die zwischen Hauptbahnhof und Hastedt verbaute Charge „ist leider von ihrer chemischen Zusammensetzung nicht dauerhaft beständig“. Risse seien die Folge. Die Bahnsprecherin betont: „Die neu einzubauenden Schwellen sind ,richtige‘ Schwellen. Ein Anspruch auf Ausrüstung mit besohlten Schwellen besteht nicht.“ Insgesamt waren laut Brunckhorst 6300 Schwellen auszuwechseln.

Gefragt, inwiefern die Deutsche Bahn den Anwohnerinnen und Anwohnern im betroffenen Bereich in Sachen Lärmschutz entgegenkommen kann, antwortet die Sprecherin des Unternehmens: „Im Bereich Bremen Hauptbahnhof sind bis Ende Geteviertel bereits Lärmschutzwände verbaut worden. Des Weiteren wurden auf rund 400 Metern Schienenstegdämpfer eingebaut. Zusätzlich werden im Rahmen des Schwellenwechsels in den Brückenbereichen St.-Jürgen-, Friedrich-Karl- und Steubenstraße ‚neu besohlte‘ Schwellen eingebaut.“

„Das wäre eine gute Gelegenheit, die eine Strecke mit Erschütterungsschutz zu versehen.“ Walter Ruffler
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