Gutachten zum Schienenverkehr Keine Antworten zum Thema Lärmbelästigung

Bremen. Auf wenig Verständnis seitens der Bremerinnen und Bremer stießen am Montag Behördenvertreter bei einer öffentlichen Vorstellung des Gutachtens zur Kapazität des Eisenbahnnetzes.
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Keine Antworten zum Thema Lärmbelästigung
Von Max Polonyi

Auf wenig Verständnis seitens der Bremerinnen und Bremer stießen am Montag Behördenvertreter bei einer öffentlichen Vorstellung des Gutachtens zur Kapazität des Eisenbahnnetzes. Zu der Veranstaltung im Konsul-Hackfeld-Haus waren etwa 50 Interessierte gekommen, um sich die Studie, die eine Zunahme des Güterverkehrs in und um Bremen von 40 Prozent in den nächsten 20 Jahren prognostiziert, erklären zu lassen.

In einer anschließenden Diskussionsrunde ging es besonders um Fragen zum Lärm, den die wachsende Anzahl der Züge verursachen könnte. Allerdings konnten weder die Behördenvertreter, noch die Gutachter selbst, darauf klare Antworten geben.

„Wir alle sind uns bewusst, dass die Lärmfrage ein heikles Thema ist“, sagte Gunnar Polzin von der Verkehrsbehörde. „Aber eine Untersuchung der potenziellen Lärmbelastung durch mehr Schienenverkehr in Bremen war nicht Teil der Studie.“ Das Gutachten sei lediglich ein erster von insgesamt drei Schritten einer Planerstellung, um dem wachsenden Bedarf am Güterschienenverkehr und Personennah- und Fernverkehr gerecht zu werden. „In diesem Schritt sollte zunächst einmal die Auslastung, sowie die zukünftige Entwicklung des Netzes identifiziert werden“, so Polzin. Messungen zu einer eventuell höheren Lärmbelastung durch Züge seien zwar geplant, könnten aber erst in den kommenden drei Jahren erfolgen, berichtete der Vertreter der Verkehrsbehörde.

Der Großteil der Veranstaltungsbesucher war allerdings genau aus diesem Grund zu der Präsentation gekommen. So erhielt Walter Ruffler, Mitbegründer der „Bahnlärm-Initiative Bremen“, lauten Applaus, als er die thematische Eingrenzung der Studie kritisierte: „Ich bin fassungslos dass ein grüner Umweltsenator bei so einem Gutachten nicht darauf besteht, dass die Lärmzunahme berücksichtigt wird“, so Ruffler.

Auch wenn Fragen zur Geräuschbelastung im Mittelpunkt standen, äußerten einige Besucher auch andere Bedenken bezüglich des Gutachtens. „Aus der Studie geht hervor, dass der Personenverkehr weniger wachsen wird, als der Güterverkehr“, sagte Michael Rüppel vom Beirat Mitte. „Der Nahverkehr sollte aber nicht darunter leiden, dass die Güterzüge viele Gleise besetzen.“

Besucher Dieter Blanke forderte, ein eigenes Güterverkehrsnetz zu schaffen, welches die Städte weiträumig umgeht. So würde der Personenverkehr erheblich entlastet und die Lärmbelästigung nähme ab“, so Blanke. Behördenvertreter und Gutachter verwiesen aber auf die Kosten eines solchen Projektes. „Wenn wir das ernsthaft betreiben wollten, müssten wir uns als Wähler von vielen lieb gewonnenen Dingen trennen“, scherzte Gutachter Thomas Rössler. Gunnar Polzin fasste zusammen: „Es sind noch keine Entscheidungen getroffen und es passiert nichts von heute auf morgen“, so der Vertreter der Verkehrsbehörde. „Wir werden realistische Maßnahmen planen und die Bedürfnisse der Anwohner mit einbeziehen.“ Die Lärmbelastung soll bei der Planung ein „entscheidendes Kriterium sein“, sagte Polzin.

In der Ende Oktober veröffentlichten Untersuchung, die im Jahr 2010 von der Stadt und der Deutschen Bahn in Auftrag gegeben wurde, wird die Schienenverkehrsentwicklung bis zum Jahr 2030 prognostiziert. Die Zahl der Züge, die durch Bremen fahren, soll demnach in 20 Jahren von heute rund 270000 auf 380000 ansteigen. Besonders betroffen ist dabei der Güterverkehr, der um fast 70 Prozent zunehmen soll.

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