Amtsaufgabe des Präsidenten der Jacobs University sorgt für Diskussionen Kein Steuergeld für Peitgen

Bremen. Die Jacobs University in Grohn betont, dass sie die "verbliebenen finanziellen Vertragsverpflichtungen" nach dem Rücktritt von Präsident Heinz-Otto Peitgen erfüllt und "daher keine Steuergelder in Anspruch genommen" würden.
09.01.2014, 00:00
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Kein Steuergeld für Peitgen
Von Wigbert Gerling

Die Jacobs University in Grohn hat am Mittwoch betont, dass sie die „verbliebenen finanziellen Vertragsverpflichtungen“ nach dem Rücktritt von Präsident Heinz-Otto Peitgen erfüllt und „daher keine Steuergelder in Anspruch genommen“ würden.

Diese öffentliche Erklärung war offenbar notwendig geworden, nachdem zuvor eine Abfindung von angeblich rund 800000 Euro kritisch thematisiert und nicht ausgeschlossen worden war, dass erneut finanzielle Erwartungen an den Senat gerichtet werden könnten. Dem Vernehmen nach reagierte unverzüglich der sozialdemokratische Wirtschaftssenator Martin Günthner, der dem Aufsichtsrat der Jacobs University angehört, und verhinderte, dass Bremen zur Kasse gebeten wird.

Die Privatuniversität in Grohn hat seit Jahren finanzielle Schwierigkeiten. Der Senat hatte kürzlich zugesagt, die Universität fünf Jahre lang mit je drei Millionen Euro zu unterstützen. Dann aber müsse das Millionen-Defizit der Hochschule abgebaut werden. Auch die Jacobs Foundation, der Hauptgeldgeber der Universität, hatte Erwartungen an die finanzielle Entwicklung gestellt. Um den Weg zur Sanierung gab es offenbar intern Kontroversen, sodass Präsident Peitgen schließlich im November erklärte, er werde sein Amt zum Jahresende niederlegen. Als Grund nannte er „unterschiedliche geschäftspolitische Auffassungen über die Steuerung der Universität, insbesondere zur Frage, wie das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts erreicht werden soll“. Das „Board of Governors“, einem Aufsichtsrat vergleichbar, bedauerte die Entscheidung „zutiefst“. Peitgen hatte die Stelle des Präsidenten erst im Januar 2013 übernommen.

In politischen Kreisen sorgte gestern die Frage für Unmut, ob dieser Amtsverzicht von Präsident Peitgen womöglich mit einer sechsstelligen Abfindung zulasten der Steuerkasse flankiert werde. Im Verlauf des Tages gab es dann eine Erklärung aus dem Haus von Wirtschaftssenator Martin Günthner: „Das Land Bremen,“ so heißt es darin, „war an der genannten Personalentscheidung der Jacobs University zur Beendigung der Präsidentschaft von Professor Peitgen nicht beteiligt.“ Die Hansestadt werde sich „entsprechend auch nicht an der Finanzierung von etwaigen Abfindungszahlungen beteiligen“. Senator Günthner habe „gegenüber den Beteiligten unmissverständlich klargestellt, dass er hier ausschließlich die Jacobs Foundation in der Verantwortung sieht.“

Überdies gab es gestern dazu eine Stellungnahme aus der Jacobs Universität. Sprecherin Ines Heise verwies darauf, dass der Aufsichtsrat der Einrichtung in Grohn „der vorzeitigen Beendigung der Präsidentschaft von Professor Peitgen zum 31. Dezember 2013 zugestimmt“ habe. Die Universität werde die „verbliebenen finanziellen Vertragsverpflichtungen“ erfüllen.

Einzelheiten beispielsweise zur möglichen Höhe einer Abfindung gab es nicht. Alle Beteiligten, so heißt es, seien zur Verschwiegenheit verpflichtet. Für etwaige „budgetäre Belastungen der Vertragserfüllung“ komme die Jacobs Foundation in Zürich auf.

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