In Bremen gut aufgestellt

Die DLRG hat das Wasser immer im Blick

Die DLRG überwacht im Sommer die Badeseen – und kann nicht über Nachwuchsprobleme klagen. Drei Ehrenamtliche erzählen, warum sie sich engagieren.
21.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helke Diers
Die DLRG hat das Wasser immer im Blick

Marie Clausen (links) und Melissa Reincke gehören zu den Ehrenamtlichen, die sich bei der DLRG in Bremen engagieren und die Badeseen überwachen.

Frank Thomas Koch

Sie verbringen viel Zeit damit, durchs Fernglas das Wasser zu beobachten. Wenn dann etwas passiert, muss es ganz schnell gehen. Philipp Postulka, Marie Clausen und Melissa Reincke sind junge Erwachsene und Ehrenamtliche bei der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). An acht Bremer Badeseen überwachen sie und ihre ehrenamtlichen Kollegen Stunde um Stunde die Schwimmer. Nachwuchsprobleme gebe es nicht, sagt Landesvorstandsmitglied Postulka, trotzdem sind Freiwillige gern gesehen.

Marie Clausen ist 32 Jahre alt, Mathematikerin und arbeitet an einem Forschungsinstitut. „Ich habe mit 13 Jahren bei der DLRG angefangen. Hintergrund war eine Vier ein Sport.“ Die Sportlehrerin habe der Mutter geraten, dass die Tochter sich einen Sportverein suchen solle. Clausen meldete sich an, lernte den späteren Ehemann bei den Rettungsschimmern kennen, wechselte mit Beginn des Studiums zu den Bremer Wasserrettern und blieb. Kein untypischer Verlauf, sagt Vorstandsmitglied Postulka. Viele Aktive würden auch über Umzüge hinweg dem Ehrenamt treu bleiben. Am Bultensee in Tenever ist Clausen Stationsleiterin der DLRG-Wache.

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Clausen erklärt, wie eine Schicht für die Wasserretter beginnt: „Am Wochenende kommen wir zum See und machen uns einsatzbereit. Die Funkgeräte werden eingeschaltet. Und es wird aufgeflaggt, um den Badegästen zu signalisieren, dass wir da sind.“ Wenn die Ehrenamtlichen in die gelben oder roten Shirts geschlüpft sind und das Boot herausgeholt haben, beginnt der Rettungsdienst.

Die Rettungsschwimmer beobachten die Badestellen, die durch eine Bojenkette vom Rest der Seen getrennt werden. „Rund 200 Einsätze hatten wir im letzten Jahr im Land Bremen“, sagt Postulka. „Zehn davon waren lebensrettend.“ Die Schichten bestehen nicht nur aus Rettungseinsätzen. Manchmal sorgen die Ehrenamtlichen dafür, dass es gar nicht erst zu gefährlichen Situationen kommt. Sie sprechen beispielsweise nichtschwimmende Kinder hinter den Abtrennungen an. „Es wird auch viel durch uns verhindert“, sagt Postulka.

Klare Zielgruppen

Durch Erfahrung wüssten die Rettungsschwimmer, wen sie besonders beobachten müssten. Denn hunderte Menschen gleichzeitig im Blick zu behalten, das schaffen auch die ausgebildeten Freiwilligen nicht. „Unsere klaren Zielgruppen sind schlechte Schwimmer. Und Menschen, die hinausschwimmen, immer langsamer werden und öfter untertauchen. Die zieht man dann raus, bevor sie untergehen.“ Clausen berichtet davon, regelmäßig Eltern anzusprechen, die mit kleinen Kindern und Schwimmflügeln die Badeinseln im tiefen Wasser zu erreichen versuchten. Auch kleinere Verletzungen wie Schnitte durch Scherben können die Wasserretter versorgen, erklärt sie.

Wenn keiner der Aktiven Zeit hat, bleibt ein Badesee unbeobachtet. Mit der geballten Kraft der Freiwilligen schaffe die DLRG aber in der Regel „hervorragende Besetzungszeiten“, sagt Postulka. Feste Uhrzeiten gibt es nicht, diese Verlässlichkeit könne man von einer ehrenamtlichen Struktur auch nur schwer verlangen, findet er. Badegäste können an der rot-gelben genormten Flagge erkennen, wenn eine Badestelle einsatzbereit besetzt ist

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„Wir haben keine Nachwuchssorgen. Wir haben immer Bedarf an Neuen, aber es ist nicht so, dass wir die Wachen nicht mehr besetzen können“, sagt Postulka. Rund 300 Aktive seien es im Landesverband Bremen. Manche seien in den Sommerferien fast täglich am See, andere kämen ein paar Mal pro Jahr. „Manche verbringen auch ihren Urlaub mit der DLRG“, lacht Clausen. Die 19-jährige Melissa Reincke ist eine von ihnen. Jüngst war sie für zwei Wochen ihrer Sommerferien an der Nordseeküste im Einsatz für die Lebensretter. Die Abiturientin ist durch die Familie zu den Wasserrettern gekommen: „Ich bin in die DLRG hineingeboren, meine Eltern sind beide in der DLRG.“ Seit zwei Jahren ist sie am See dabei.

Berührende Situationen

Melissa Reincke erzählt, besonders von Situationen berührt zu sein, in denen Eltern ihre Kinder vermissten. „Wenn eine aufgelöste Mutter vor einem steht, die komplett fertig mit den Nerven ist, nur noch ihr Kind sucht und Angst hat, dass es im Meer ertrunken ist. Wenn sie ihr Kind wieder in die Arme schließt und man sieht: Die will das nie wieder los lassen.“

Was treibt junge Menschen dazu, ihre Freizeit ehrenamtlich bei den Wasserrettern zu verbringen? Die drei Aktiven haben unterschiedliche Antworten für sich gefunden. Zwei Momente scheinen alle drei zu teilen: Etwas Sinnvolles gemeinsam mit Anderen zu tun. „Es ist ein interessantes Ehrenamt“, findet Philipp Postulka. Man sei am Strand und könne gleichzeitig etwas Nützliches tun. „Wir sind ein eingeschworenes Team, das aber immer neue Leute aufnimmt“, sagt er. Ähnliches erzählt Wissenschaftlerin Clausen: „Am Anfang war es die Sportmotivation. Und dann rutscht man da rein. Ich habe gemerkt, das Helfen und auch Verantwortung übernehmen, das hat mir irrsinnig viel Spaß gemacht.“

Weitere Informationen

Die DLRG sucht nach neuen Aktiven, egal welchen Alters. „Wir freuen uns über jeden, der mit anpackt“, sagt Philipp Postulka. Kontakt zum DLRG bekommen Interessierte unter der Telefonnummer: 0421 528 9999 und www.bremen.dlrg.de.

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