Textil-Ausstellung im Forum Mola Kunst widmet sich der Langeweile / 151 Künstlerinnen – und ein Künstler

Kein eintöniger Stoff

Langeweile ist ein Grundzustand des Menschen. Nicht nur Literaten und Philosophen haben sich seit Jahrhunderten mit diesem Thema befasst. Auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter des Textilen Gestaltens setzten sich zum Jahresbeginn damit auseinander. Entstanden ist eine beindruckende Wanderausstellung, die kürzlich im Forum Mola Kunst, Bremens einzigem Textil-Museum, eröffnet wurde.
23.10.2014, 00:00
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Von Christian Markwort
Kein eintöniger Stoff

Kuratorin Christel Walter (links) und Künstlerin Heidemarie Mönkemeyer empfinden die Ausstellung „Langeweile.Bordedum. Ennui“ von Gudrun Heinz als eine große Ehre für Bremens einziges Textil-Museum – und als echten Ritterschlag für die beteiligten Künstler.CM·

Petra Stubbe

Langeweile ist ein Grundzustand des Menschen. Nicht nur Literaten und Philosophen haben sich seit Jahrhunderten mit diesem Thema befasst. Auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter des Textilen Gestaltens setzten sich zum Jahresbeginn damit auseinander. Entstanden ist eine beindruckende Wanderausstellung, die kürzlich im Forum Mola Kunst, Bremens einzigem Textil-Museum, eröffnet wurde.

Christel Walter kann ihren Stolz kaum verbergen. „Es ist eine hohe Auszeichnung und große Ehre für unser kleines Museum, dass wir solch eine großartige Ausstellung in unseren Räumen präsentieren dürfen“, erklärt die Vorsitzende der gemeinnützigen „Günther und Christel-Walter-Stiftung“ anlässlich der Vernissage zur Ausstellung „Langeweile. Boredom. Ennui.“ im Forum Mola Kunst.

Es sei „schon immer ein großes Anliegen meines Mannes und mir gewesen, das Textile Gestalten endlich aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken“, sagt die glückliche Gastgeberin. Besonders die Arbeit mit Kindergarten-und Schulkindern liegen der 86-Jährigen am Herzen, „weil gerade Kinder ganz tolle Begabungen haben, von denen sie selbst oft gar nichts wissen“, verdeutlicht Christel Walter. Gemeinsam mit den Eltern wolle sie das Bewusstsein für diese Talente wecken und für Nachwuchs in einem aussterbenden Genre sorgen.

Nach diesem eindringlichen Appell übergab die Gastgeberin das Wort an Heidemarie Mönkemeyer, die in Vertretung der Initiatorin der Ausstellung, Gudrun Heinz, die Einführung in die Ausstellung übernahm. Die passionierte Stickerin erklärte die Hintergründe der Ausstellung, ehe sie die Besucher zum „Anschauen und Nachdenken“ einlud. Die Ausstellung sei das Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs, an dem sich im vergangenen Jahr 235 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligten, von denen eine Jury später 152 auswählte.

Von Russland nach Bremen

„Eine fachkundige Jury wählte insgesamt 150 Arbeiten aus 14 Ländern aus, die sich alle in ganz individueller Weise mit dem Thema Langeweile beschäftigt haben“, führt Mönkemeyer aus. Die Premiere der Wanderausstellung, die knapp zwei Jahre quer durch Europa unterwegs sei, habe im August 2013 anlässlich des „Festivals of Quilts“ im englischen Birmingham stattgefunden, „der Hochburg des Quiltens“, wie Mönkemeyer hervorhebt.

Anschließend sei die Ausstellung unter anderem in Russland, in der Tschechischen Republik sowie in der Schweiz zu besichtigen gewesen, bevor sie in Deutschland ihren Endspurt einlegte. „Dass uns die Mitglieder der Schweizer Gilde eingeladen haben, ist schon so etwas wie ein Ritterschlag für die Initiatorin Gudrun Heinz“, konstatierte Mönkemeyer, „schließlich sind die Schweizer Handwerksgilden sehr eigen und nehmen nicht jeden bei sich auf.“

In sämtlichen ausgewählten Exponaten – von den Juroren nach Qualität des Handwerks und der Nähe zum Oberthema ausgewählt – spiegele sich das rege Nachdenken über das Thema Langeweile wider. „Bei der künstlerischen Auseinandersetzung haben wir immer wieder festgestellt, dass gerade Langeweile ein reichhaltiger Quell der Inspiration sein kann“, verdeutlicht Mönkemeyer, die selbst mit einer Arbeit am Wettbewerb teilgenommen hatte. In ihrem Werk „Graue Langeweile“ gibt die Künstlerin mittels symbolträchtiger Darstellung ein Abbild vom langweiligen Leben und langweiliger Architektur.

Sämtliche Werke im Format DIN A4 seien auf schwarzen Trägerstoffen aufgebracht worden, „um die einzelnen Arbeiten besser zur Geltung kommen zu lassen“, erklärt Mönkemeyer während ihrer Einführungsrede. Davon würden nicht nur die Künstler profitieren, „auch die Besucher könnten sich voll auf die einzelnen Werke konzentrieren, die überraschenderweise auch häufig überaus bunt gestaltet worden sind“, verdeutlicht die künstlerische Koordinatorin. „Man würde nicht sofort darauf kommen, dass Langeweile auch so farbenfroh sein könnte“, sagt Mönkemeyer. Die Ausstellung zeigt, „dass durch Kreativität aus negativen Emotionen ganz schnell positive Gedanken entstehen können – wenn man es zulässt“, so Mönkemeyer.

Hiltrud Kodelka aus Osterholz findet beim Rundgang auf Anhieb Gefallen an einem Werk der Schweizer Künstlerin Marianne Ruf-Hänni. „Ich liebe Quilt-Arbeiten“, erklärt die Besucherin, die aber kein wirkliches Lieblingsstück gefunden habe. „Ich finde, dass alle Künstler Tolles geleistet haben“, betont sie. Dass unter den 150 Werken lediglich zwei Arbeiten von einem Mann zu finden sind, fällt einigen Besuchern sofort auf. Der Deutsche Thomas Hüttemann hatte sich bei seinen Patchwork-Bildern aus Tüll, Baumwolle und Handgesticktem gefragt, wie lange ein Akt-Modell vor seinen Zeichnern ausharren könne, ohne in Lethargie zu verfallen. „Sehr gelungen“, befindet nicht nur Maike Mosenhoffen aus Schwachhausen die beiden Kunstwerke des einzigen Mannes. Auch Birgit Bolte und ihre Tochter Laura aus Huchting sind fasziniert von diesem und den übrigen filigranen Werken. Die Ausstellung sei toll, erklärt die 15-jährige Schülerin aus Huchting, die selbst bei der Ausstellungsvorbereitung mitgeholfen hatte. Während eines Schulpraktikums war sie zwei Wochen im Forum tätig. „Meinen Mitschülern habe ich schon erklärt, wie viel Spaß Nähen, Stricken und Quilten macht“, versichert die Zehntklässlerin. Mola-Kunst-Stifterin Christel Walter ist froh, über solches Engagement: „Genau das, was wir brauchen.“

„Langeweile. Boredom. Ennui“ ist noch bis

Sonnabend, 8. November, im Forum Mola Kunst, Schwachhauser Heerstraße 268a, zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonnabends, 13 bis 18 Uhr. Zur Vereinbarung von Gruppenterminen Anmeldung unter Telefon 27 65 88 88. Weitere Infos im Internet unter www.forum-mola-kunst.de.

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